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Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Parwati
Parwati (Parvati ~ Bergtochter) wird als Tochter des Bergkönigs Himawat und Schakti von Schiwa, in einem mit Durga, verehrt. Der Kriegsgott Kartikeja gilt als ihr Sohn. Die beiden Seinsaspekte des Absoluten werden oft als Parwati und Schiwa dargestellt.
nach «Lexikon der Götter und Dämonen»
Parvati «Die dem Gebirge Zugehörende», also offenbar mit dem Himalaya in Verbindung gebrachte indische Göttin, wird manchmal mit → Gauri oder → Uma, häufiger jedoch mit der göttlichen Mutter → Shakti («Energie») gleichgesetzt. Sie war die Gefährtin und lebenspendende Kraft von Shiva, dem (neben Brahma und Vishnu) dritten großen Gott der Hindu-Trinität [Trimurti], und viele Mythen ranken sich um sie.
Shivas Beachtung gewann Parvati, indem sie Askese praktizierte, bis sie eine solche Macht hatte, daß er ihr nicht mehr zu widerstehen vermochte. Von nun an verbrachte er seine Zeit damit, der Göttin Lust zu bereiten. Als sie einmal unterbrochen wurden, bevor sie befriedigt war, wünschte Parvati den Göttern, daß ihre Gattinnen unfruchtbar würden, sie selbst aber schwanger sein sollten. Die damit verbundenen Beschwerden führten dazu, daß die Götter sich schrecklich elend fühlten, bis Shiva ihnen erlaubte, den Samen zu erbrechen, mit dem sie befruchtet worden waren.
Parvati hatte einen Sohn, aber nicht von ihrem Gemahl Shiva, der nicht mit Kindern belästigt werden wollte. Als sie eines Tages darüber stritten, hatte Parvati ausgerufen, sie wolle ein Kind, das sie im Arm halten und streicheln könne. Shiva riß ein Stückchen von ihrem Rock ab und reichte es ihr mit den Worten, das könne sie ja liebkosen. Verletzt und gedemütigt zog Parvati das rote Tuch an ihre Brust, und als der Stoff die Brustwarzen der Muttergöttin berührte, nahm er menschliche Form an und begann zu saugen. Auf diese Weise wurde der mildtätige Gott Ganesha geboren. Aber der wütende und eifersüchtige Shiva erfand einen Grund, um das Kind loszuwerden, und schlug ihm das Haupt ab.
Parvati war so untröstlich vor Kummer, daß sich Shiva schämte und sie damit tröstete, einen neuen Kopf für das Kind suchen zu wollen. Den einzigen, den er finden konnte, war der eines Elefanten. So wurde Ganesha halb als Mensch, halb als Elefant wiedergeboren.
Shivas Shakti-Parvati wird auch → Kali oder → Durga genannt, denn sie ist bisweilen eine grimmige Form der Weiblichkeit. Eine Legende erklärt, wie sich die Göttin selbst geteilt hat: Ursprünglich scheint sie dunkle Haut gehabt zu haben, wegen der Shiva sie einmal zuviel aufzog. Sie wurde so wütend - denn sie fand sich selbst alles andere als schön und wünschte, so goldfarbene Haut wie er zu haben -, daß sie sich in die Berge aufmachte, um dort so lange Askese zu üben, bis ihr Wunsch sich erfüllt habe. Ganesha begleitete sie. Sie ließ Shivas Diener Viraka zurück, um Shivas Schlafzimmer zu bewachen, damit er sich dort während ihrer Abwesenheit nicht mit anderen Frauen vergnügte. Aber ein Dämon, der sich als Parvati verkleidet hatte, versuchte Shiva zu töten. Er lockte den Gott ins Bett, nachdem er seine vorgetäuschte Vagina mit Nägeln gefüllt hatte. Shiva erkannte den Betrug, befestigte ein Schwert an seinem Penis und tötete den Dämon.
Parvatis Gewährsleute verbreiteten die Nachricht, man habe eine Frau beim Betreten von Shivas Schlafzimmer gesehen, und Parvati geriet außer sich vor Zorn. Ihre Wut schlug aus dem Mund in Gestalt eines Löwen, und sie belegte den Wächter Viraka, den sie für unzuverlässig halten mußte, mit dem Fluch, daß er zu einem Felsen werde. Dann fuhr sie mit ihren Yoga-Übungen fort, bis sich Brahma ihrer erbarmte und sie fragte, ob er ihr einen Wunsch erfüllen könne. Als sie antwortete, sie hätte gerne eine Haut aus reinem Gold, sprang von ihrem Körper das Dunkle in Gestalt einer anderen Göttin, der schwarzen Kali.
Da sie nun golden und wunderschön war, kehrte Parvati nach Hause zurück. Viraka, der immer noch Wache vor ihrem Schlafzimmer hielt, wenn auch in Gestalt eines Felsen, weigerte sich, sie hereinzulassen, da er die Göttin in ihrer neuen Haut nicht erkannte. Jetzt erkannte sie seine Loyalität und sah ein, daß sie ihn zu Unrecht verdammt hatte. Sie war jedoch nicht in der Lage, ihre Verwünschung rückgängig zu machen, sondern konnte sie nur mildern, indem sie ihm erlaubte, als Mädchen namens Fels wiedergeboren zu werden.
aus «Lexikon der Göttinnen»; S.220