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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Hermann PFROGNER zu
TÖNEN und TAO
Das zu Beginn des Mondenjahres, der zugleich den Frühlingsanfang bezeichnete, im Zusammenhang mit den vier Himmelsrichtungen gegebene Mandala tönte folgendermaßen auf:
      Tschi
(D)
Süden
     
 
Küo
(H)
Osten
 
Kuang
(G)
Mitte
 
Schang
(A)
Westen
 
     

(E)
Norden
     
Daß wir anläßlich jener uralten chinesischen Reminiszenz des Auftönens der Weltenkräfte aus vier entgegengesetzten Himmelsrichtungen just zur Tai Tsu (G)-Pentatonik greifen, hat seinen Grund darin, daß wir der seinerzeit aufgeführten, archaischen Hsia-Monatszählung gern wieder zu ihrem Recht und gebührend vertiefter Beachtung verhelfen möchten, jener Zählung also, die dem ältesten, noch halbmythischen Herrschergeschlecht zugeschrieben wird, das nach chinesischer Darstellung als erstes (etwa ab 2200 v.Chr.) unmittelbar auf die mythischen Kaiser folgte. [...]
Was den Chinesen als Gipfel innerer Weltorientierung galt, war das Innewerden des SINNs, wie R.Wilhelm das geheimnisumwobene Wort TAO [a] übersetzt. Diesem SINN sich zu öffnen, ihn ganz in sich hineinzunehmen, um eins mit ihm zu werden, in ihm ganz und gar aufzugehen, galt allezeit als höchstes Bestreben. War jenes verborgene Walten des Weltengrundes, das die alten Hsia-Herrscher als Nachfolger der mythischen Kaiser in regloser Haltung lauschend zu empfangen trachteten, um es durch Nichthandeln zur Wirkung zu bringen, nicht gerade jener SINN, jenes TAO? [...]
Auch die Zeichen des I Ging wurzeln in der Urpolarität des Yang- und Yin-Prinzips, der Kräfte des Lichten und Schattigen. Dem männlich zeugenden Yang-Prinzip [b] entspricht das Strichsymbol: ⚊, dem weiblich empfangenden Yin-Prinzip [c] hingegen das Strichsymbol: ⚋. Um diese Zeichen recht aufzufassen, hat man sie nicht als statisch, sondern als dynamisch anzuschauen. Wird die Yang-Linie aktiv angeschaut, so dehnt sie sich so lange aus, bis sie plötzlich in zwei Teile zerreißt, die zur Yin-Linie werden. Wird die Yin-Linie ihrerseits aktiviert, zieht sie sich immer mehr zusammen, bis ihre Teile eine einzige Yang-Linie werden. [...]
aus «Lebendige Tonwelt»; S.75ff
a] auch „Dau” (~ Weg; vgl. Dau Dö Djing)
b] im Taoismus ursprünglich die Südseite des Berges oder das Nordufer des Flusses, beide besonnt
c] im Taoismus ursprünglich die Nordseite des Berges oder das Südufer des Flusses, beide verschattet