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Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Brigit
Brigit ist das irische Gegenstück der Brigantia. Es ist nicht ausgeschlossen, dass jene Brigantes, die sich im Südwesten Irlands und auf der Ebene von Meath niederliessen, diesen Namen der Grossen Göttin nach Irland brachten. Der auf einen indoeuropäischen Stamm zurückgehende Name bedeutet „Erhabenheit”; kein Wunder, dass etliche Orts- und Flussnamen aus ihm gebildet wurden, etwa Bragança in Portugal, Bregenz, die einstige Hauptstadt der Briganten am Bodensee, Brig im Wallis, die Ebene von Brega in Irland sowie die Flüsse Brigach und Breg, welche die Donau anspeisen, oder Braint, Barrow und Brent in Britannien und Irland. Interessanterweise entwässert ein Brent, unweit von Glastonbury, das ehemalige Sumpfgebiet um Avalon. Von Keltologen wird sie gern als „keltische Minerva” apostrophiert, fallen doch viele ihrer Funktionen mit denen der römischen Göttin zusammen.
In Irland wurde Brigit gleichbedeutend mit „Göttin”. Das «Lebor Gabála Érenn» stellt sie als Tochter des Dagda und Besitzerin der beiden magischen Ochsen Fea und Femen vor. «Cormacs Glossar» im frühen X.Jahrhundert bezeichnet sie als Dichterin und Prophetin, Hüterin der fili, während ihre beiden gleichnamigen Schwestern Ärzte und Schmiede, dann generell Handwerker beschützten. Sie kann somit als dreifache Göttin (vgl. Durga) in drei Verkörperungen erscheinen.
Daneben behütete sie Landwirtschaft und Bauerntum (vgl. Démeter), indem sie für Vieh und Ernte sorgte sowie in Gestalt von Wasserläufen das Land fruchtbar hielt. Auch stand sie den Frauen bei der Geburt bei und hielt ihre segensreiche Hand über die Kinder. Auf ihre Heilerfunktion verweisen unzählige ihr geweihte Quellen.
Brigits ureigenes Element war jedoch das Feuer - „Brigits feuriger Pfeil”wurde sprichwörtlich und war letztlich vom selben Ursprung wie die Sonne. In Kriegszeiten zählten vor allem die Männer der Provinz Leinster auf ihre Hilfe. In Kildare stand neben einer heiligen Eiche ihr Heiligtum.
Das «Lebor Laignech» (~ Buch von Leinster) macht Brigit statt der Ériu zur Mutter des Bres. Dies ändert kaum etwas an ihrer Funktion, denn Banba, Fódla oder eben Ériu sind Manifestationen der dreifachen Muttergöttin. Nach der gebräuchlicheren Überlieferung war sie hingegen die Gemahlin des Bres und gebar ihm Ruadán, den sie tragischerweise wieder verlor, sodass zum erstenmal „Schreien und Weinen”, also die traditionelle Totenklage in Irland ertönte, womit auch der Tod in den Wirkungsbereich der Göttin einbezogen wurde.
Und weil die frühkeltische Kirche gegen die allgegenwärtige Muttergöttin nicht aufkam, wurde diese christianisiert. Das Sonnensymbol der Swastika wurde von Saint Brigid of Kildare als „St.Brigids-Kreuz” übernommen.
nach «Lexikon der keltischen Mythologie»
Brigit, Bridget Das wohl deutlichste Beispiel für den Fortbestand einer frühen Göttin bis in christliche Zeiten ist Brigit, die große dreifaltige Göttin der keltischen Iren, die in England als → Brigantia auftauchte, als Bride in Schottland und Brigandu im keltischen Frankreich. Die Verehrung dieser Göttin, einer Tochter des irischen Hauptgottes Dagda, war bei den Iren so tief verwurzelt, daß die Christen sie zusammen mit dem Volk «bekehrten». Sie nannten sie nun Bridget, erhoben sie zur Schutzpatronin der grünen Insel, verkörpert in der braven Tochter eines Druiden, von der es hieß, sie sei vom Patriarchen St.Patrick höchstpersönlich getauft worden. Diese Bridget legte das Ordensgelübde ab, gründete selbst mehrere Klöster und wurde nach ihrem Tod (523, im Alter von 70 Jahren) unter die Heiligen eingereiht, und zwar aufgrund bemerkenswerter Eigenschaften, die kaum rein zufällig mit jenen der frühen Göttin übereinstimmten.
Die christliche Bridget soll zum Beispiel die Befugnis besessen haben, die Bischöfe Irlands einzusetzen, eine ungewöhnliche Rolle für eine Äbtissin, noch seltsamer durch die von ihr erhobene Forderung, daß die Bischöfe alle ausübende Goldschmiede sein mußten; denn die alte Brigit war in einer ihrer drei Formen die Göttin der Schmiedekunst gewesen. Ebenso oblag ihr die Förderung der Inspiration und der für das britische Brauchtum so wichtigen Dichtkunst, und zu diesem Zweck trug sie stets einen Zauberkessel bei sich. Ihre dritte Funktion war die einer Göttin der Heilkunst. So war es kein Wunder, daß die christliche Bridget auch als Muse und als Heilerin angerufen wurde.
Das Symbol der dreifältigen Brigit war das Feuer; denn ihr Name bedeutete «Leuchtender Pfeil» oder «Die Strahlende». Fast bis in die Neuzeit blieb der uralte Brigit-Kult an ihrem Heiligtum in Kildare erhalten, wo 19 Jungfrauen das nie verlöschende Feuer bewachten und wo am 20.Tag eines jeden Mondzyklus das Feuer wunderbarerweise von der Göttin selbst versorgt wurde. Noch im 18.Jahrhundert erklang dazu das Lied: «Brigit, du ausgezeichnete Frau, jähe Flamme, möge uns die helle, feurige Sonne zum ewigen Königreich bringen.» Dabei war Brigit bereits seit mehr als tausend Jahren keine Göttin mehr, sondern eine Heilige (ihr Festtag ist der 1.Februar), und ihre Gefolgschaft bildeten fromme Nonnen und nicht mehr heidnische Priesterinnen. Die Iren erzählen, daß Brigit den Menschen eine Reihe sehr nützlicher Fertigkeiten beibrachte, so etwa das Pfeifen, das sie «erfand», als sie eines Nachts ihre Freunde rufen wollte. Und als ihr geliebter Sohn getötet wurde, entwickelte Brigit das Keening, den Klagegesang der Frauen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Diese Geschichte rückt sie in die Nähe der großen Muttergöttinnen des östlichen Mittelmeerraums, und so wie diese wurde Brigit mit der Erde selbst identifiziert und mit der Fruchtbarkeit des Bodens.
Es sind vorzeiten zweifellos viele Geschichten von dieser größten irisch-keltischen Göttin erzählt worden, doch nur wenige sind überliefert. Immerhin heißt es, daß ihr Bronzeschuh der heiligste Gegenstand war, den man sich vorstellen konnte, und ihre matriarchalische Position war dermaßen stark, daß es keinem Mann erlaubt war, die Hecke zu passieren, die ihr Heiligtum umgab.
aus «Lexikon der Göttinnen»; S.54f