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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Hermann PFROGNER zum
URKLANG
Zu Anbeginn allen Seins steht für den Inder der Urklang der Welt¹, die Klangemanation eines Urtönenden, woraus alles geschaffen ist. Ihm einverwoben, erlebt sich der Urmensch, nach brahmanischem Schöpfungsbericht², als ein durchsichtiges, leuchtendes, tönendes, durch die Lüfte dahinschwebendes Wesen, das erst allmählich zur Erde herabsinkt, seine Durchsichtigkeit und Leuchtkraft einbüßt und als letzten Rest klingender Existenz seine Stimme behält. Die allen Lebewesen verfügbare Ursprache (»vâc«) war zunächst völlig unartikuliert, bis Indra, nach dem Genuß des Somatrankes, sie in vier Teile spaltete, wovon er den Insekten, Vögeln und den anderen Tieren drei Viertel zuwies; nur ein Viertel bekam der Mensch zugeteilt³.
¹ Sarngadeva (13.Jh.): Sangita-ratnakara (Ozean der Musik), I, 2; A.Bake: Indische Musik, MGG/VI, col.1169
² M.Schneider: Singende Steine, Kassel 1955, S.14
³ Shatapatha-Brahmana IV, I, 3, 16; M.Schneider, S.15; R.Steiner, 106/5.IX.1908, S.59
aus «Lebendige Tonwelt»; S.15
Zitat aus dem «Frühling und Herbst des Lü Pu We»¹
Zur Zeit der Heiligen, als höchste Vernunft auf Erden herrschte, war der Atem von Himmel und Erde im Einklang und erzeugte die Winde. Immer wenn die Sonne an einen bestimmten Punkt kam, so gab der Mond dem Wind einen Klang und auf diese Weise wurden die zwölf Ton-Arten erzeugt. Im mittleren Wintermond [Tse] ist der Tag am kürzesten, dadurch wurde Huang Tschung [F] erzeugt. Der letzte Wintermond [Tschou] erzeugte Ta Lü [Fis], der erste Frühlingsmond [Yin] erzeugte Tai Tsu [G], der mittlere Frühlingsmond [Mao] erzeugte Kin Tschung [Gis], der letzte Frühlingsmond [Tschen] erzeugte Ku Siän [A], der erste Sommermond [Si] erzeugte Tschung Lü [Ais]. Im mittleren Sommermond [Wu] ist der Tag am längsten, dadurch wurde Jui Pin [H] erzeugt. Der letzte Sommermond [We] erzeugte Lin Tschung [C], der erste Herbstmond [Schen] erzeugte J Tse [Cis], der mittlere Herbstmond [Yu] erzeugte Nan Lü [D], der letzte Herbstmond [Sü] erzeugte Wu J [Dis], der erste Wintermond [Hai] erzeugte Ying Tschung [E]. Wenn der Windatem von Himmel und Erde im rechten Verhältnis ist, so bestimmen sich die zwölf Ton-Arten.
¹ R.Wilhelm: Frühling und Herbst des Lü Pu We [um 240v], Jena 1928, Anmerkung zu Buch VI/2, S.70
aus «Lebendige Tonwelt»; S.49f