zum IMPRESSUM
Merkblatt-
Beilage 33c:
Zur Intuition
Rudolf Steiner
Auf der vierten Erkenntnisstufe endlich hört auch die Inspiration auf. Von den Elementen, die man vom alltäglichen Erkennen her gewohnt ist zu betrachten, ist nur noch das «Ich»[a] dasjenige, welches in Betracht kommt. Der Geheimschüler merkt an einer ganz bestimmten inneren Erfahrung, daß er bis zu dieser Stufe aufgestiegen ist. Diese Erfahrung drückt sich darin aus, daß er das Gefühl hat: er stehe jetzt nicht mehr außer den Dingen und Vorgängen, welche er erkennt, sondern innerhalb derselben. Bilder sind nicht der Gegenstand; sie drücken ihn bloß aus. Auch was die Inspiration gibt, ist nicht der Gegenstand. Sie spricht ihn nur aus. Das aber, was jetzt in der Seele lebt, ist wirklich der Gegenstand selbst. Das Ich hat sich ergossen über alle Wesen; es ist mit ihnen zusammengeflossen. Das Leben der Dinge in der Seele ist nun die Intuition. Es ist eben ganz wörtlich zu nehmen, wenn man von der Intuition sagt: man kriecht durch sie in alle Dinge hinein. - Im gewöhnlichen Leben hat der Mensch nur eine Intuition, das ist diejenige des «Ich» selber. Denn das «Ich» kann auf keine Weise von außen wahrgenommen werden, es kann nur im Innern erlebt werden.
aus «Die Stufen der höheren Erkenntnis»; S.22
Durch Inspiration [b] gelangt man dazu, die Beziehungen zwischen den Wesenheiten [c] der höheren Welt zu erkennen. Durch eine weitere Erkenntnisstufe wird es möglich, diese Wesenheiten in ihrem Innern selbst zu erkennen. Diese Erkenntnisstufe kann die intuitive Erkenntnis genannt werden. (Intuition ist ein Wort, das im gewöhnlichen Leben mißbraucht wird für eine unklare, unbestimmte Einsicht in eine Sache, für eine Art Einfall, der zuweilen mit der Wahrheit stimmt, dessen Berechtigung aber zunächst nicht nachweisbar ist. Mit dieser Art «Intuition» hat das hier Gemeinte natürlich nichts zu tun. Intuition betzeichnet hier eine Erkenntnis von höchster, lichtvollster Klarheit, deren Berechtigung man sich, wenn man sie hat, in vollstem Sinne bewußt ist.[d]) Ein Sinneswesen erkennen, heißt außerhalb desselben stehen und es nach dem äußeren Eindruck beurteilen. Ein Geisteswesen durch Intuition erkennen, heißt völlig eins mit ihm geworden sein, sich mit seinem Innern vereinigt haben. Stufenweise steigt der Geistesschüler zu solcher Erkenntnis hinauf. Die Imagination [e] führt ihn dazu, die Wahrnehmungen nicht mehr als äußere Eigenschaften von Wesen zu empfinden, sondern in ihnen Ausflüsse von Seelisch-Geistigem zu erkennen; die Inspiration führt ihn weiter in das Innere der Wesen: Er lernt durch sie verstehen, was diese Wesenheiten für einander sind; in der Intuition dringt er in die Wesen selbst ein. - [...] Was über diese Wesenheiten [f] erfahren werden kann, wird durch die intuitive Erkenntnis gewonnen. Diese ist auch schon notwendig, wenn man den Lebenslauf des Menschen erkennen will. Was sich nach dem Tode aus der physischen Leiblichkeit des Menschen herauslöst, das macht nun in der Folgezeit verschiedene Zustände durch. [g] Die nächsten Zustände nach dem Tode wären noch einigermaßen durch die imaginative Erkenntnis zu beschreiben. Was aber dann vorgeht, wenn der Mensch weiter kommt in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, das müßte der Imagination ganz unverständlich bleiben, wenn nicht die Inspiration hinzukäme. Nur die Inspiration kann erforschen, was von dem Leben des Menschen nach der Läuterung im «Geisterland» gesagt werden kann. Dann aber kommt ein Etwas, für welches die Inspiration nicht mehr ausreicht, wo sie gewissermaßen den Faden des Verständnisses verliert. Es gibt eine Zeit der menschlichen Entwickelung zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, wo das menschliche Wesen nur der Intuition zugänglich ist. - Dieser Teil der menschlichen Wesenheit ist aber immer in dem Menschen; und will man ihn, seiner wahren Innerlichkeit nach, verstehen, so muß man ihn auch in der Zeit zwischen der Geburt und dem Tode durch die Intuition aufsuchen. Wer den Menschen nur mit den Mitteln der Imagination und der Inspiration erkennen wollte, dem entzögen sich gerade die Vorgänge des innersten Wesens desselben, die von Verkörperung zu Verkörperung sich abspielen. Nur die intuitive Erkenntnis macht daher eine sachgemäße Erforschung von den wiederholten Erdenleben [h] und vom Karma [i] möglich. Alles, was als Wahrheit über diese Vorgänge mitgeteilt werden soll, muß der Forschung durch intuitive Erkenntnis entstammen. - Und will der Mensch sich selbst seiner innersten Wesenheit nach erkennen, so kann er dies nur durch Intuition. Durch sie nimmt er wahr, was sich in ihm von Erdenleben zu Erdenleben fortbewegt.
aus «Die Geheimwissenschaft im Umriß»; S.357ff
Eine noch höhere Stufe der Erkenntnis ist dann die Intuition, sofern man das Wort Intuition nicht wie im gewöhnlichen Sprachgebrauch anwendet, wo alles Unklare, was einem einfällt, Intuition genannt wird, sondern wenn man den Begriff Intuition in dem wirklich geisteswissenschaftlichen Sinne nimmt. Da ist die Intuition eine Erkenntnis, wo man nicht nur geistig hinhorchen kann auf das, was die Wesenheiten aus sich selbst heraus einem mitteilen, sondern wo man eins wird mit diesen Wesenheiten, wo man in die eigene Wesenheit derselben untertaucht. Das ist eine hohe Stufe der geistigen Erkenntnis. Denn sie erfordert, daß der Mensch zuerst jene Liebesentfaltung zu allen Wesenheiten in sich vollzieht, wo er keinen Unterschied mehr macht zwischen sich und den anderen Wesenheiten in der geistigen Umgebung, wo er seine Wesenheit sozusagen ausgegossen hat in die ganze geistige Umgebung, wo er also wirklich nicht mehr außerhalb der Wesenheiten ist, die mit ihm geistig verkehren, sondern wo er innerhalb dieser Wesenheiten ist, in ihnen steht. Und weil das nur sein kann gegenüber einer geistig göttlichen Welt, so ist der Ausdruck Intuition, das ist «im Gotte stehen», ganz berechtigt.
Basel, 15.Sep.1909/ME (in «GA 114»; S.13f)
Auch hier gibt es wieder eine Art Übergang, nur ist derselbe nicht so leicht zu bemerken wie der Übergang, der vom Vorstellen durch die Phantasie zur Imagination führt [k]. Dieser Übergang tritt dann ein, wenn der Mensch lernt, so auf sich achtzugeben, daß er nicht nur in die Lage kommt, irgend etwas zu wollen und dann die Handlung daranzuschließen - und sozusagen klaffend nebeneinanderstehend hat Gedanken und Handlung -, sondern wenn er beginnt, seine Gemütsbewegungen selber über die Qualität der Handlungen auszudehnen. Das ist etwas in vielen Fällen sogar recht Mißliches; aber es tritt im Leben doch ein, daß man, indem man handelt, eine Art Wohlgefallen oder Ekelgefühl an seinen eigenen Handlungen haben kann. Ich glaube nicht, daß ein unbefangener Beobachter des Lebens leugnen kann, daß man die Gemütsbewegungen erweitern kann bis zu einer Art Hereinströmen-Lassen der Eigenschaften der eigenen Zustände in die Handlungen, so daß man innerhalb der Gemütsbewegungen auch vorhanden hat, was man als Sympathie oder Antipathie an einer Handlung bezeichnen kann. Aber steigern kann sich auch dieses Miterleben seiner eigenen Handlungen in den Gemütsbewegungen. Und wenn es sich steigert, wenn es auftritt als das, als was es eigentlich auftreten soll, dann haben wir an dem Übergang zwischen den Gemütsbewegungen und der Intuition dasjenige gegeben, was wir nennen können das menschliche Gewissen [l], also die Gewissensregungen. Das Gewissen ist etwas, was in diesem Übergange sitzt, wenn wir es seiner Stelle nach suchen.
Berlin, 15.Dez.1911/VE (in «GA 115»; S.275f)
Aber diese zwei Kräfte, die der Inspiration und die der Imagination, sie können sich vereinigen. Das eine kann sich in das andere einleben. Aber es muß in Vollbewußtheit und in einem Ergreifen des Kosmos in Liebe geschehen. Dann entsteht ein Drittes, ein Zusammenfluß von Imagination und Inspiration in der wahren, in der geistigen Intuition. Da erheben wir uns dann zu demjenigen, was einheitlich erkennen läßt die äußere matreille Welt als eine geistige, die innere geistig-seelische Welt mit ihren materiellen Grundlagen, was erkennen lehrt die Erweiterung des menschlichen Lebens über das Erdenleben hinaus, [...] Man lernt so auf der einen Seite erkennen das Pflanzenreich, Tierreich, Mineralreich nach ihren inneren Essenzen, nach ihren geistigen Gehalten durch die Inspiration, und man begründet dadurch, daß man durch die Imagination die menschlichen Organe kennenlernt, eine wirkliche Organologie, und indem man dann in der Intuition zusammenfaßt dasjenige, was man über Pflanze, Tier und Mineral kennengelernt hat, mit demjenigen, was sich durch die Imagination ergibt über die menschlichen Organe, dadurch erhält man erst eine wahre Therapie, eine Heilmittellehre, die das Äußere in einem wirklichen Sinne anzuwenden vermag auf das Innere.
Dornach, 2.Okt.1920/SA (in «GA 322»; S.86)
Das Wollen ist zunächst innerhalb der Lebensbetätigung des Menschen zwischen Geburt und Tod rein leiblich-physische Betätigung, ist leiblich-physisch zu erleben, denn der Geist wird in Anspruch genommen von der Muskeltätigkeit - leiblich-physisches Erleben, aber schlafend, denn bewußt kann man nur den Geist erleben. Hier schläft er. Da drinnen ist aber Intuition. Es ist wirkliche Intuition, was ich das letzte Mal geschildert habe, wo der Mensch seine Seelentätigkeit und damit auch das Geistige, das er erlebt, in Bildern hinübersendet in seine Muskeltätigkeit, so daß er regsam wird, sodaß er ein Handelnder, ein Wollender wird. Da intuiert er wirklich. Da geht er aus seinem Ich-Leben heraus, läßt dieses Ich [a] also in etwas ganz anderes, nämlich in die eigene Muskel-Knochenbewegung hinein. So daß wir sagen können: Die Intuition schlüpft in die Stoffwechsel- und Bewegungstätigkeit.
Wollen: Leiblich-physisches Erleben, aber schlafend,
Intuition schlüpft in die Stoffwechsel- und Bewegungstätigkeit
Dornach, 4.Nov.1921/VE (in «GA 208»; S.126f)
31. In der intuitiven Erkenntnis kommt das Herüberwirken früherer Erdenleben in das gegenwärtige zum Bewußtsein. Diese früheren Erdenleben haben in ihrer Weiterentwickelung die Zusammenhänge abgestreift, in denen sie mit der physischen Welt gestanden haben. Sie sind zum rein geistigen Wesenskern des Menschen geworden und wirken als solcher im gegenwärtigen Leben. Sie sind dadurch auch Gegenstand der Erkenntnis, die als die Entfaltung der imaginierenden [e] und inspirierten [b] sich ergibt.
aus «Anthroposophische Leitsätze»; S.27
Andere Stimmen
Wer gibt das Erlebnis der Kausalität? Das ist das Ich, der Träger des Schicksals von einem Erdenleben zum andern; aber das Wesen des Ich gehört einer Sphäre an, für die eine noch höhere Begriffsform gesucht werden muss in der Reihe Raum, Zeit, Kausalität. Diese vierte Form tritt in keiner Kategorientafel auf, und doch bringt sie diese Reihe erst zum Abschluss, über den hinaus es keine Fortsetzung geben kann: Auf die Begriffe des Nebeneinander, Nacheinander und Wegeneinander kann nur noch der als Wesenhaft zu erfassende Begriff des Durchsichselbst folgen, er sei Wesensbeständigkeit genannt. Spinoza [m] hatte ein Bewusstsein davon, wo er spricht von der „Ursache seiner selbst”, d.h. von einem in sich bestehenden Wesen. Das ist beim Menschen der „rein geistige Wesenskern”. Intuition ist die Erkenntnisart des Ich, das von Leben zu Leben schreitet. So kann entsprechend dem Vorhergehenden hinzugefügt werden: Die Intuition wandelt die Wesensbeständigkeit zur Kausalität.
Carl Unger
aus «Aus der Sprache der Bewußtseinsseele»; S.86
Nach einer Erklärung Steiners im V.Kapitel der Philosophie der Freiheit ist Intuition die Form, in der ein Gedankeninhalt im Innern der Seele zunächst auftritt. Am Beginne des XII.Kapitels heißt es: „Der freie Geist handelt nach seinen Impulsen, das sind Intuitionen, die aus dem Ganzen seiner Ideenwelt durch das Denken ausgewählt sind.” Eine vorgeschaltete Einleitung zum IX.Kapitel in der Zweitauflage von 1918 enthält folgenden Satz: „Intuition ist das im rein Geistigen verlaufende bewußte Erleben eines rein geistigen Inhaltes.” Im Herbst 1924 bemerkt Steiner in seiner Autobiographie Mein Lebensgang, der Satz aus dem XII.Kapitel der Freiheitsphilosophie müsse eigentlich wie folgt lauten: „Der freie Geist handelt nach seinen Impulsen; das sind Intuitionen, die von ihm außerhalb des Naturdaseins in der rein geistigen Welt erlebt werden, ohne daß er sich im gewöhnlichen Bewußtsein dieser geistigen Welt bewußt wird.”
Ideengeschichtlich zeigt sich, daß unter „Intuition” (lat.) bis in die neueste Zeit hinein zumeist ein außerbegriffliches, unmittelbares und gesamthaftes Erfassen eines Erkenntnisgegenstandes verstanden wird.
Der Intuitionsbegriff Steiners ist universell - denn jeder Begriff ist intuitiv gegeben - und evolutiv - denn die Intensität der Intuition hängt von ihrem Bewußtheitsgrad ab. Die drei, in der Philosophie der Freiheit gegebenen Erklärungen dessen, was unter Intuition verstanden werden soll, betreffen einen einheitlichen Intuitionsbegriff, der einmal formal, dann mehr material erklärt wird. In der Vernetzung mit dem gesamten Vorstellungsbestand eines Menschen ist die begriffliche Intuition ihrer eigentlichen Natur nach unbewußt. Die Tatsache der außersinnlichen Herkunft bleibt regelmäßig unbemerkt.
S.40
Schließlich ist deutlich, daß im reinen Denken höchste Aktivität mit Hingabe [n] verbunden ist. Die Intuition des Begriffes ist dessen triadisches Zusammensein mit dem Ich und dem Denkwillen. Das Denken darf als intuitiv bezeichnet werden, weil in der Koinzidenz der drei Elemente die intellektuelle Anschauung als das Urelement erfahren wird.
S.128
Günter Röschert
aus «Anthroposophie als Aufklärung»
Die Intuition ist in den Augen gegenwärtiger Wissenschaft eine Unmöglichkeit, weil sie zeigt, dass sie irrtumsfrei ist. Wer also in der Intuition lebt, lebt in der Wahrheit. Wie geht das?
Erste Ansätze finden sich bereits bei Augustinus (354-430).⁸ Er untersucht Sein und Zweifel: »Quid si falleris? Si enim fallor, sum.« (Was ist, wenn du dich täuscht? Sogar wenn ich mich täusche, bin ich.) Damit ist die Grundhaltung der Intuition charakterisiert: Ich bin mir meiner selbst in meinem Tun gewiss.
8 Vgl. Augustinus: ›Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat‹, 11. Buch, 26. Kapitel: [...]
Man kann das in einer kleinen Übung über das eigene Ich selbst freilegen. Man beantworte sich die Frage: »Wer bin ich?« (aus dem gewöhnlichen Alltagsbewusstsein) durch Abstreichen dessen, was man nicht ist, und untersucht, was dann übrig bleibt. Für diese Übung ist es eine Hilfe, sich den Unterschied zwischen »habituell« und »essenziell« klar zu machen: Was habe ich? Und: Was oder wer bin ich? Was man hat, ist man nicht. Damit fällt alles, was irgendwie Gegenstandscharakter hat, weg. Denn auf alles Gegenständliche kann man zeigen. Gesucht ist aber der Zeiger. Deutlich ist das schon bei fahrlässigen Formulierungen wie »ich stehe da unten« (und meint eigentlich sein Auto). Aber auch Gedanken, Gefühle hat man. Es zeigt sich schließlich, dass bei dieser Betrachtung nur das Betrachten selbst Bestand hat und dafür sorgt, dass man sich seiner sicher ist, weil man sich in dieser Tätigkeit selbst hervorbringt.
Im Sinne skalierter [o] Begriffe ist dies eine untere Stufe der Intuition. Ich möchte sie sogar noch etwas erweitern: Intuition ist »wache Erfahrung«: Indem ich eine Erfahrung nicht nur registriere, sondern wach vollziehe, trete ich in die Intuition ein. [...]
Man könnte diese Art der Selbstbesinnung einschmelzen in das Wort: »Ich seine.« Mit »Seinen« meine ich die Tätigkeit, sich ins Sein zu setzen, durch eigene Tätigkeit dafür zu sorgen, dass ich mir sicher bin, dass es mich gibt, weil ich eben nicht leugnen kann, dass ich diese Tätigkeit ausführe und damit mich als Täter sichere: »Der Seiner seint sich selbst hervor«.
Damit ist allerdings auch nur auf eine Zwischenstufe gewiesen: Bei genauerem Hinsehen ist dieses »Seinen« ein besonderes »Seinen«, kein »Seinen« schlechthin. »Seinen schlechthin« ist mehr eine Beschreibung [Deskription] der Erlebnisform und -aktivität.
Auch die Sinneswelt erscheint im Bewusstsein als Intuition: Sie tritt in einer Art auf, dass ich ihr Eintreten, ihre Existenz nicht leugnen kann. (Das darf nicht mit der Deutung der Sinneseindrücke verwechselt werden.) Alle diese unmittelbaren Seinserfahrungen treten mit dem Gefühl auf: So ist es! Philosophisch würde man dies als Evidenz [d] bezeichnen. [...] Diese Art, wie Evidenz erscheint, zeigt, dass ich am Zustandekommen dieser Sicherheit unbedingt beteiligt bin und sein muss. Das aber ist das Ende jeder absoluten (von mir unabhängigen) Wahrheit. Die Bewusstseinsseele [a] will beim Zustandekommen der Wahrheit dabei sein. Es mag Richtigkeiten geben, die ich - einst geprüft - aus dem Gedächtnis mit dem Prädikat »richtig« hervorhole. Für eine Wahrheit braucht es aber meine existenzielle Beteiligung (auf der kleinen Skala das Aha-Erlebnis), die mir die Wirklichkeit (Wahrhaftigkeit) verbürgt.
Andreas Heertsch
in »die Drei« 11/2016; S.27ff
Drei Lieder, auf euer Begehren gesungen,
sind nicht Weistum zu nennen, nicht Wissen
mit Gold aufgewogen;
denn weder nahm wahr ich die raumlosen Bilder,
noch war möglich mir, zeitlos zu hören,
gar Eintritt ins Wogen,
aus «Das Wegkind»: Schlussrede
Unsere Anmerkungen
a] vgl. Mbl.5: Anm.3
b] siehe MblB.33b
c] die aus dem Sein emergierenden Bewirker der Wirklichkeit
d] Diese Evidenz(erfahrung - vgl »TzN Feb.2015«) wird zum reproduzierbaren Grundkriterium der Geisteswissenschaft.
e] siehe MblB.33a
f] zB. über die Hierarchien (vgl. Mbl.10-15), über Luzifer und Ahriman (vgl. Mbl.16) uam.
g] vgl. R.STEINER zur Seele nach dem Tode
h] vgl. Mbl.8
i] vgl. Mbl.9
k] siehe MblB.33a
l] η συνείδησις (he syneídesis ~ Gewissen) von το συνειδός (tò syneidós ~ Mitwissen, Bewußtsein) - vgl. R.STEINER zum Gewissen
m] der rationalistische Philosoph Baruch Despinoza
n] vgl. denselben zur Hingabe
o] Der Verfasser meint, man müsse „gewissermaßen seine Denkaktivität auf die richtige Größenordnung einstellen, um sie zu bemerken. Anders gesagt: Die Begriffe Imagination, Inspiration und Intuition lassen sich skalieren.”