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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Emil BOCK zu den
SIEBEN MYSTERIENSTUFEN
Man kann ihn nur verstehen aus den Mysterienströmungen heraus, die durch planmäßige, stufenweise Arbeit die Umwandlung der Seelenkräfte und die Erringung eines geistigen Mut- und Kraftkernes im menschlichen Seelenwesen anstrebten. Zu allen Zeiten sind dort Bildbegriffe geprägt worden, um die zu durchmessenden Stufen des inneren Weges zu bezeichnen. Halten wir uns einmal an die Darstellung der sieben Hauptstufen, wie man sie zur Zeit des Urchristentums in den Mithrasmysterien kannte, weil uns da die in Betracht kommenden Namen in besonders klassischer Deutlichkeit überliefert sind, vor allem in den Schriften des Kirchenvaters Hieronymus. Das Ziel des Mithrasdienstes war ja in erster Linie, die durch den Blick auf den kämpfenden und siegenden Sonnenhelden Mithras in der Seele die Fackel der inneren Stärke und des gläubigen Mutes anzuzünden.
Erreichte der Myste die erste Stufe der Seelenumwandlung, so bezeichnete man ihn als »Raben« (corax); denn jetzt war er fähig geworden, die Botschaft der Götterwelt zu empfangen. Auf der zweiten Stufe zog sich der Strebende ganz in die verborgene Einsamkeit des eigenen Inneren zurück. Aus den Brunnentiefen des eigenen Wesens schöpfte er Seeleninhalte, die ihm kein Mensch von außen ansehen konnte. Sein eigentliches, wahres Wesen war fortan wie durch einen Tarnhelm unsichtbar geworden, und man nannte ihn den »Verborgenen« (occultus). Auf der dritten Stufe wurde er zum »Streiter« (miles) des Geistes. Von ihm gingen jetzt Wirkungen aus, durch die sich das Geistig-Unrichtige wie von einem scharfen Schwert getroffen fühlte. Die vierte, mittlere Stufe war die des »Löwen« (leo). Hier zog eine sonnen- und sieghafte höhere Kraft in das Herz des Mysten ein. Das einwohnende Göttliche gab ihm eine königliche Beherztheit und schauende Leuchtkraft in der Wesensmitte. Den bis zur fünften Stufe Eingeweihten nannten die Diener des Mithras »Perser« (Persa). Man hätte ihn aber auch in anderen Volkszusammenhängen z.B. einen »wahren Israeliten« oder einen »wahren Griechen« nennen können. Denn auf dieser Stufe erweiterte sich das persönliche Seelensein zu dem des ganzen Volkes. Der einzelne Mensch wurde in besonderem Sinne Träger und Instrument für den Genius seines Volkes und konnte Führer der Seinen werden. Auf den letzten Stufen wuchs der Myste zu kosmischen Vollmachten heran und wurde als »Sonnenheld« oder »Sonnenläufer« (heliodromos) und schließlich als »Vater« (pater) bezeichnet.
aus «Könige und Propheten»; S.192f