zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Nut
Nut ist die Himmelsgöttin der Altägypter (vgl. Hathor). Im Sinne der Trennung von Himmel und Erde wird sie vom Luftgott Schu beständig über den Erdgott Geb gehoben. Abends verschluckt sie im Westen die Sonne, morgens im Osten entlässt sie diese wiederum. Die „Sau, die ihre Ferkel frisst” nimmt alle Gestirne in sich auf. Der Sarg gilt als Symbol des Himmels, ja der Nut selbst, aus welcher der Tote zu neuem Leben erwachen möge. Die interpretatio græca setzt 'Ρεία (Rheía) an ihre Stelle.
ABGEBILDET ist sie als gewaltige, über die Erdfläche gebeugte Frau mit den Füssen im Osten und den Armen im Westen.
nach «Lexikon der Götter und Dämonen»
Nut Lange bevor es unsere Erde gab, lag die ägyptische Himmelsgöttin Nut über dem Körper ihres kleinen Bruders Geb, der Erde, und hielt ihn in fortwährendem Geschlechtsverkehr umfangen. Aber der große Gott Re mißbilligte ihren ununterbrochenen Inzest und befahl Schu, dem Gott der Lebenskräfte, das Paar zu trennen. Um Nut und Geb für immer auseinanderzuhalten, hob Schu den sternenbesäten Bauch der Himmelsgöttin hoch über den Körper der Erde. Und so begegnet uns Nut in der ägyptischen Kunst: ein Frau, die auf ihren Zehenspitzen steht und sich in einem vollkommenen Bogen nach vorn beugt, wobei ihre Finger die Erde zu ihren Füssen berühren und ihr Haar wie Regen herabfällt. So steht sie auch auf der Innenseite der Mumiensärge, wo sie als Mutter der Toten ihren langgestreckten Körper schützend über die Einbalsamierten reckt.
Re verfluchte Nut wegen dieser Liebe und verbot ihr, in irgendeinem Monat des Jahres, Kinder auszutragen. Aber der Mondgott Thoth umging diesen Fluch, indem er mit dem Mond Dame spielte und ihm fünf Schalttage abgewann, die zu keinem Monat gehörten, sondern zwischen den Jahren schweben. Und in diesen fünf Tagen brachte Nut aus dem Samen ihres Bruders fünf Kinder hervor: die Schwestergöttinnen → Isis und → Nephthys, deren Gefährten Osiris und Seth und den Sonnengott Horus.
Manchmal nahm Nut die Gestalt einer riesigen Kuh an; und dieses Aussehen hatte sie gerade wieder angenommen, als der Gott Re beschloß, die Erde sich selbst zu überlassen. Sie kniete sich nieder, so daß er auf sie klettern konnte. Dann richtete sie sich mühsam auf und trug den Gott auf ihrem Rücken, bis ihr von der Last schwindlig wurde. Sofort eilten vier Götter herbei, um Nuts riesigen Körper zu stützen, und blieben von nun an dort als die vier Säulen der Welt.
aus «Lexikon der Göttinnen»; S.209f