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Zitatensammlung
Teil 1
oser la rose
Zitate von Rudolf STEINER zur
ROSENKREUZERSCHULUNG
Nun wollen wir heute nur noch das Schema der dritten Einweihungsart geben, der christlich-rosenkreuzerischen Schulung, die für den modernen Menschen die günstigste ist. Dann erst, wenn wir auch diese Art erfaßt haben, können wir begreifen, was bei der Einweihung im Menschen vorgeht, und was Johannes, besser gesagt der Schreiber des Johannes-Evangeliums, beschreibt. Auch der rosenkreuzerische Weg hat sieben Stufen:
Erstens: Studium.
Zweitens: Imagination.
Drittens: Erlernen der okkulten Schrift.
Viertens: Lebensrhythmus. [Bereitung des Steins der Weisen]
Fünftens: Entsprechen von Mikrokosmos und Makrokosmos.
Sechstens: Kontemplation, innere religiöse Beschauung in dem Makrokosmos.
Siebentens: Gottseligkeit.
Das ist der dritte Weg, um auf den Bergesgipfel hinaufzukommen. Ein reales Ereignis, das Sie im Johannes-Evangelium beschrieben finden, ist das Herabfahren des Geistes als Taube auf Jesus. Damit ist zugleich die höhere Geburt gemeint, wo das empfangen wird, was man den Menschensohn nennt. Das Johannes-Evangelium 1, 18 birgt noch etwas Geheimnisvolles: «Gott hat niemand bisher mit Augen geschaut. Der eingeborene Sohn, welcher im Inneren des Weltenvaters ist, er ist der Führer zu diesem Schauen geworden.» Das ist wörtlich zu nehmen. Das Johannes-Evangelium enthält den Niederschlag astralischer Schrift. Sie wissen, auf dem Astralplan zeigt sich alles umgekehrt, darum müssen Sie umgekehrt lesen lernen.
München, 4.Nov.1906/SO
aus «GA 94»; S.282f
ausführliche Darstellungen ua. in
„Der rosenkreuzerische Geistesweg” (Berlin, 20.Okt.1907/SA in «GA 96»; S.138ff) und in
Kassel, 28.+29.Jun.1907/VE+SA («GA 100»; S.169ff+179ff)
Diese Einweihungsmethode ist die rosenkreuzerische, die um die Wende des 13., 14. Jahrhunderts entstand und zuerst inauguriert wurde von Christian Rosenkreutz, einem der großen Führer der Menschheit. Streng abgeschlossen von der äußeren Welt hatte diese Methode seit jener Zeit durch Jahrhunderte hindurch gewirkt, nur bekannt in einem engen Kreise, am strengsten abgeschlossen im 19. Jahrhundert, dem materialistischen. Erst in seinem letzten Drittel hat sich die Notwendigkeit ergeben, das, was in den Schulen der Rosenkreuzer gelehrt worden ist, der Welt wenigstens in seinen elementaren Teilen bekanntzumachen in der Theosophie.
Im Jahre 1459 hat der eigentliche Begründer der Rosenkreuzerströmung selbst jene Stufe erlangt, durch die er die Macht hatte, auf die Welt so zu wirken, daß von ihm aus jene Einweihung der Welt gebracht werden konnte.
Seit jener Zeit ist diese Individualität des Christian Rosenkreutz immer wieder dagewesen als Leiter der betreffenden Strömung. Durch Jahrhunderte hindurch führte sie ein Leben «in demselben Leibe». Wir haben diesen Ausdruck «in demselben Leibe» so zu verstehen: Wenn wir den physischen Leib betrachten, so finden wir, daß das, was ihn vor zehn Jahren zusammengesetzt hat, jetzt nicht mehr in dem physischen Leibe ist. Aber das Bewußtsein ist dasselbe geblieben. Alle sieben bis acht Jahre tauscht der Mensch alle Teile seines physischen Leibes aus, doch das Bewußtsein überdauert diesen fortwährenden Austausch der physischen Substanzen durch das ganze Leben hindurch. Was wir auf diese Weise zwischen Geburt und Tod durchmachen, das macht der Eingeweihte so durch, daß er, wenn er stirbt, bald darauf in einem neuen Leibe als Kind wiedergeboren wird. Aber diesen Weg macht er vollbewußt durch. Das Bewußtsein bleibt vorhanden von einer Inkarnation zur anderen. Sogar die physische Ähnlichkeit bleibt bei dem Eingeweihten vorhanden, weil die Seele den neuen Leib bewußt aufbaut aus der Erfahrung der vorhergehenden Inkarnation. In dieser Weise lebte der höchste Leiter der Rosenkreuzerschulung durch Jahrhunderte hindurch.
Erst jetzt ist die Möglichkeit vorhanden, einiges von den Prinzipien der Rosenkreuzer bekanntzumachen. Bis dahin war nichts davon eröffnet worden; nur einmal ist etwas davon mitgeteilt worden. Das, was nach rosenkreuzerischer Methode den Menschen hinaufführt in die höheren Welten, sind die folgenden sieben Stufen: Erstens, das Studium; zweitens, das Erwerben der imaginativen Erkenntnis; drittens, das Erlernen der okkulten Schrift; viertens, die Bereitung des Steines der Weisen; fünftens, das Entsprechen von Mikrokosmos und Makrokosmos; sechstens, das Aufgehen im Makrokosmos; siebentens, die Gottseligkeit.
Dies soll nicht bedeuten, daß stufenweise nacheinander durchgemacht werden müssen diese sieben Grade. Der Schüler, der einem rosenkreuzerischen Lehrer gegenübertritt, bekommt seine Anweisungen zur höheren Entwickelung so, daß sie seiner Individualität entsprechen. Aus den sieben Stufen der höheren Entwickelung wird ausgewählt, was für ihn am besten geeignet ist. Der eine beginnt mit der ersten und zweiten Stufe und dann folgt für ihn vielleicht die vierte und fünfte. Nur dasjenige, was man das Studium nennt, muß bei jedem den Anfang machen.
[1.] Studium bedeutet hier aber etwas anderes, als man im gewöhnlichen Leben darunter versteht. Es bedeutet hier das bestimmte Aneignen von Vorstellungen und Begriffen, welches man sinnlichkeitsfreies Denken nennt. Alles Denken des gewöhnlichen Menschen haftet an der äußeren Sinnlichkeit. Beachten Sie alles das, was Sie vom Morgen bis zum Abend erleben und denken Sie sich alles weg, was Sie äußerlich gesehen und gehört haben. Für die meisten Menschen bleibt dann nur noch sehr wenig oder nichts übrig. Der Mensch muß aber, wenn er den Weg zu den höheren Welten machen will, sich angewöhnen, auch denken zu können, wenn der Quell seines Denkens nur in seinem eigenen Innern liegt, ohne an die äußere Welt anzuknüpfen.
Die einzige Art des sinnlichkeitsfreien Denkens ist in europäischen Ländern das Rechnen. Das Kind lernt, daß zwei mal zwei vier ist, zuerst an der äußeren Anschauung, an den Fingern oder Bohnen oder an den scheußlichen Rechenmaschinen. Aber der Mensch kommt auf diesem Gebiete nicht zu einem befriedigenden Resultat, solange er sich diese Vorstellungen nicht machen kann, ohne die Krücke der äußerlichen Anschauung. Einen Kreis kann man niemals in der äußeren Wirklichkeit sehen, Kreise, die man auf die Wandtafel zeichnet, sind aneinander gereihte Kreidehügel. Erst ein gedachter Kreis ist genau. Den Kreis muß man sich im Geiste konstruieren, man muß sich den Kreis denken.
Heute kann man ein sinnlichkeitsfreies Denken bei den Menschen allein auf dem Gebiete des Zahlenwesens und der Geometrie finden. Aber den meisten Menschen ist das nicht zugänglich und deshalb nur zum Vergleich angeführt. Das beste Mittel, sich ein sinnlichkeitsfreies Denken anzueignen, ist die Theosophie selber, weil der Mensch da von Dingen hört, die er nicht gesehen hat. Was die Menschen da lernen, wie der Mensch besteht aus physischem, Äther- und Astralleib, oder wie die Erde selbst sich durch die verschiedenen Zustände entwickelt hat, das können Sie nicht sehen. Nur wenn wir das Denken anstrengen und die innere Logik der Sache erblicken, können wir mit der gewöhnlichen Logik diese Dinge begreifen, wenn man sich nur auf diesen umfassenden Boden der Logik stellen will. Wenn heute die Menschen sagen, sie könnten das nicht begreifen, so ist dafür nicht der Grund, daß sie nicht hellsehend sind, sondern daß die Menschen die Logik des Begreifens nicht anwenden wollen. Verstanden werden können die Erlebnisse des Hellsehers mit der gewöhnlichen Logik, nur zum Erforschen dieser Dinge ist das Hellsehen notwendig. Was in der Theosophie vorliegt, ist für das theoretische und praktische Leben das einzig Logische. Was dagegen die Menschen in materialistischer Weise über die übersinnlichen Dinge vorbringen, ist unlogisch. Was die Geisteswissenschaft bringt, ist das wirklich konkret Fruchtbare im Leben.
[...]
[2.] Das zweite ist bei der rosenkreuzerischen Schulung das imaginative Erkennen, das Erkennen in Bildern. Dieses ist die erste Stufe des Erhebens aus der physischen Welt in eine geistige Welt. Goethe hat in den letzten Worten des zweiten Teiles seines «Faust» dafür das Leitmotiv gegeben, wenn er sagt: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.» Wenn wir anfangen, alles, was uns umgibt, als geistige Bilder anzusehen, dann streben wir hinauf in die Welt der Imagination.
In den Schulen der Rosenkreuzer und auch schon in früheren Schulen, da hat man das Entwickelungsprinzip durch die verschiedenen Reiche hindurch den Schülern klar zu machen versucht. Heute spricht man von Entwickelung beim materialistischen Denken; auch in der Theosophie spricht man davon, aber es ist etwas anderes, den Begriff der Entwickelung bis zum Bilde umzugestalten, ihn zur Imagination zu erheben. Gewöhnlich ist nur der Verstand mit dem Entwickelungsprinzip beschäftigt. Zur Imagination kommen wir in folgender Weise. Durch viele Wochen oder durch Monate hindurch wurde die Seele durch die Weisungen des Lehrers umgestaltet in folgender Weise. Am besten können wir dies in der Form eines Dialoges wiedergeben - der allerdings in dieser Weise nie stattgefunden hat. - Der Lehrer sagte etwa folgendes: Sieh dir einmal die Pflanze an, wie sie mit ihren Blättern und Blüten zur Sonne hinauf strebt und die Wurzel in den Boden senkt, dem Mittelpunkt der Erde zustrebend. Vergleichst du sie mit dem Menschen, so ist es verkehrt, die Blüte mit seinem Kopf, die Wurzel mit seinen Fortpflanzungsorganen zu vergleichen. Darwin hat den Vergleich richtig gemacht. Er hat darauf hingewiesen, daß die Wurzel der Pflanze dem Kopf des Menschen entspricht. Der Mensch ist die umgekehrte Pflanze. Der Wurzel, die die Pflanze in den Boden senkt, entspricht der Kopf des Menschen. Das aber, was die Pflanze keusch der Sonne entgegenhält, die Blüte und die Befruchtungsorgane, das wendet der Mensch der Erde zu. Wendet man die Pflanze ganz um, so hat man den Menschen, wendet man sie halb um, so hat man das Tier, das ein horizontales Rückgrat hat.
Wenn wir uns diese Dinge imaginativ vorstellen, so wird nicht nur unser Gedanke, sondern auch unsere Empfindung und unser Gefühl tief hineingeführt in die uns umgebende Welt. Wir lernen erkennen das innere Verhältnis zwischen Pflanze und Mensch. Wir erkennen die reine, keusche Pflanzennatur, die noch nicht durchzogen ist von Begierden und Leidenschaften, und die Natur des Menschen, bei dem sich die keusche Pflanzensubstanz verwandelt hat in das von Begierden und Leidenschaften durchzogene Fleisch. Aber hierdurch kommt zugleich ein Höheres in sein Wesen, dadurch hat er sich errungen das helle Tagesbewußtsein. Die Pflanze schläft, aber der Mensch hat sich sein helles Tagesbewußtsein errungen dadurch, daß er verkörpert ist im Fleische, das von Begierden, Leidenschaften, Instinkten durchdrungen ist. Dazu mußte er die volle Drehung vollziehen. Das Tier steht mitten darinnen. Es hat wohl Begierden und Leidenschaften, aber noch nicht das klare Tagesbewußtsein errungen.
Der Lehrer sagte zu dem Schüler: Wenn du dieses fühlst, so verstehst du den Ausspruch des Plato: Die Weltenseele ist am Weltenleibe gekreuzigt. - Pflanze, Tier, Mensch, das ist die wirkliche tiefinnerste Bedeutung des Kreuzeszeichens. Was als allgemeine Seelenhaftigkeit, als Weltseele durch die Reiche der Natur geht, das erscheint als Symbol im Kreuze. Das wurde in den Geheimschulen gelehrt als die tiefste Bedeutung des Kreuzes.
[3.] Dann sagte der Lehrer zum Schüler: Schau wie die Pflanze ihren Blütenkelch keusch der Sonne entgegenhält, wie der Sonnenstrahl die Blüte der Pflanze küßt. Dies nannte man den keuschen Kuß des Sonnenstrahles, der heiligen Liebeslanze. Im keuschen Kuß des Sonnenstrahles, der heiligen Liebeslanze, der sich der Kelch der Pflanze öffnet, wird hingewiesen auf das Zukunftsideal, wo der Mensch seine Organe wieder hinaufentwickeln wird zur Keuschheit der Pflanze. Jetzt ist der Mensch hinauf entwickelt bis zu der Stufe, wo er von Begierden durchzogen ist. Weiter wird sich der Mensch entwickeln bis zu jener Stufe, wo er seine Begierden umgewandelt hat, wo er wieder geküßt werden wird von dem geistigen Sonnenstrahl, wo er wiederum seinesgleichen auf höherer Stufe hervorbringen wird, wo die Reproduktionskraft vergeistigt sein wird. Das nannte man in den Geheimschulen den Heiligen Gral. Das ist das reale Ideal des Heiligen Gral: ein Organ, das der Mensch haben wird, wenn seine Reproduktionskraft vergeistigt sein wird. Wir sehen in der Vergangenheit die keusche Pflanzennatur, in der Gegenwart den von Begierde durchzogenen Menschen, und in der Zukunft den Menschen mit dem gereinigten Leibe, wie er im Heiligen Gralskelch, als höhere Entwickelungsstufe des Pflanzenkelchs, den geistigen Sonnenstrahl empfängt.
Das ist nicht abstraktes Denken, sondern ein Zustand, wo wir jede Stufe der Entwickelung fühlen, nicht bloß denken. Wenn wir in dieser Art fühlen, was sich entwickelt, dann erheben wir uns allmählich so, daß wir durch die Bilder zur imaginativen Erkenntnis kommen. Das Bild des Heiligen Grals steht vor uns, wenn wir diese Bilder loslösen von der sinnlichen Erscheinung und empfangen das Bild von jener höheren Welt.
Wenn wir derartige Bilder, die uns bestimmte Vorgänge der geistigen Welt darstellen und in den Geheimschulen festgestellt wurden, auf uns wirken lassen, so sagen wir, wir lassen die okkulte Schrift auf uns wirken. Das ist das dritte der rosenkreuzerischen Schulung.
Solche Bilder haben wir in den Siegeln und Säulen, wie sie in München beim Kongreß vom Anfang und Ende der Menschheitsentwickelung dargestellt wurden und in der Apokalypse. Der Mensch war früher auf einer Erde, welche glutflüssig war. Er ist erst allmählich durch viele Verkörperungen hindurch zu seinem heutigen Körper gekommen, und er wird sich noch durch viele Inkarnationen hindurch weiter entwickeln. Vor allem wird eine Umgestaltung des Kehlkopfes und des Herzens vor sich gehen. Das werden in Zukunft die Reproduktionsorgane sein. Heute verkörpern sich die Gedanken, Gefühle und Empfindungen nur in Worten, die die Regungen meiner Seele in diesem Raum durch Schwingungen zu Ihrem Ohr gelangen lassen und in Ihren Seelen ähnliche Gedanken und Empfindungen wecken. Später wird der Mensch Wärme und zuletzt Licht schaffen, so wie er jetzt seine Gedanken in Worten der Luft mitteilt. So wie der Mensch in der Vergangenheit heruntergestiegen ist aus einer Licht- und Wärmesphäre, so wird er in Zukunft selbst Wärme und Licht schaffen.
Auf dem ersten apokalyptischen Siegel ist dies dargestellt. Der Anfangszustand der Menschheit, als die Erde noch in einem Zustande der Glutflüssigkeit war, ist dargestellt dadurch, daß die Füße des Menschen auf dem Bild in einem feurigen Metallfluß sind, der Zukunftszustand ist dargestellt durch das feurige Schwert, welches aus dem Munde des Menschen hervorgeht. Ein solches Bild wirkt nicht bloß auf die Imagination, sondern auch auf den Willen des Menschen, wenn wir in dieser Weise den großen Kräften der Natur zuschauen. Denn dieselbe Kraft, die als Urkraft im Willen des Menschen lebt, lebt auch in der ganzen äußeren Welt. Lernen wir unseren Willen schulen, dann lebt in uns Weltenwille, dann wird unser Wille eins werden mit dem Willen, der die Natur durchströmt. Das lernt der Mensch durch die selbstlose Hingabe an die okkulten Schriftzeichen.
[4.] Das vierte der rosenkreuzerischen Schulung ist die Bereitung des Steines der Weisen. Dies ist ein hohes geheimgehaltenes Mysterium. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde etwas davon verraten. Es fand sich zum Beispiel eine Bemerkung in einer Mitteldeutschen Zeitung von einem Menschen, der etwas davon läuten gehört hatte. Es hieß dort: Der Stein der Weisen existiert wirklich, und es gibt nur wenige Menschen, die ihn nicht kennen. Viele haben ihn schon in der Hand gehabt, nur wissen sie nicht, daß es der Stein der Weisen ist. - Die Definition war in den Wortlauten richtig, nur muß man sie verstehen. Es handelt sich nicht um eine bloße Allegorie. Der Rosenkreuzer arbeitet an der Wirklichkeit, so daß er bis in die Physiologie hineingeht. Er arbeitet an der wirklichen Umgestaltung der Erde und des Menschen, bis tief in den physischen Leib hinein, nicht nur an dem, was man im gewöhnlichen Sinn als moralische Erhebung, Veredlung der Sitte und so weiter kennt.
Gehen wir von der menschlichen Atmung aus. Die Regulierung des Atmungsprozesses bildet einen wichtigen Teil der okkulten Entwickelung. Die Menschen atmen ein, brauchen den Sauerstoff, der sich im Menschen mit dem Kohlenstoff vermischt, und dann atmet der Mensch Kohlensäure [eigentl. Kohlendioxyd] aus. Wenn das allein immer so fortgesetzt würde, dann würde die Atmosphäre der Erde nach und nach mit Kohlensäure angefüllt werden und das würde den Untergang der Menschheit herbeiführen. Das Menschendasein setzt voraus das Dasein der Pflanzen. Die Pflanze nimmt die Kohlensäure auf, behält den Kohlenstoff zurück und gibt den Sauerstoff wieder ab. So findet ein fortwährender Kreislauf statt zwischen Menschen und Pflanzen. So gehören Menschen, Tiere und Pflanzen zusammen, eines ist ohne das andere nicht möglich.
Nun ist in dem menschlichen Körper die Entwickelung so: Das, was heute die Pflanze für ihn tun muß, nämlich die Kohle herstellen - in der Steinkohle sind noch die Pflanzenleichen zu erkennen -, das wird später, wie uns der Okkultismus zeigen kann, durch die weitere Entwickelung vom Menschen durch seine später umgewandelten Herz- und Atmungsorgane selbst geleistet werden. Ein Weg dazu, wie der Mensch diesen Pflanzenprozeß aufnimmt und mit Bewußtsein selbst vollzieht, ist die Rhythmisierung des Atmungsprozesses, so daß er nicht die Kohlensäure an die Pflanze abgibt, sondern in seinem Körper selbst den Kohlenstoff aufbaut. In sich selbst lernt der Mensch seinen Leib aufbauen.
Wenn wir dies vergleichen mit dem, was uns über den Heiligen Gral gesagt ist, so haben wir ihn jetzt konkret vor uns. Durch die Rhythmisierung des Atmungsprozesses lernt der Mensch, den Kohlenstoff, der in der Natur als Graphit und Diamant vorkommt, als die keusche Pflanzennatur in sich selbst zu erzeugen. Den Kohlenstoff, die reine, keusche Substanz in sich selbst zu erzeugen, das nennt man die Bereitung des Steines der Weisen. Man hat sich ihn vorzustellen ähnlich wie einen durchsichtigen Diamanten, aber in weicherer Substanz. Der Mensch ist ein gewaltiger innerer Apparat, er lernt durch die okkulte Schulung, daß er an der Entwickelung seines eigenen Geschlechts zu einer höheren Form arbeitet. Es bemerkte, als er davon hörte, ein materialistisch Gesinnter, höchst charakteristisch, das wäre eine schöne Sache, daraus ließe sich vielleicht ein vorteilhafter Industriezweig machen. Keineswegs. Gerade diese Äußerung zeigt, wie nötig es ist, solche Mitteilungen geheim zu halten, denn erst wenn die Menschen auf einer solchen moralischen und intellektuellen Stufe angelangt sein werden, daß sie nicht mehr egoistisch denken können, dann können ihnen solche Geheimnisse mitgeteilt werden.
[5.] Das fünfte ist die Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos. Für alles, was draußen in der Welt geschieht, gibt es im Menschen einen Prozeß, der dies in ihm im kleinen wiederholt. Er muß sich nur besinnen auf das, was in ihm vorgeht, dann kann er intuitiv kommen auf die Vorgänge im äußeren Kosmos. So lernt der Mensch zum Beispiel durch eine bestimmte Meditation und Konzentration auf das Innere des Auges die Sonne ihrem inneren Wesen nach erkennen, denn das Auge ist ein Extrakt aus dem Wesen der Sonne. Goethe sagt einmal: Das Auge ist am Licht für das Licht gebildet. Das Licht hat das Auge geschaffen. Ohne Sonne kein Auge. - Alles, was als Wesen in der Sonne ist, findet sich in gewisser Weise im Auge wieder. Durch Konzentration auf das Wesen des Auges das Licht der Sonne erkennen, das ist rosenkreuzerische Schulung. Man kann so vom Innern des Menschen aus die ganze Welt kennenlernen. Durch Konzentration auf die Leber zum Beispiel lernt der Mensch ganz bestimmte schaffende Naturkräfte kennen, bis hinein zum Schaffen des Menschen. So lernt der Mensch die ganze Welt durch sich selbst erkennen, denn er ist eine kleine Welt. Da lernt er, wie sich real entsprechen der Mikrokosmos und der Makrokosmos.
Eine bestimmte Konzentration auf das menschliche Herz gibt ihm Kenntnis der Löwennatur draußen. Das ist hier nicht nur eine Phrase. Der Mensch muß im einzelnen den Weg finden lernen in das große Universum, dann kommt von selbst das Sich-eins-Empfinden und Sich-eins-Fühlen mit dem ganzen Kosmos. Wenn der Mensch lernt, voll aus jedem Gliede seines Leibes - auch des Äther- und Astralleibes - heraus den Weg zu gehen zum großen Universum mit Geduld im Schreiten von Schritt zu Schritt, so erweitert er seinen Organismus zu einem Organismus, der den ganzen Raum umfaßt. Er ist dann in allen Wesen darinnen. Er kann dann erleben jene Empfindung, welche man die Gottseligkeit nennt.
Düsseldorf, 15.Dez.1907/SO
aus «GA 98»; S.44ff
Nun haben wir schon gestern betont, was für den Menschen zu geschehen hat, wenn er die Einweihung empfangen soll. Wenn der Mensch sich nur mit dem beschäftigt, womit sich die Menschen in unserem Zeitalter gemeiniglich befassen, so kann er keine Einweihung erhalten. Der Mensch muß so vorbereitet werden, daß er während des gewöhnlichen Tageslebens jene Übungen macht, die ihm von den Eingeweihtenschulen vorgeschrieben werden, Meditation, Konzentration und so weiter. Diese Übungen sind im Grunde genommen in bezug auf ihre Bedeutung für den Menschen bei allen Einweihungsschulen dieselben. Sie sind nur insofern ein wenig voneinander verschieden, als sie, je weiter wir zurückgehen in die vorchristlichen Einweihungsschulen, mehr darauf gerichtet sind, das Denken, die Denkkräfte zu üben, zu trainieren. Je mehr wir uns den christlichen Zeiten nähern, desto mehr sind sie darauf gerichtet, die Gemütskräfte zu schulen, und je näher wir den neueren Zeiten kommen, desto mehr sehen wir, wie in den sogenannten Rosenkreuzerschulungen, durch die Forderungen und Bedürfnisse der Menschheit bedingt, eine besondere Art der Willenskultur, der Willensübungen eingeführt wird. Wenn auch die Meditationen zunächst ähnliche sind wie in den anderen vorchristlichen Schulen, so herrscht doch überall auf dem Grunde der Rosenkreuzerübungen eine besondere Schulung des Willenselementes. Worauf es aber ankommt und was ebenso erreicht wurde durch die Übungen der orientalischen Mysterienschulung, wie bei der ägyptischen und der pythagoreischen Schule und so weiter, und was auch die Wirkung jener Übungen ausmacht, die vorzugsweise von der Meditation des Johannes-Evangeliums ausgehen, das ist, daß auf den Menschen während des Tageslebens, wenn auch nur durch kurze Zeit, meinetwegen nur fünf oder fünfzehn Minuten, so gewirkt wird, dass die Wirkung auch dann bleibt, wenn jener Zustand beim schlafenden Menschen eintritt, wo der astralische Leib herausgeht. Bei einem Menschen, der solche, sagen wir, okkulte Übungen macht, bei dem zeigt nach und nach der astralische Leib in der Nacht die mannigfaltigsten Veränderungen. Er weist andere Lichterscheinungen auf, er zeigt jene plastische Gliederung der Organe, von der wir schon gesprochen haben; und dann wird das immer deutlicher und deutlicher. Der astralische Leib bekommt nach und nach eine innere Organisation, wie sie der physische Leib in seinen Augen, Ohren und so weiter hat.
Nürnberg, 19.Jun.1908/VE
aus «GA 104»; S.53f
An einer Lehrstätte der Rosenkreuzer, der ersten ursprünglichen Rosenkreuzer, war es, daß einmal gerade die Szenen, die ich Ihnen heute schilderte, die Szene hoch oben auf dem Berge zwischen dem Lehrer und dem Schüler und unten tief in den Erdenklüften, daß diese Szenen wie in einer Art zeitlicher Fata Morgana auftauchten, man möchte sagen, wie als Gespenst wiederkamen, sich spiegelten als Vision innerhalb einer Rosenkreuzer-Lehrstätte. Und daraus erkannte man, daß der Mensch durch innerliches Streben zweierlei erreichen müsse, um zur wirklichen Selbsterkenntnis zu kommen, um wiederum seine Anpassung an die Erde zu finden, um dahin zu gelangen, wirklich ein Angehöriger der vierten Hierarchie zu werden. Denn aus alledem, was nun innerhalb der Rosenkreuzer-Schule möglich war, erkannte man, was mit dem Schüler, als er den Geist seiner eigenen Jugend leibhaftig vor sich gesehen hat, vorgegangen war. Mit dem war vorgegangen eine Loslösung des astralischen Leibes, die stärker ist, als sie sonst irgendwie im menschlichen Leben ist. Und in dieser Loslösung des astralischen Leibes hat er den Sinn der Offenbarung erkannt. Und wiederum wurde in dieser Rosenkreuzer-Schule klar, was vorgegangen war mit dem Schüler in den Tiefen der Erde. Da war der astralische Leib ganz in das Innere zurückgezogen. Da war er völlig zusammengezogen, so daß der Schüler die Geheimnisse des eigenen Menscheninnern wahrnahm. Und jetzt wurden innerhalb der Rosenkreuzerei Exerzitien, Übungen gefunden, die verhältnismäßig einfach waren, die in symbolischen Figuren bestanden, denen man das Gemüt hingab, über die man meditierte. Und durch die Kraft, die in den menschlichen Seelenbesitz kam durch die Hingabe an solche Figuren, erreichte man, daß man auf der einen Seite den astralischen Leib loslöste und wurde wie der Schüler auf Bergeshöhe, in Ätherhöhen, daß man auf der andern Seite, indem sich der astralische Leib zusammenkrampfte, zusammenzog, wurde wie der Schüler in Erdenklüften. Und dann konnte man, indem man nicht die äußere Umgebung hatte, sondern eine starke innere Übung machte, in das menschliche Innere kommen.
Dornach, 5.Jän.1924/SA
aus «GA 233a»; S.39