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Merkblatt-
Beilage 33b:
Zur Inspiration
(sanskr. ~ schruti)
Rudolf Steiner
Bei der dritten Stufe der Erkenntnis bleiben nun auch die Bilder weg. [...] Der Mensch lebt ganz in einer rein geistigen Welt. Wer nur gewöhnt ist, sich an die Sinne zu halten, wird versucht sein, zu glauben, daß diese Welt eine blasse, gespenstige sei. Das ist sie aber ganz und gar nicht. [...] Was für die erste Stufe die Sensation, für die zweite die Imagination, das ist für sie die «Inspiration». Die Inspiration gibt die Eindrücke, und das «Ich»[a] formt die Begriffe. Will man durchaus mit dieser Welt etwas Sinnliches vergleichen, so kann nur die Tonwelt des Hörens zu einem solchen Vergleiche herangezogen werden. Aber nicht mit Tönen wie in der sinnlichen Musik hat man es zu tun, sondern mit einem rein «geistigen Tönen». Man beginnt zu «hören», was im Innern der Dinge vorgeht. Der Stein, die Pflanze usw. werden zu «geistigen Worten». Die Welt beginnt der Seele gegenüber ihr Wesen wirklich selbst auszusprechen. Es klingt grotesk, aber es ist wörtlich wahr: auf dieser Stufe der Erkenntnis «hört man geistig das Gras wachsen». Man vernimmt die Form des Kristalles als Klang; die sich öffnende Blüte «spricht» da zum Menschen. Der Inspirierte vermag das innere Wesen der Dinge zu künden; alle Dinge werden in neuer Art vor seiner Seele auferstehen. Er spricht eine Sprache, die aus einer anderen Welt stammt, und welche doch erst die alltägliche Welt begreiflich macht.
aus «Die Stufen der höheren Erkenntnis»; S.20ff
Die Entwickelung bleibt nun aber innerhalb der imaginativen Welt nicht stehen. Der Mensch, der in ihr stehenbleiben wollte, würde zwar die in Verwandlung begriffenen Wesenheiten [b] wahrnehmen; aber er würde die Verwandlungsvorgänge nicht deuten können, er würde sich nicht orientieren können in der neugewonnenen Welt. Die imaginative Welt ist ein unruhiges Gebiet. Es ist überall nur Beweglichkeit, Verwandlung in ihr; nirgends sind Ruhepunkte. - Zu solchen Ruhepunkten gelangt der Mensch erst, wenn er sich über die imaginative Erkenntnisstufe [c] hinaus zu dem entwickelt, was die «Erkenntnis durch Inspiration» genannt werden kann. - Es ist nicht notwendig, daß derjenige, welcher die Erkenntnis der übersinnlichen Welt sucht, sich etwa so entwickele, daß er zuerst in vollem Maße das imaginative Erkennen sich aneigne und dann erst zur «Inspiration» vorschreite. Seine Übungen können so eingerichtet werden, daß nebeneinander das geht, was zur Imagination, und das, was zur Inspiration führt. [...] - Dennoch ist die Welt der Inspiration etwas ganz Neues gegenüber derjenigen der bloßen Imagination. Durch diese nimmt man die Verwandlung eines Vorganges in den andern wahr, durch jene lernt man innere Eigenschaften von Wesen kennen, welche sich verwandeln. Durch Imagination erkennt man die seelische Äußerung der Wesen; durch Inspiration dringt man in deren geistiges Innere. Man erkennt vor allem eine Vielheit von geistigen Wesenheiten und von Beziehungen des einen auf das andere. Mit einer Vielheit verschiedener Wesen hat man es ja auch in der physisch-sinnlichen Welt zu tun; in der Welt der Inspiration ist diese Vielheit doch von einem anderen Charakter. Es ist da ein jedes Wesen in ganz bestimmten Beziehungen zu andern, nicht wie in der physischen durch äußere Einwirkung auf dasselbe, sondern durch seine innere Beschaffenheit. Wenn man ein Wesen in der inspirierten Welt wahrnimmt, so zeigt sich nicht eine äußere Einwirkung auf ein anderes, die sich mit der Wirkung eines physischen Wesens auf ein anderes vergleichen ließe, sondern es besteht ein Verhältnis des einen zum andern durch die innere Beschaffenheit der beiden Wesen. Vergleichen läßt sich dieses Verhältnis mit einem solchen in der physischen Welt, wenn man dazu das Verhältnis der einzelnen Laute oder Buchstaben eines Wortes zueinander wählt. Wenn man das Wort «Mensch» vor sich hat, so wird es bewirkt durch den Zusammenklang der Laute: M-e-n-sch. Es geht nicht ein Anstoß oder sonst eine äußere Einwirkung zum Beispiel von dem M zu dem E hinüber, sondern beide Laute wirken zusammen, und zwar innerhalb eines Ganzen durch ihre innere Beschaffenheit. Deshalb läßt sich das Beobachten in der Welt der Inspiration nur vergleichen mit einem Lesen [d]; und die Wesen in dieser Welt wirken auf den Betrachter wie Schriftzeichen, die er kennenlernen muß und deren Verhältnisse sich für ihn enthüllen müssen wie eine übersinnliche Schrift. Die Geisteswissenschaft kann daher die Erkenntnis durch Inspiration vergleichsweise auch das «Lesen der verborgenen Schrift» nennen.
[...] Die Wahrnehmungen, durch welche man die Glieder des Menschen einerseits [e], die aufeinanderfolgenden Zustände der Erde und ihrer vorhergehenden Verwandlungen andererseits [f] erkennen kann, erschließen sich der imaginativen Erkenntnis. Nun ist aber weiter notwendig, daß erkannt werde, welche Beziehungen zwischen dem Saturnzustande und dem physischen Menschenleib, dem Sonnenzustande und dem Ätherleib usw. bestehen. Es muß gezeigt werden, daß der Keim zum physischen Menschenleib schon während des Saturnzustandes entstanden ist, daß er sich dann weiterentwickelt hat bis zu seiner gegenwärtigen Gestalt während des Sonnen-, Monden- und Erdenzustandes. [...] Die Schilderung dieser Zusammenhänge ergibt sich nicht aus der imaginativen Wahrnehmung, sondern aus der Erkenntnis durch Inspiration, aus dem Lesen der verborgenen Schrift.
aus «Die Geheimwissenschaft im Umriß»; S.351ff
Wer als Hellseher die Wesenheiten der übersinnlichen Welt durch die imaginative Erkenntnis kennenlernt, der lernt gleichsam nur die geistig-seelische Außenseite kennen. Aber er hört sie sich selbst aussprechen, wenn er aufsteigt von der imaginativen Erkenntnis zu der Erkenntnis durch Inspiration. Da ist es dann wirklich ein richtiger Verkehr mit diesen Wesenheiten. Da teilen sie ihm aus ihrer eigenen Wesenheit heraus mit, was sie sind und wer sie sind. Daher ist die Inspiration eine höhere Erkenntnisstufe als die bloße Imagination, und man erfährt mehr über die Wesen der geistig-seelischen Welt, wenn man aufsteigt zur Inspiration, als man durch die imaginative Erkenntnis gewinnen kann.
Basel, 15.Sep.1909/ME (in «GA 114»; S.13)
«Oh, ich habe drüben auf dem Erdenrund nur einen Namen, der richtig angewendet wird bei denjenigen, welche die Kundschaften der geistigen Welt an die Menschen heranbringen; diese aber nennen mich die Inspiration. Ich bin aus einem weiten Reiche heraus, aber ich mußte zunächst meinen Ort haben in der Region, welche bezeichnet wird da drüben, wo man von der geistigen Welt spricht, als die Region der Cherubim.[g
[...]
«Weil du das getan hast, deshalb kannst du eine Fähigkeit pflanzen in die Seelen der Menschen. Und wenn diese Fähigkeit auf dem Erdenrund aufgeht in den Seelen der Menschen, so wird sie leben in diesen Seelen als die musikalische Phantasie. Und nichts werden die Menschen haben, was sie von außen nehmen könnten - so fremd bist du geworden mit deiner Fähigkeit dem Erdenrund -, was sie von außen nehmen könnten, um hineinprägen zu können dasjenige, was die Seele selber empfindet unter deinem inspirierenden Einfluß. Das müssen sie selber in neuer Weise entflammen durch einen Sinn, den sie sonst in ganz anderer Weise kennen: Da müssen sie dem Sinn des Tones eine neue Gestalt geben; da müssen sie den musikalischen Ton in der eigenen Seele finden. Da müssen sie herausschaffen wie aus Himmelshöhen aus der eigenen Seele! Und wenn die Menschen so schaffen, so wird aus ihrer eigenen Seele selber etwas herausfließen, was sein wird wie ein menschlicher Abglanz von alledem, was in der äußeren Natur nur unvollkommen fließen und sprießen kann. Wie ein solcher Abglanz wird aus der Seele der Menschen herausfließen, was da draußen die Quelle rieselt, was der Wind bewirkt, was der Donner rollt; nicht ein Abbild davon, aber etwas, was all diesen Herrlichkeiten der Natur, die wie aus unbekannten Geistertiefen herausfließen, wie eine selbstverständliche Schwester gegenübertritt, das wird aus der Seele der Menschen heraussprießen. Fähig werden die Menschen dadurch werden, etwas zu schaffen, was die Erde bereichert, was neu ist auf der Erde, was ohne deine Fähigkeit nicht dagewesen wäre, was wie ein Zukunftsame ist auf der Erde. Und du wirst ihnen die Fähigkeit geben, dasjenige, was in ihrer Seele lebt, auszusprechen, was niemals ausgesprochen werden könnte, wenn die Menschen angewiesen wären auf das, was sie jetzt haben, auf den Gedanken, auf den Begriff. Für alle die Gefühle, die den Begriff versengen, die erfrieren würden, wenn sie auf den Begriff angewiesen wären, für alle die Gefühle, für welche der Begriff wie spinnefeind sein würde, wirst du ihnen die Möglichkeit geben, auf den Fittichen des Gesanges und des Liedes das innerste Wesen der Seele hinauszuhauchen in den Umkreis der Erde, und diesem Umkreis der Erde etwas einzuprägen, was sonst nicht da sein würde. Alle die komplizierten mächtigen Gefühle, alle die Gefühle, welche in der Menschenseele wie eine mächtige Welt selber leben, welche sonst niemals in der Außenwelt in dieser Form erlebt werden können, welche man nur erleben könnte, wenn man Weltgeschichte und Himmelsräume mit der Seele durchstreifte, alle diese Reiche, die in der Außenwelt nicht erlebt werden können, weil da alle Gegenströmungen einfließen müßten, die durch Jahrhunderte und Jahrtausende ziehen müßten, wenn man wissen wollte, was die Menschen da und dort erfahren: alles das werden sie durch deine Fähigkeit zusammendrängen können und hineingießen können in etwas, was sie sich erobert haben, in ihre symphonisch-musikalischen Werke.»
Berlin, 28.Okt.1909/JU (in «GA 271»; S.43ff)
Um nicht so allgemein in den Gemütsbewegungen zu schwelgen, sondern um zum konkreten Anschauen der geistigen Welt zu kommen, müssen wir schon versuchen, Imaginationen auszubilden und darauf dann mit Bezug auf die geistige Welt unsere Aufmerksamkeit wenden. Dann tritt allmählich eine Verbindung ein in unserem Leben zwischen der noch unverstandenen, mehr nur gefühlten Intuition und der noch mehr oder weniger in der Unwirklichkeit schwebenden Imagination, die nur aus Bildern besteht. Und was da die Verbindung ist, das gibt uns zuletzt das Heranrücken an den Gedanken: Wir sind jetzt zu den Wesen gekommen, die das geistige Geschehen ausführen. Dieses Herankommen an die Wesen bezeichnen wir als Inspiration.
Berlin, 15.Dez.1911/VE (in «GA 115»; S.280)
Und eine nächste Stufe, zu der man sich da hindurchlebt, ist dann diese, daß man nicht nur webt und lebt in einem tonlosen Musikalischen und nicht bloß vernimmt das Sprechen des übersinnlichen Geistigen, sondern man lernt konturieren dasjenige, was sich ankündigt aus dem übersinnlichen Geistigen, in Wesenhaftes, daß sich einem gewissermaßen herausgliedern aus der allgemeinen Geistsprache, die man zunächst lernt, einzelne übersinnliche Wesenheiten, wie wir, indem wir auf einer niedrigeren Stufe einem Menschen zuhören, allmählich dasjenige, was sich von seiner Seele und seinem Geistigen offenbart, zum Wesenhaften - wenn ich mich jetzt des Trivialausdruckes bedienen darf - kristallisieren oder organisieren. Wir leben uns also hinein in die Beobachtung und in die Erkenntnis einer wirklichen geistigen Welt. Diese geistige Welt tritt jetzt anstelle der leeren, ausgesogenen, metaphysierten Welt der Atome, der Moleküle,[h] sie tritt uns als dasjenige entgegen, was in Wahrheit hinter den Erscheinungen der physisch-sinnlichen Welt steht. Wir stehen jetzt nicht mehr so an der Grenze nach dem Materiellen hin, wie wir stehen, wenn wir nur in Trägheit fortrollen lassen wollen unser Begriffsspinnen, wie es sich erhellt, entzündet hat an dem Verkehr mit der physisch-sinnlichen Außenwelt, sondern wir stehen jetzt an dieser Grenze so, daß uns an dieser Grenze der geistige Inhalt der Welt aufgeht.
Dornach, 1.Okt.1920/VE (in «GA 322»; S.65f)
Jedesmal, wenn Sie ein Gefühl haben, haben Sie auch eine Inspiration. Aber geradeso wie beim Vorstellen einem die Imaginationen hinunterrutschen in die allgemeine Vitalität, [i] so rutscht einem beim Fühlen die Inspiration hinunter in die Leiblichkeit, denn Sie brauchen sie dort unten. Sie brauchen sie zu der Atmungstätigkeit, zu der rhythmischen Tätigkeit. Da, mit der allgemeinen rhythmischen Tätigkeit verbindet sie sich. [...]
So daß ich sagen darf: Wir erleben weiter nach rückwärts in uns die Gefühle, und dadurch, daß wir in die Gefühle weiter eintauchen, haben wir das seelische Erleben, seelisches Erleben, aber träumend - aber wir haben darinnen eine verborgene Inspiration. Eine verborgene Inspiration schlüpft in die Rhythmusbewegung, Rhythmustätigkeit. In Atmen und Blutzirkulation schlüpft das hinunter.
Gefühle: Seelisches Erleben, aber träumend,
Inspiration schlüpft in die Rhythmustätigkeit
Dornach, 4.Nov.1921/VE (in «GA 208»; S.126f)
30. In der inspirierten Erkenntnis lebt im Bilde, was das Menschenwesen in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt innerhalb einer geistigen Umgebung erfährt. Da ist anschaulich, was der Mensch ohne seinen physischen und Ätherleib, durch die er das irdische Dasein durchmacht, seinem Wesen nach im Weltenzusammenhange ist.
aus «Anthroposophische Leitsätze»; S.27
Andere Stimmen
Das Verhältnis von Ursache und Wirkung drückt nur ungenügend und einseitig aus, was hier Kausalität genannt werden kann. Gemeint ist ein Wesenhaftes, das mit inneren Motiven und Triebfedern zusammenhängt, ein Wirkendes. In unseren Betrachtungen Nr. 13 und 14 gingen wir darauf ein, wie dem Astralleib das Urteilen zugeschrieben werden kann und im Schlaf das Beurteiltwerden. Dem widerspricht nicht, dass hier das Wesenhafte des Astralleibes Kausalität genannt wird. Das lebendige Urteil fügt Motiviertes zusammen. In der Logik hat man den Satz: Jedes Urteil muss einen zureichenden Grund haben. Bei den Vorstellungen Ursache und Wirkung richtet sich einseitig auf die Erscheinungen, was wir im inneren Erleben Grund und Folge nennen. Das Wesenhafte, das hier wirkt, ist mit Kausalität gemeint. In der „Zeit” zwischen Tod und neuer Geburt befindet sich der Mensch in einer Welt, deren Substanz seinen Astralleib bildet. Die Wiederholung des nächtlichen Beurteiltwerdens in diesem Zustand ist die eine Seite dieses Erlebens; es gibt noch eine andere, die nicht mit der Rückschau auf das vergangene Erdenleben erfüllt ist, mit dem Beurteiltwerden. Wir können diese andere Seite des Erlebens am Astralleib zwischen Tod und neuer Geburt vergleichsweise wieder ein Urteilen nennen, das aber nicht wie das Urteilen zwischen Geburt und Tod wirkt, das im wesentlichen sich auf Gewordenes bezieht, sondern so, dass durch dieses Urteilen das künftige Erdenleben gestaltet wird. Wenn wir Schicksal sagen, kommen wir dem Wesenhaften, das sich abstrakt als Kausalität darstellt, konkret näher. So können wir sagen: Das Erleben, das der Astralleib gibt, ist Zeit, zwischen Geburt und Tod gleichsam vorwärts,[i] nach dem Tod, nach Ablegen des Aetherleibs, rückwärts [k]. Das Wesenhafte des Astralleibes ist Kausalität. Inspiration ist die Erkenntnisart des Astralleibs, sie führt vom Erleben zum Wesen: Die Inspiration wandelt die Kausalität zur Zeit.
Carl Unger
aus «Aus der Sprache der Bewußtseinsseele»; S.85
Für sich allein, noch vor einer neuen Anschaulichkeit ist jeder reine Begriff ein Inhalt der geistigen Welt. Daß es möglich ist, unabhängig von den Erdendingen oder von diesen lediglich angeregt, rein geistige Inhalte im Denken zu fassen, beruht auf ideeller Inspiration. Das Denken ist in der Hervorbringung reiner Begriffe auf dem Höhepunkt seiner Produktivkraft und doch wird der Geistgehalt der Begriffe von oben eingesenkt. Dieser subtile Vorgang wird von geistig produktiven Menschen immer wieder und mit anderen Worten beschrieben, über den Einfall des geistigen Lichtes in das suchende Denken besteht aber kein Zweifel.
Günter Röschert
aus «Anthroposophie als Aufklärung»; S.127f
Damit wird ein Grundprinzip beim Lesen [von Imaginationen] deutlich: Man räumt alle Verständigungsmittel weg, um auf den Sinn zu blicken. Dies gilt auch für die Inspiration: Alles, was Schrift ist, muss zwar erst als solche erkannt werden, dann aber blickt man durch sie hindurch (oder an ihr vorbei) direkt auf den Sinn. Das ist wohl auch der Grund, warum wir Bilder rahmen. Wir machen damit deutlich: Das, was sich in diesem Rahmen befindet, verweist auf etwas anderes, es meint nicht sich selbst. Wer ein Bild hingegen nicht als Bild nimmt, gerät in ein Restaurator-Bewusstsein: Dieser interessiert sich für das Material selbst, den Untergrund, die Pigmente etc.
S.25
Die Eindrücke, die durch Inspiration ins Bewusstsein treten, sind »Erkenntnisse« erst im vorläufigen Sinn: Man weiß von ihnen, aber man muss klären, wie sie sich in das Gesamte des bisherigen Wissens einfügen. Dazu ist Wissenschaft notwendig und zwar durchaus im gängigen Sinn. Die gewonnenen Eindrücke müssen in den eigenen Wissenshorizont eingebettet werden. Damit kann auch deutlich werden, dass es keine »falschen« Eindrücke gibt. »Falsch« werden sie erst dadurch, dass ich sie in eine Umgebung einordne, in die sie durch sich selbst nicht gehören, sondern die ich ihnen in meiner Willkür zuweise - etwa, wenn ich nicht wunschfrei auf sie blicken kann.
S.27
Andreas Heertsch
in »die Drei« 11/2016
Drei Lieder, auf euer Begehren gesungen,
sind nicht Weistum zu nennen, nicht Wissen
mit Gold aufgewogen;
denn weder nahm wahr ich die raumlosen Bilder,
noch war möglich mir, zeitlos zu hören,
gar Eintritt ins Wogen,
aus «Das Wegkind»: Schlussrede
Unsere Anmerkungen
a] vgl. Mbl.5: Anm.3
b] die aus dem Sein emergierenden Bewirker der Wirklichkeit
c] siehe MblB.33a
d] oder auch einem Zuhören
e] vgl. Mbl.5
f] vgl. Mbl.6
g] vgl. Mbl.14
h] Zwei oder mehrere aufgrund Teilchenverschmierung (vgl. F17) erscheinende Atome werden zu komplexen Molekülen verknüpft; so entsteht aus eigenschaftsarmer Materie vielfältiger, sinnlich wahrnehmbarer Stoff.
i] siehe MblB.33a
k] positiver bzw. negativer Zeitstrom