zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Lilith
Lilith (לילית ~ Nächtliche) ist im jüdischen Volksglauben eine schon in Jes.34,14 erwähnte Dämonin, welche eigentlich der babylonischen Dämonologie entstammt (Lilitu). Sie wurde als blutsaugendes Nachtgespenst vorgestellt. Der «Talmud» nennt sie eine Teufelin, aber aufgrund von Gen.1,27 auch erstes Weib Adams. Ihr ist die Eule (vgl. Pállas Athéne) zugeordnet. Aus Palästina gelangte ihr Bild auch nach Griechenland, wo sie mit der Hekáte verschmolz. Ihren Töchtern (Lilin) wird ein Eselshintern (Symbol der Geilheit und Grausamkeit) und Vampirismus nachgesagt.
nach «Lexikon der Götter und Dämonen»
ETYMOLOGIEN DES WORTES LILITH
Im alten Sumer (Mesopotamien) bedeutet Lil Sturm oder Wind. Dem entspricht das babylonisch-assyrische Wort lilitu, »ein weiblicher Dämon oder Windgeist«. Auch das Wort Laila, das hebräische (und arabische) Wort für Nacht, wird etymologisch damit in Zusammenhang gebracht, weshalb man traditionsgeschichtlich den Namen Lilith auch gerne mit Nachtgespenst über- und ersetzt findet.¹
Eine andere Assoziation legt Barbara G. Walker nahe: Sie leitet den Namen Lilith »von dem sumerisch-babylonischen Wort lilu für ›Lotus‹« ab. Damit setzt sie Lilith in Verwandtschaft zu den Lotusgöttinnen Ägyptens und Indiens. Nach Raphael Patai soll ›Kali‹ ein Beiname Liliths gewesen sein.² In Indien galt der Lotus ebenso sehr als Symbol der Fruchtbarkeit (vor allem der weiblichen Yoni [vgl. Sheila-na-Gig]) und Wiedergeburt wie auch als Symbol spiritueller Reinheit.
¹ vgl. Ranke-Graves, R./Patai, R.: Hebräische Mythologie, Reinbek 1986, S.84; Koltuv, B.B.: Das Geheimnis Lilith: oder die verteufelte Göttin, München 1988, S.13
² vgl. Walker, B.G.: Die geheimen Symbole der Frauen, München 1997, S.573f
aus «Lilith»; S.11
LILITH UND EVA
Den Keil, den die christliche Tradition zwischen Eva, die Sünderin, Verführerin und Todbringerin, und Maria, die reine und unbefleckte, sündenlose Magd des Herrn treiben konnte, mußte das Judentum anderswo ansetzen. Hier heißen die beiden unversöhnlichen Gegensätze nicht Eva und Maria, sondern Lilith und Eva, wobei erstere das aufmüpfige und verderbenbringende Weibliche und letztere das angepaßte und dem Manne dienliche Werkzeug repräsentiert.
[...]
Was an Eva rebellisch ist, geht auf Liliths Einflüsterungen zurück, womit Lilith nun auch für die Frau zur Versucherin und Verführerin wird. Lilith ist es, die Eva dazu überredet, von den Früchten der Erkenntnis zu kosten. Dabei werden Lilith und die Schlange eins: In einem Sohar-Mythos heißt es, Lilith sei »die Schlange, die Hure, die Eva anstiftete und anstachelte ... und sie dazu brachte, Adam zum Beilager zu verführen, während sie in der Zeit ihrer menstruellen Unreinheit war.«³²
³² Ginzberg, Legends of the Jews, zitiert nach Koltuv, B.B.: Das Geheimnis Lilith: oder die verteufelte Göttin, München 1988, S.79
aus «Lilith»; S.47f