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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
DRITTEN HIERACHIE
Heute aber wollen wir unsere Betrachtung in der Weise fortsetzen, daß wir auch noch zunächst skizzenhaft beschreiben die anderen Wesenheiten der geistigen Hierarchien, auf die wir zwar schon hingedeutet haben, die wir aber gestern wegließen. Das sind die Wesenheiten, die eigentlich, wenn wir aufsteigen vom Menschen hinauf, dem Menschen am nächsten liegen; die in der christlichen Esoterik genannt werden Engel, Erzengel und Urbeginne oder Urkräfte, also Angeloi, Archangeloi, Archai. Die Erzengel werden ja gemäß der anthroposophischen Literatur auch Feuergeister zu nennen sein, und die Urbeginne können wir auch nennen Geister der Persönlichkeit.
Diese Wesenheiten, die sozusagen zwischendrinnen stehen zwischen dem Menschen und jenen geistigen Wesenheiten, von denen wir gestern gezeigt haben, wie sie hereinreichen zum Jupiter, Mars und so weiter, stehen natürlich auch in einem näheren Verhältnis zum Menschen auf der Erde selber. Da haben wir zunächst die Angeloi oder Engel. Sie haben ihre Menschheitsstufe während der alten Mondenentwickelung durchgemacht, sind also im Grunde genommen während unserer heutigen Erdenentwickelung erst so weit, als der Mensch sein wird während seiner Jupiterentwickelung. Eine Stufe über dem Menschen stehen sie. Was ist denn eigentlich die Aufgabe dieser geistigen Wesenheiten? Wir werden uns diese Aufgabe vor Augen führen können, wenn wir die Entwickelung des Menschen auf der Erde in Betracht ziehen.
Der Mensch entwickelt sich von Verkörperung zu Verkörperung. In der Weise, wie jetzt die menschliche Entwickelung vor sich geht, reicht sie ja zurück durch die alte atlantische Zeit, durch die lemurische Zeit und beginnt eigentlich in der alten lemurischen Zeit. Und diese Entwickelung durch Inkarnationen hindurch wird auch noch längere Zeit anhalten, bis gegen das Ende der Erdenentwickelung, wo dann andere Formen der Menschheitsentwickelung eintreten werden. Nun wissen Sie ja, daß dasjenige, was wir den eigentlichen ewigen Wesenskern des Menschen nennen, die Individualität, sich fortsetzt von Inkarnation zu Inkarnation. Sie wissen aber auch, daß für die weitaus größte Anzahl der Menschen heute noch ein Bewußtsein vom Leben in den vorhergehenden Verkörperungen nicht vorhanden ist, daß die Menschen sich heute noch nicht erinnern an dasjenige, was sich mit ihnen vollzogen hat in vorhergehenden Inkarnationen. Nur solche, die bis zu einem gewissen Grade bis zur Hellsichtigkeit sich entwickelt haben, blicken zurück in ihre vorhergehenden Inkarnationen.
Was würde nun für eine Zusammengehörigkeit sein zwischen den Inkarnationen eines Menschen auf der Erde, der sich noch nicht erinnert an seine früheren Verkörperungen, wenn nicht gewisse Wesenheiten da wären, die sozusagen die einzelnen Inkarnationen zusammenschließen, die da wachen über das Fortentwickeln von einer Inkarnation zur anderen? Für jeden Menschen müssen wir voraussetzen eine Wesenheit, welche dadurch, daß sie um eine Stufe höher ist als der Mensch, die Individualität von einer Inkarnation zur andern hinüberleitet. Wohlgemerkt, das sind nicht jene Wesenheiten, die das Karma regeln und auf die wir noch zurückkommen werden; das sind einfach wachsame Wesenheiten, die sozusagen das Gedächtnis bewahren von einer Inkarnation zur anderen, solange der Mensch selber es nicht kann. Und diese Wesenheiten sind eben die Angeloi oder Engel. So daß wir sagen können: Jeder Mensch ist in jeder Inkarnation eine Persönlichkeit, aber über jeden Menschen wacht eine Wesenheit, welche ein Bewußtsein hat, das von Inkarnation zu Inkarnation geht. Das ist es ja auch, was möglich macht, daß für gewisse niedrigere Grade der Einweihung der Mensch, wenn er auch selbst noch nichts weiß von seinen vorhergehenden Verkörperungen, doch die Möglichkeit erhält, seinen Engel zu fragen. Das ist für gewisse niedere Grade der Initiation durchaus möglich. So also dürfen wir sagen: Die Wesen, die als Angeloi eine Stufe höher stehen als der Mensch, die haben Wache zu halten über den ganzen Menschheitsfaden, der sich für die einzelne Individualität von Verkörperung zu Verkörperung spinnt.
Nun steigen wir hinauf zu der nächsten Gruppe von Wesenheiten, zu den Erzengeln, Archangeloi, zu den Feuergeistern, wie wir sie auch nennen. Diese Wesenheiten beschäftigen sich nun nicht mit dem einzelnen Menschen, mit der einzelnen Individualität, sondern haben schon eine umfassendere Aufgabe: Sie bringen in eine harmonische Ordnung das Leben des Einzelnen und das Leben größerer Menschheitszusammenhänge, wie zum Beispiel Völker [...]. Es haben die Erzengel innerhalb unserer Erdenentwickelung die Aufgabe, sozusagen die Seele des Einzelnen in einen gewissen Zusammenhang zu bringen mit dem, was wir Volksseele [...] nennen. Denn für denjenigen, der in das spirituelle Wissen eindringt, sind Volksseelen [...] noch etwas ganz anderes als für die Abstraktlinge der heutigen Wissenschaft oder heutigen Bildung überhaupt. Auf irgendeinem Territorium, meinetwillen in Deutschland oder Frankreich oder Italien, leben so und so viele Menschen, und weil die sinnlichen Augen nur so und so viele Menschen als äußere Gestalten sehen, so können sich solche Abstraktlinge das, was man Volksgeist oder Volksseele nennt, nur wie eine bloß begriffliche Zusammenfassung des Volkes vorstellen. Wirklich real ist für sie nur der einzelne Mensch, nicht die Volksseele, nicht der Volksgeist. Für denjenigen, der in das wirkliche Getriebe des spirituellen Lebens hineinschaut, für den ist das, was wir Volksseele oder Volksgeist nennen, eine Realität. Es lebt und webt in einer Volksseele dasjenige, was wir nennen einen Feuergeist oder einen Erzengel. Er regelt also sozusagen das Verhältnis des einzelnen Menschen zu der Gesamtheit eines Volkes [...].
Und dann kommen wir hinauf zu den Wesenheiten, die wir bezeichnen als Geister der Persönlichkeit, als Urbeginne, Urkräfte, Archai. Das sind nun noch höhere Wesenheiten, sie haben eine noch höhere Aufgabe im Menschheitszusammenhange. Sie regeln im Grunde genommen die irdischen Verhältnisse des ganzen Menschengeschlechtes auf Erden, und sie leben so, daß sie durch die Wellen der Zeit von Epoche zu Epoche in einer ganz bestimmten Zeit sich verändern, sozusagen einen andern Geistleib annehmen. Sie alle kennen wiederum etwas, was für die Abstraktlinge unserer heutigen Bildung eigentlich ein bloßer Begriff ist, was aber für denjenigen, der hineinsieht in die spirituelle Wirklichkeit, eine Realität ist: Es ist das, was man mit einem eigentlich recht häßlichen Ausdruck unserer Zeit den Zeitgeist nennen könnte. Sie haben zu tun mit dem, was der Sinn und die Mission einer Epoche der Menschheit ist. Denken Sie nur einmal daran, daß wir ja schildern können den Sinn und die Mission zum Beispiel in den ersten Jahrtausenden unmittelbar nach der atlantischen Katastrophe. Diese Zeitgeister, sie umfassen etwas, was über das einzelne Volk [...] hinausgeht. Der Geist einer Epoche ist nicht beschränkt auf dieses oder jenes Volk, er geht hinüber über die Grenze der Völker. Das nun, was man in Wirklichkeit Zeitgeist, Geist einer Epoche nennt, das ist der Geistleib der Archai, der Urbeginne oder Geister der Persönlichkeit. Diesen Geistern der Persönlichkeit ist es zum Beispiel zuzuschreiben, daß für gewisse Epochen ganz bestimmte menschliche Persönlichkeiten auf unserem Erdenrund auftreten. Nicht wahr, Sie begreifen ja, daß die irdischen Aufgaben zunächst gelöst werden müssen durch irdische Persönlichkeiten. In einer ganz bestimmten Epoche mußte diese oder jene epochemachende Persönlichkeit auftreten. Aber es würde ein sonderbares Durcheinander in der ganzen Erdenentwickelung eintreten, wenn das alles dem Zufall überlassen wäre, wenn in irgendeine Epoche Luther meinetwegen oder Karl der Große hineingestellt würden. Das muß im Zusammenhang gedacht werden erst mit der ganzen Entwickelung der Menschheit über die Erde hin; es muß sozusagen aus dem Sinn der ganzen Erdenentwickelung in einer bestimmten Epoche die richtige Seele auftreten. Das regeln die Geister der Persönlichkeit, das regeln die Archai oder Urbeginne.
Und dann, wenn wir über die Urbeginne hinaufkommen, dann kommen wir zu denjenigen Wesenheiten, die wir gestern gerade noch berührt haben, zu den sogenannten Gewalten, Exusiai, die wir auch nennen die Geister der Form. Da kommen wir allerdings zu Aufgaben, die schon über die Erde hinausgehen. Wir unterscheiden ja in der Menschheitsentwickelung eine Saturnentwickelung, eine Sonnenentwickelung, eine Monden-, eine Erden-, Jupiter-, Venus- und Vulkanentwickelung. Von dem allem, was innerhalb der Erde selbst geschieht, haben wir jetzt gesehen, daß es geregelt wird durch Engel für den einzelnen Menschen, durch Erzengel für den Zusammenhalt des einzelnen Menschen mit großen Menschenmassen; für die ganze Menschheitsentwickelung von der lemurischen Zeit bis hin in die Zeit, wo der Mensch wiederum so weit vergeistigt sein wird, daß er kaum noch der Erde angehört, wird alles geregelt durch die Geister der Persönlichkeit. Jetzt aber muß noch etwas anderes geregelt werden: Es muß die Menschheit von einem planetarischen Zustand zum andern geführt werden. Es müssen auch geistige Wesenheiten da sein, die während der ganzen Erdenentwickelung dafür sorgen, daß dann, wenn die Erdenentwickelung fertig sein wird, die Menschheit in der richtigen Weise wiederum durch ein Pralaya durchgehen kann und den Weg findet zum nächsten Ziel, zum Jupiterziel. Das sind die Gewalten oder Geister der Form. Wir haben gestern von oben herunter ihre Aufgabe charakterisiert, jetzt charakterisieren wir sie von unten hinauf. Diejenigen Geister, die dafür sorgen, daß sozusagen die ganze Menschheit von einem planetarischen Zustand zum andern geführt wird, das sind die Gewalten, Exusiai oder Geister der Form.
Düsseldorf, 15.Apr.1909/JU
aus «GA 110»; S.91ff