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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Emil BOCK zu
URFLUT und ATLANTIS
Der Mythos von einer großen Urflut [מבול] hat sich bei allen Völkern der Erde als eine gemeinsame Urerinnerung erhalten; mehr als 60 verschiedene Flutsagen sind lebendig geblieben. Überall steht im Mittelpunkt eine Gestalt, die dem Noah [נח] entspricht, sei es der Manu der Inder, der Deukalion [Δευκαλίων] der Griechen, der Xisuthros [sumer. Ziusudra] der Chaldäer oder der Utnapischtim [Uta-napischti ~ Ich habe mein Leben gefunden] des babylonischen Gilgamesch-Epos, der dort den Beinamen Atrachasis, »der Urkluge«, trägt.
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Die indische Form der Flutsage ist uns vor allem durch den Namen wichtig, den sie der Noah-Gestalt gibt. Den »großen Manu« nennt sie den, der das Leben durch den Untergang hindurchrettet. Im Mahabharata wird erzählt, wie eines Morgens ein Fisch an den sich waschenden Manu heranschwimmt und zu ihm spricht. Der Gott Brahma selbst verbirgt sich in der Fischgestalt. Er sagt dem Manu die Flut voraus, verspricht ihm aber die Rettung auf dem Schiff, das er bei Anbruch der Flut besteigen soll. Der Manu pflegt den Fisch zuerst in einem Gefäß. Dann setzt er ihn, da er immerfort größer wird, in einen Teich, in den Ganges und schließlich in das Meer. Die Flut bricht an, und Manu besteigt das Schiff zusammen mit den sieben heiligen Rischis, weisen Sängern, die im Besitz der echten heiligen Schriften sind. Von allen Pflanzen nimmt er Samenkörner mit. Da kommt der Fisch geschwommen, bindet das Tau des Schiffes an sein Horn und eilt mit ihm zu den Bergen. Auf dem höchsten Gipfel landet das Schiff, und als die Flut zu Ende ist, erschafft Manu eine neue Menschheit und führt sie nach göttlichen Gesetzen [in den Bereich der heutigen Gobi].
Um nun die große Urflut und den darin zum Ausdruck kommenden Wandel im Menschendasein als geschichtlichen Vorgang erfassen zu können, wenden wir uns den Schilderungen zu, die uns die anthroposophische Forschung vom Leben der atlantischen Menschheit und vom Übergang zur nachatlantischen Zeit gibt.⁴⁸ In diesen Schilderungen spielt der Name und die Gestalt des Manu eine ganz besondere Rolle. Der große Manu war der Führer derjenigen Mysterienstätte in der alten Atlantis, die sich aus allen anderen als ein hell-leuchtendes Zentrum heraushob. Alle atlantische Mysterien- oder Orakelstätten hatten die Aufgabe, die Menschheit in Verbindung zu halten mit der hohen göttlich-geistigen Wesenheit, die sich einst mit der Sonne von der Erde getrennt hatte, die sich aber im Laufe der Zukunftsentwicklungen wieder mit der Menschheit verbinden wollte. Die meisten Eingeweihten der Atlantis vermochten jedoch nicht, mit dem Sonnenwesen in unmittelbarer Berührung zu stehen. Sie nahmen es nur in mondlichtartigen Abspiegelungen und im planetarischen Abglanz wahr. Nur im Umkreise des großen Manu empfing man die unmittelbaren Sonnen-Offenbarungen, und so wird die Mysterienstätte des Manu, die am Ostrande der Atlantis, in der Gegend des heutigen Irland [Hybernia], lag, das »Christus- oder Sonnenorakel« genannt. Zu dem Sonnenorakel verhielten sich die anderen Einweihungsstätten wie die Planeten zur Sonne. Sie hatten ihre verschiedenen Färbungen, Prägungen und Aufgaben durch die verschiedenen Kräfte und Begabungen der ihnen zugehörigen Menschengruppen.
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Je mehr allerdings die atlantische Zeit fortschritt, um so gewaltigere Gegensärtze und Spaltungen machten sich bemerkbar. Neben den fortschrittlichen [Orakeln] gab es die entartenden, in denen die auf die Enos[אנוש]-Gestalt zurückgehenden Abirrungen immer größere Ausmaße annahmen. Die Wachstumskräfte der Natur und des Menschen, mit denen infolge der noch großen Bildsamkeit alles Physischen in den guten [Orakeln] erstaunliche Wunder kulturellen Lebens hervorgebracht wurden, fielen dort dem Mißbrauch anheim. Innerhalb der langsam sich bildenden staatenähnlichen Gemeinwesen entstanden Machtgier und Kampf.
Der Widerstreit der Strömungen muß sich in dramatischer Anschaulichkeit an der verschiedenen Körpergestaltung der Menschen bemerkbar gemacht haben. Die Menschengestalt, die noch aus einer viel weicheren und plastischeren Stofflichkeit bestand als heute, war [wegen des viel grösseren und daher lockerer verbundenen Astral- und Ätherleibs] in hohem Maße der Ausdruck der seelischen Eigenschaften. »Ein mehr seelischer, geistigerer Mensch war von zartem, beweglichem, ausdrucksvollem Körperbau. Ein geistig wenig entwickelter von groben, unbeweglichen, wenig bildsamen Körperformen. Seelische Vorgeschrittenheit zog die Glieder zusammen...; seelische Zurückgebliebenheit..., Verdorbenheit in den Leidenschaften, Trieben und Instinkten zog ein Anwachsen des Materiellen...ins Riesenhafte nach sich.«⁴⁹ Die Zeit ist angebrochen, in der es nach der biblischen Schilderung Tyrannen und Riesen auf der Erde gab (Gen. 6,4).
Schließlich ballte sich, was an Entartung den guten atlantischen [Orakeln] gegenüberstand, zu gewaltigem Unheil zusammen. Ebenso wie alles Seelisch-Geistige noch in die äußere Gestaltung des physischen Menschenleibes hineinwirkte, so griff es nachgerade auch in die Gestaltung der Erdoberfläche [und der daran beteiligten Tiefenkräfte] selber ein. Der schwarzmagische Mißbrauch der Wachstums- und Fortpflanzungskräfte, der von den entarteten Mysterienstätten ausstrahlte, rief schließlich in der dichten Nebelatmosphäre der Atlantis, wo Wasser und Luft einander ähnlicher waren als heute, ungeheure Stürme und Orkane hervor, die sich in großen Wasserkatastrophen fortsetzten und zum allmählichen Untergang des atlantischen Kontinentes führten. Der größte Teil der Menschheit ging zugrunde. Nur kleinere Teile konnten sich durch Wanderungen retten, ostwärts nach Europa und Asien oder westwärts nach Amerika, in die neuen Kontinente, die damals erst anfingen, ihre heutige Gestalt anzunehmen.
S.78ff
48 Siehe vor allem in Rudolf Steiners »Geheimwissenschaft« das Kapitel »Die Weltentwicklung und der Mensch« und »Unsere atlantischen Vorfahren« (in »Aus der Akasha-Chronik«).
49 Rudolf Steiner: »Die Geheimwissenschaft im Umriß«, Kapitel »Die Weltentwicklung und der Mensch«.
S.196
aus «Urgeschichte»