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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zu
URIEL und MICHAEL
Jetzt, für die Johannizeit, tritt uns, wenn ich es menschlich beschreibe - es ist natürlich das alles nur annähernd beschrieben -, es tritt uns sogleich ein außerordentlich ernstes Gesicht entgegen, ein ernstes Antlitz, das sich heraushebt wie warm leuchtend aus der allgemeinen leuchtenden Intelligenz.
Man hat die Impression, daß aus dieser leuchtenden Intelligenz sich diese Gestalt ihre Lichtleiblichkeit bildet. Und es muß so sein, damit diese Gestalt ihre Lichtleiblichkeit während der Hochsommerzeit bilden kann, das muß eintreten, was ich Ihnen beschrieben habe: daß die Elementargeister der Erdenwesen aufsteigen. Indem sie aufsteigen, verweben sie sich oben mit der leuchtenden Intelligenz. Diese leuchtende Intelligenz nimmt sie auf. Und aus dem, was da erglänzt, lichterglänzt in der leuchtenden Intelligenz, verleiblicht sich darinnen diese Gestalt, die ja auch von der alten instinktiven Hellseherkraft geahnt worden ist, und die wir mit demselben Namen noch bezeichnen können, mit dem sie damals benannt worden ist. Wir können also sagen: Zur Sommerzeit erscheint in der leuchtenden Intelligenz Uriel. [...]
Nun, die Taten, sage ich, dieses sich verkörpernden Weltenverstandes, dieser verkörperten kosmischen Intelligenz, sie sind Taten, die im Lichte gewoben werden. Sie bestehen darin, daß durch die Anziehungskraft, die in dieser konzentrierten Weltintelligenz Uriels liegt, die Silberkräfte ihren Weg hinauf nehmen, und daß im Lichte dieser auch innerlich leuchtenden Intelligenz, von der Erde aus gesehen, es erscheint wie das sich ausbreitende Sonnenlicht, das sich aber zum goldigen Scheine verdichtet. Und man hat unmittelbar das Gefühl: Jenes Silberige, das von unten nach oben strömt, wird aufgenommen von dem, was da sonnendurchleuchtet oben webt und lebt, und es wird das Erdensilber - es ist ein ganz richtiger Ausdruck, den ich jetzt gebrauche -, es wird das Erdensilber kosmisch-alchimistisch oben in das kosmische Gold verwandelt, das da oben webt und lebt. Und es ist ein fortwährendes Hinaufsprühen des Silberglänzenden, und oben ein fortwährendes Verwandeln des Silberglänzenden in Goldiges.
[...] Woher bekommt Michael, der dann überleitet zur Michaelizeit, zur Herbsteszeit, woher bekommt Michael seine eigentümliche Kleidung, die bald aufleuchtet im Sonnengold, bald innerlich erglänzt wie in einer innerhalb der goldenen Falten ersprießenden silberglänzenden Strahlung, woher ist dieses goldig gewobene, silbererglänzende Michael-Gewand? [...]
[...] Und auf diesen Kontrast der Naturkristallisation in ihrer regelmäßigen Schöne und der menschlichen sich darüber webenden Fehler ist der ernste Blick des Uriel gerichtet. Hier wird zur Hochsommerzeit durchschaut, was im Menschengeschlechte noch unvollkommen ist gegenüber den regelmäßig sich aufbauenden Kristallgestaltungen. Da ist es, wo man, ich möchte sagen, aus dem ernsten Blick des Uriel den Eindruck empfängt: Es verwebt sich Natürliches mit Moralischem. Da steht nicht bloß die moralische Weltordnung in uns selber wie abstrakte Impulse, sondern wir sehen jetzt, während wir sonst das Naturdasein anschauen und nicht fragen: Lebt im Pflanzenwuchs Moralität? Lebt in der Kristallisation Moralität?-, wie sich auch naturhaft zusammenweben in der Hochsommerzeit menschliche Fehler und regelmäßige, in sich konsequente, in sich konsolidierte Naturkristallisation.
Dagegen alles das, was menschliche Tugend, was menschliche Tüchtigkeit ist, das geht mit den silberglänzenden Linien nach oben und erscheint wie die einhüllenden Wolken des Uriel, tritt sozusagen als in Kunstwerke, in Wolkenplastik verwandelte menschliche Tugend in die leuchtende Intelligenz ein.
Man kann nicht bloß hinschauen auf das ernste, durch den Blick auf die Erdentiefen ernst werdende Antlitz-Auge des Uriel, sondern man kann auch hinschauen auf etwas, was, ich möchte sagen, wie flügelartige Arme oder armartige Flügel in ernster Mahnung da ist, und was gerade als Gebärde des Uriel wirkt, was in das Menschengeschlecht hineinleitet dasjenige, was ich nennen möchte das historische Gewissen.
Dornach, 12.Okt.1923/VE
aus «GA 229»; S.60ff