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Merkblatt 17:
Schulungswege
einst und heute
Schulung wurde notwendig, als die Menschen der nachatlantischen Epoche
das althergebrachte Schauen allmählich sowie unterschiedlich rasch verloren.
Schulung heisst Arbeiten an der (eigenen) Entwicklung,
ein Schulungsweg ist eine auf Fortschritt gerichtete Arbeitsmethode.
Geschult werden können die drei Seelenkräfte (Wollen, Fühlen und Denken),
wobei die fünf Seelengesten (zwischen Antipathie und Sympathie) gleichgewichtet
und die vier Seelenbewegungen (Demut, Glaube, Liebe, Hoffnung) verklart werden.
Geschulte des Wollens nennt man Magier, des Fühlens Heiler, des Denkens Weise.
Die ältesten Schulungswege (sowohl der altindische Joga¹, als auch der chinesische Dau¹ ua. zielten auf die Denkkräfte unter Zuziehen von Wollen und Fühlen - der Meister (Guru)² gebot.
Jüngere Schulungswege (ägyptische, daraus später griechische) begannen auf das Fühlen unter Zuziehen von Wollen und Denken zu zielen - der Priester weihte ein.
Ein Sonderweg war der hebräische, später jüdische, welcher bereits ansatzweise auf das Wollen zielte - der Prophet ergründete.
Mit dem Mysterium von Golgatha wurde die Einweihung mit allen drei Seelenkräften in voller Öffentlichkeit vom Christus Jesus dargelebt.
Der gemüthafte christliche Einweihungsweg für Fühlen, Wollen und Denken folgt mit seinen sieben Stufen (Fusswaschung, Geisselung, Dornenkrönung, Kreuzigung, mystischer Tod, Grablegung und Auferstehung, Himmelfahrt) dem Beispiel des Christus Jesus⁵ -
(Meister) Jesus steht bei.
Aus der Christusnachfolge entwickelten sich die mystischen³ und die chymischen⁴ Wege.
Im Judentum kamen Merkabah-Mystik, dann Qabalah auf, im islamischen Raum u.a. Sufi- und Derwischtum, alle in verschiedenen Mischungen -
Rabbi oder Mullah lehren.
Der siebenstufige⁶ chymische Weg wurde durch Christian Rosenkreutz zum Rosenkreuzerweg für die Willenskultur sowie Denken und Fühlen weitergestaltet -
Meister Rosenkreutz hilft.
Der anthroposophische Schulungsweg (Mondenweg) geht vom Denken in das Wollen und strebt ein gleichmässig ausgewogenes Vervollkommnen aller drei Seelenkräfte an -
jede/r schult sich eigenverantwortlich.
Anmerkungen
1 Joga wie Dau (tao, japan.: do; vgl. Tönen und Tao) sind Gruppen von Schulungswegen.
2 Der Guru führt von der Finsternis (gu) zum Licht (ru).
3 mehr nach innen gerichtet mit Tendenz zu apophatischer (unbegrifflicher) Geistigkeit
4 mehr nach aussen gerichtet mit Tendenz zu kataphatischer (begrifflicher) Geistigkeit (Eine Form wurde aus der von den Arabern übernommenen Alchimie entwickelt.)
5 vgl. Mbl.26: α'-ζ'
6 vgl. E.BOCK in «Könige und Propheten»; S.192f
Literatur
siehe auch Stichwort-Register
STEINER, R.: «Die Mystik im Aufgange ...»
ELIADE, M.: «Geschichte der religiösen Ideen - Bd.1»
LAU DSE/J.ULENBROCK: «Dau Dö Djing»
SCHIMMEL, A.: «Mystische Dimensionen des Islam»
SCHOLEM, G.: «Die jüdische Mystik»
SRI AUROBINDO: «Der integrale Yoga»