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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Dieter LÜST zum
HIGGS-FELD
Um die theoretischen und nicht sehr anschaulichen Überlegungen der Forscher auch nur ansatzweise zu verstehen, muss man wissen, dass das Higgs [a] ein besonderes, nämlich ein so genanntes skalares Teilchen ist: Es trägt anders als die anderen Elementarteilchen keinen Spin, sein Eigendrehimpuls ist also null. Ein solches Teilchen hat die mathematisch interessante Eigenschaft, dass es sich bei Drehungen im Raum in keiner Weise verändert. Besäße es hingegen einen Spin (oder eine andere richtungsabhängige Eigenschaft), würde dieser nach einer Drehung in eine andere Richtung zeigen.
Ein solches skalares Teilchen kann, wie sich mathematisch beweisen lässt, spontan aus dem Nichts, das heißt aus dem Vakuum entstehen. Ebenso spontan kann es wieder im Nichts verschwinden, es wird dann vom Vakuum gewissermaßen wieder verschluckt. Entscheidend ist, dass es bei diesem Prozess gleichsam Energie aus dem Vakuum heraussaugt - und sie anschließend an andere Elementarteilchen abgibt, die auf diese Weise ihre Masse [b] erwerben.
Nicht nur das Higgs-Teilchen ist skalar, sondern auch das mit ihm assoziierte Higgs-Feld. Darum nimmt es selbst im Vakuum einen bestimmten Wert an, den so genannten Vakuumerwartungswert. Man kann also sagen, dass das Higgs-Feld durch seinen Vakuumerwartungswert die Massen der anderen Elementarteilchen erzeugt. Es lässt sich durchaus mit einem allgegenwärtigen Äther [c] vergleichen, weil es überall im Raum und selbst im Vakuum vorhanden ist. Nur an Photonen - Lichtteilchen - und an Gluonen - die Austauschteilchen der starken Kernkraft - kann das Higgs nicht koppeln, weshalb diese keine Masse besitzen.
Es gibt noch eine etwas anschaulichere Art, die Erzeugung der Teilchenmassen zu verstehen. Dazu muss man nur wissen, dass masselose Teilchen im Vakuum stets mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind. Bei der Wechselwirkung mit dem Higgs-Feld werden sie, ein bisschen wie in einem zähen Kuchenteig oder in Honig, auf Unterlichtgeschwindigkeit abgebremst und nehmen dadurch automatisch Masse an.
in »Spektrum der Wissenschaft« 4/2013; S.57
a] Teilchen aus der Gruppe der nach Peter Higgs benannten Bosone (vgl. F17), die in Form eines lediglich indirekt messbaren Feldes den gesamten Raum durchziehen sollen, somit auch das Vakuum
b] Die Masse (m) ist eine Grundeigenschaft der Materie. Diese Zustandsgrösse, deren Einheit das Gramm ist, ändert sich mit der Grösse des jeweiligen Systems.
c] Der physikalische Äther wurde im XVII.Jahrhundert als Medium der Lichtausbreitung behauptet, jedoch in der 2.Hälfte des XIX.Jahrhunderts als irreal verworfen.