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Zitatensammlung
Teil 1
Zitate von Rudolf STEINER zu
PHANTOMEN, GESPENSTERN und DÄMONEN
Wenn wir den menschlichen Organismus im esoterischen Sinne studieren, so ist das nicht so einfach. So wie die Menschen heute sind, haben sie den physischen Leib, den Ätherleib, den Astralleib und das eigentliche Ich. Alle diese verschiedenen Leiber sind nicht allein für sich da, sie sind noch nicht selbständige Wesenheiten. Verzeihen Sie das unappetitliche Gleichnis, aber es macht die Sache etwas deutlicher. In allen diesen Leibern stecken mehr oder weniger fremdartige Wesenheiten, wie die Maden im Käse stecken. Aus und ein gehen diese verschiedenen Wesenheiten. Die Einflüsse, die der Mensch von außen erleidet, beruhen auf ganz anderen Wesen. Die Wesenheiten, die in den physischen Leib einziehen und ausziehen, nennt man Phantome. Dadurch wird der Mensch unfrei. Die Wesenheiten, welche den Ätherleib durchziehen, nennt man Gespenster oder Spektra. Und diejenigen Wesenheiten, welche den Astralleib durchziehen, nennt man Dämonen. Sie wissen, diejenigen Leute, welche nicht abergläubisch waren, aber etwas gewußt haben von diesen Dingen, kennen das. Was mit dem Ich zu tun hat, ist das, was man Geister nennt.
Wodurch wird nun der Mensch individuell? Dadurch, daß er sich reinigt. Am stärksten wird er gereinigt, indem er Genosse der geistigen Welt wird. Dann arbeitet er an dem Astralleib, damit er von den Dämonen frei wird. Wenn er an dem Ätherleib arbeitet, macht er sich frei von den Gespenstern oder Spektren. Arbeitet er an dem physischen Leib, so macht er sich frei von den Phantomen. Hat er dies geleistet, dann kehrt er zurück in das reine Göttliche. Dadurch hat er aber etwas gewonnen. Unfrei war er. Jetzt aber, nachdem er sich befreit hat, kehrt er als Freier in das Vaterhaus zurück. Die Berichte, die sich auf das Austreiben der Dämonen durch Christus beziehen, werden Sie so leichter verstehen.
Berlin, 27.Apr.1907/SA
aus «GA 96»; S.319f
So müssen Sie sich klar sein, daß Sie in Ihrem Leben geleitet werden von Mächten, die Sie selber nicht kennen. Was auf den Ätherleib wirkt, sind Formgebilde, die Sie selbst früher auf dem Astralplan hervorgebracht haben, und was Ihr Schicksal wirkt, sind Wesenheiten, Kräfte auf den höheren Partien des Devachan, die Sie selbst eingeschrieben haben in die Akasha-Chronik. Diese Kräfte oder Wesenheiten sind dem Okkultisten nicht unbekannt, sie sind ganz hineingestellt in die Rangordnung von ähnlichen Wesenheiten. Sie müssen sich klar sein, daß Sie sowohl im Astralleib als im Ätherleib und im physischen Leibe die Wirkungen überhaupt von anderen Wesenheiten verspüren. Alles, was Sie unwillkürlich tun, alles, wozu Sie gedrängt werden, geschieht durch die Wirkung von anderen Wesenheiten. Es geschieht nicht aus dem Nichts heraus. Die verschiedenen Glieder der Menschennatur sind fortwährend wirklich durchdrungen und angefüllt von anderen Wesenheiten, und der eingeweihte Lehrer läßt ein gut Teil der Übungen machen, um dieselben herauszutreiben, damit der Mensch immer freier und freier werde.
Man nennt die Wesenheiten, die den Astralleib durchsetzen und ihn unfrei machen, Dämonen. Fortwährend sind Sie in Ihrem Astralleib von solchen Dämonen durchdrungen, und die Wesenheiten, die Sie selbst durch Ihre wahren oder falschen Gedanken erzeugen, sind solche, die sich nach und nach zu Dämonen auswachsen. Es gibt gute Dämonen, die von guten Gedanken ausgehen. Schlimme Gedanken aber, vor allem unwahre, lügnerische, erzeugen dämonische Gestalten der furchtbarsten und gräßlichsten Art, die den Astralleib, wenn man sich so ausdrücken darf, durchspicken. Ebenso durchsetzen den Ätherleib Wesenheiten, von denen sich der Mensch frei machen muß, das sind die Spektren oder Gespenster, und endlich gibt es solche, die den physischen Leib durchsetzen, das sind die Phantome. Außer diesen dreien gibt es noch andere Wesenheiten, die das Ich hin- und hertreiben, das sind die Geister, wie das Ich ja auch selbst Geist ist. Tatsächlich ist der Mensch der Hervorrufer von solchen Wesenheiten, die dann, wenn er auf die Erde herunterkommt, das innere und äußere Schicksal bestimmen. Dieselben beleben den Lebensgang so, daß Sie alles spüren, was Ihr Astralleib an Dämonen, Ihr Ätherleib an Gespenstern und Ihr physischer Leib an Phantomen hervorgebracht hat. Alles das hat eine Verwandtschaft zu Ihnen, es strebt zu Ihnen hin, wenn Sie wiederverkörpert werden.
Da sehen Sie, wie religiöse Urkunden diese Wahrheiten aussprechen. Wenn in der Bibel von der Austreibung von Dämonen die Rede ist, so ist das kein Abstraktum, sondern es ist wirklich und wörtlich zu verstehen. Was tat der Christus Jesus? Er heilte den von Dämonen Besessenen, er holte heraus aus dem astralischen Leibe die Dämonen. Das sind reale Vorgänge und es ist durchaus wörtlich zu nehmen. Auch Sokrates, dieser erleuchtete Geist, spricht von seinem Dämon, der in seinem Astralleibe wirkte. Das war ein guter Dämon; man muß sich unter Dämonen nicht nur schlechte Wesenheiten vorstellen.
Aber es gibt auch furchtbare, verderbliche Dämonen. Alle Lügendämonen wirken so, wie wenn sie den Menschen zurückwürfen in der Entwickelung, und da in der Weltgeschichte bei den Lügen der großen Persönlichkeiten immer solche Lügendämonen geschaffen werden, die sich zu ganz gewaltigen Wesenheiten auswachsen, spricht man von den Geistern der Hemmnisse oder Hindernisse. In diesem Sinne sagt Faust zu Mephisto: «Der Vater bist du aller Hindernisse!»
Der einzelne Mensch, so wie er eingesponnen ist in die ganze übrige Menschheit, wirkt dadurch, daß er die Wahrheit spricht oder lügt, auf die ganze Welt zurück, denn ob er Wahrheits- oder Lügendämonen erzeugt, hat seine ganz verschiedenen Wirkungen. Denken Sie sich ein Volk, das aus lauter Lügnern bestände. Sie würden den Astralplan mit lauter Lügendämonen bevölkern, und diese können sich wiederum in der physischen Disposition zu Epidemien äußern. So gibt es eine gewisse Form von Bazillen als Träger von Infektionskrankheiten, die von den Lügen der Menschheit herstammen. Sie sind nichts anderes als physisch verkörperte Lügendämonen. Da sehen Sie, daß die Lügen der Vorzeit im Weltenkarma in einem bestimmten Heer von Wesenheiten auftreten. Wieviel Wahres Mythen und Sagen enthalten, sehen Sie an einer Stelle im «Faust». Da finden Sie einen Zusammenhang zwischen Ungeziefer und Lügen, ebenfalls in der Rolle, die Ratten und Mäuse spielen, im Zusammenhange mit dem Lügengeist, Mephisto. In den Sagen erhalten sich oft wunderbare Zusammenhänge zwischen der geistigen und der physischen Welt.
München, 30.Mai 1907/JU
aus «GA 99»; S.70ff
Nicht bedacht wird zum Beispiel, daß das Aussprechen von Lügen und Unwahrhaftigkeiten, ja schon Unwahrhaftiges in den Lebensverhältnissen für den menschlichen physischen Leib richtige Wirkungen hat. Hellseherisch können wir folgendes erleben: Wenn der Mensch, sagen wir, eine Lüge begangen hat am Tage, so bleibt die Wirkung dieser Lüge innerhalb des physischen Leibes vorhanden und ist für das hellseherische Wahrnehmen zu sehen, während der Mensch schläft. Nehmen wir nun an, der Mensch sei überhaupt ein lügnerischer Mensch, er häufe die Lügen an. Dann hat er viele solcher Wirkungen in seinem physischen Leib. Das alles verhärtet sich in einer gewissen Weise in der Nacht, und dann geschieht etwas sehr Bedeutungsvolles. Diese Einschlüsse, diese Verhärtungen im physischen Leibe vertragen sich sehr schlecht mit jenen Wesenheiten, die in der Nacht vom physischen Leibe Besitz ergreifen müssen, die also, wie wir gesehen haben, von anderen Welten aus diejenigen Funktionen am physischen Leibe ausüben, die bei Tage astralischer Leib und Ich ausüben. Die Folge davon ist, daß im Verlaufe des Lebens durch einen solchen, man möchte sagen, von Lügen durchseuchten Leib Teile von jenen Wesenheiten abgeschnürt werden, die sich da während der Nacht in dem Menschen niederlassen. Da haben wir wiederum Abschnürungsprozesse. Diese führen dazu, daß, wenn der Mensch stirbt, sein physischer Leib nicht nur diejenigen Wege nimmt, die er im regelmäßigen Verlaufe des Werdens nehmen würde, sondern daß gewisse Wesenheiten übrig bleiben, die sozusagen durch die Wirkung des Lügens und Verleumdens im physischen Leibe erzeugt worden sind und aus der geistigen Welt abgeschnürt werden. Solche auf diesem Umwege abgeschnürte Wesenheiten schwirren nun auch in unserer Welt herum. Sie gehören zu derjenigen Klasse von Wesenheiten, die wir «Phantome» nennen. In ihnen haben wir eine gewisse Gruppe von Elementarwesenheiten, die mit unserem physischen Leib verwandt sind, unsichtbar zunächst für äußere physische Augen, die sich vermehren durch Lügen und Verleumdungen. Tatsächlich bevölkern Lügen und Verleumdungen unser Erdenrund mit solchen Phantomen. Auf diese Art lernen wir eine neue Klasse von Elementarwesen kennen.
Nun aber üben nicht nur Lügen und Verleumdungen, die in der Seele vorhanden sind, sondern auch andere Dinge des Seelenlebens ihre Wirkung auf die menschliche Leiblichkeit aus. Lügen und Verleumdungen sind es gerade, die so auf den physischen Leib wirken, daß sie ihn zum Abschnürer von Phantomen machen. Andere Dinge wieder sind es, die in ähnlicher Weise auf den Ätherleib wirken. Seien Sie nicht erstaunt über solche Erscheinungen des Seelenlebens, man muß im geistigen Leben die Dinge mit aller Ruhe auffassen können. Solche Tatsachen, die ihre schlimme Wirkung auf den Ätherleib haben, sind zum Beispiel schlechte Gesetze oder schlechte soziale Einrichtungen in irgendeiner Gemeinschaft. Alles, was zum Beispiel zum Unfrieden führt, was überhaupt an schlechten Einrichtungen da von Mensch zu Mensch spielt, wirkt durch die Stimmung, die es durch das Zusammenleben der Menschen erzeugt, so, daß sich die Wirkung fortsetzt bis in den Ätherleib. Und was da im Ätherleibe sich ansammelt durch die Wirkung von solchen Seelentatsachen, liefert wiederum Abschnürungen von diesen geistig hereinwirkenden Wesenheiten, die sich nun ebenfalls in unserer Umgebung befinden. Man nennt sie «Spektren», im Deutschen würde man sagen «Gespenster». Diese Wesenheiten, die in der Ätherwelt, in der Lebenswelt vorhanden sind, sehen wir wiederum herauswachsen aus dem Leben der Menschen. So kann mancher unter uns herumgehen, und sein physischer Leib ist für den, der geistig diese Dinge zu erkennen vermag, gespickt, dürfen wir sagen, mit Phantomen, sein Ätherleib gespickt mit Spektren oder Gespenstern; und alles das stiebt sozusagen in der Regel auseinander und bevölkert die Welt nach dem Tode des Menschen oder einige Zeit hinterher.
So sehen wir, wie fein sich die geistigen Ereignisse unseres Lebenswie Lügen, Verleumdungen, schlechte soziale Einrichtungen fortsetzen, und wie sie ihre Schöpfungen geistig zwischen uns hier ablagern auf unserem Erdenrund. Nun können Sie aber auch verstehen, daß wenn im normalen menschlichen Tagesleben physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zusammengehören, und sozusagen der physische Leib und der Ätherleib sogar andere Wesen in sich eindringen oder etwas mit sich tun lassen müssen, daß da auch der astralische Leib und das Ich nicht in dem normalen Zustand ihres gegenwärtigen Zyklus sind. Allerdings sind sie gegenüber dem physischen Leib und dem Ätherleib in einer etwas anderen Lage. Physischer Leib und Ätherleib haben, während der Mensch schläft, dasselbe Bewußtsein, welches die Pflanzen haben. Aber die Pflanzen haben dafür ihr Ich oben im Devachan. Daher müssen auch physischer Leib und Ätherleib des schlafenden Menschen von solchen Wesenheiten versorgt werden, die vom Devachan aus ihr Bewußtsein entfalten. Nun sind zwar der astralische Leib und das Ich des Menschen um eine Welt höher; aber der Mensch schläft ja auch traumlos wie die Pflanzen. Daß die Pflanzen nur physischen Leib und Ätherleib haben, und der Mensch im schlafenden Zustand noch astralischen Leib und Ich, das macht in bezug auf die Pflanzennatur keinen Unterschied. Zwar ist der Mensch hinaufgerückt in die geistige Welt, in die astralische Welt; aber er ist doch nicht so weit hinaufgerückt mit seinem Ich, daß es sich nicht rechtfertigen würde, daß er schläft. Die Folge davon ist nun, daß auch beim schlafenden Menschen in den astralischen Leib Wesenheiten eindringen müssen. Und so ist es auch: in den astralischen Leib des Menschen dringen fortwährend Einflüsse ein aus der devachanischen Welt. Diese Einflüsse brauchen durchaus keine abnormen zu sein, sie können Einflüsse sein von dem, was wir des Menschen höheres Ich nennen. Denn der Mensch lebt sich ja allmählich hinauf in die devachanische Welt, indem er immer mehr seiner Vergeistigung entgegengeht; und was sich da vorbereitet, das beeinflußt ihn heute schon während des schlafenden Zustandes.
Nun gibt es aber nicht bloß diese normalen Einflüsse. So würde es einzig und allein sein, wenn die Menschen untereinander vollkommen verstehen würden, was Schätzung und Würdigung der Freiheit der Seele des anderen ist. Davon ist aber die gegenwärtige Menschheit noch sehr weit entfernt. Denken Sie nur einmal daran, wie die heutige Seele noch zum größten Teil die Mitseele überwältigen will, wie sie nicht leiden kann, wenn die andere Seele etwas anderes denkt und liebt, wie die eine Seele die andere überwältigen und auf sie wirken will. Bei alledem, was von Seele zu Seele wirkt in unserer Welt, von dem ungerechtfertigten Ratschluß, den man gibt, bis zu all jenen Wirkungsmitteln, die die Menschen anwenden, um Seelen zu überwältigen, bei alledem, was nicht so wirkt, daß die freie Seele der freien Seele gegenübersteht, sondern, und sei es auch nur in geringster Weise, Zwangsmittel der Überzeugung, Zwangsmittel der Überredung angewendet werden, wo nicht bloß geweckt werden soll, was in der anderen Seele schon schlummert, überall da wirken von Menschenseele zu Menschenseele Kräfte, die wiederum diese Seelen so beeinflussen, daß sich das in der Nacht im astralischen Leibe ausdrückt. Der astralische Leib bekommt Einschlüsse, und dadurch werden Wesenheiten abgeschnürt aus anderen Welten, die jetzt wiederum als Elementarwesen unsere Welt durchschwirren. Diese Wesenheiten gehören zur Klasse der «Dämonen». Sie sind nur dadurch in unserer Welt vorhanden, daß in ihr auf die verschiedenste Weise Intoleranz des Gedankens, Vergewaltigung des Gedankens geübt worden ist. Das Heer dieser Dämonen ist auf diese Art in unsere Welt hineingekommen.
So haben wir heute wiederum Wesenheiten kennengelernt, die da sind, so wahr wie diejenigen Dinge da sind, die man durch physische Sinne wahrnimmt, und die ihre Wirkungen sehr wohl im Menschenleben äußern. Ganz anders würde zum Beispiel die Menschheit fortgeschritten sein, wenn die Menschen nicht durch Intoleranz diese Dämonen schaffen würden, die unsere Welt durchsetzen und auf die Menschen fortwährend Einflüsse ausüben. Die sind zu gleicher Zeit die Geister der Vorurteile. So versteht man das Leben in seinen Feinheiten dadurch, daß man diese Verstrickungen zwischen geistiger Welt im höheren Sinne und unserer menschlichen Welt kennenlernt. Alle diese Wesenheiten sind, wie gesagt, da, und sie durchschwirren die Welt, in der wir leben.
Berlin, 4.Jun.1908/JU
aus «GA 102»; S.206ff
Was ist nun damals eigentlich geschehen? In jener Zeit geschah das, was man nennen kann: die Krisis der Dämonenwelt. Was ist das? Wir wissen, daß in früheren Zeiten die Menschen ein primitives Hellsehen besaßen. Das wurde dann immer schwächer und schwächer, bis es nahe zum Verlöschen kam. Die Sache ist nämlich so, daß die Menschen bis zu jenem Zeitpunkt hauptsächlich im Astralleibe lebten mit ihrem Bewußtsein, und nicht so sehr im Ich. Die Krisis wurde nun dadurch herbeigeführt, daß das alte Hellsehen sich immer mehr verdunkelt hatte. Daher konnte der Mensch nur noch in den untersten Regionen der geistigen Welt wahrnehmen. Das Ich lebte noch im Astralen; aber die Mächte, die das Ich wahrnehmen konnte, waren immer schlechter und schlechter, immer unreinlicher und unreinlicher geworden. Der Mensch hatte nicht mehr einen Blick auf die guten Mächte, sondern er sah bei seinem Ausblick ins Astralische nur noch diese bösartigen Wesenheiten. Die Heilung sollte kommen durch die Ich-Kultur. Der Anfang davon war das, was in der Johannestaufe im Jordan sich abspielte. Was erlebte ein solcher Mensch, der sich taufen ließ? Zuerst erlebte er die physische Prozedur des Untergetauchtwerdens in das Wasser und damit das Getrenntwerden des astralischen und Ätherleibes vom physischen Leibe. Dadurch konnte der Mensch sehen, wie eine Krisis in der Dämonenwelt ausbrechen mußte. Und die Täuflinge sagten sich: Wir müssen unsern Sinn ändern! Die Zeit muß kommen, wo der Geist unmittelbar ins Ich-Bewußtsein eindringen kann. Ein solcher Mensch fühlte: Oh, sie stecken noch alle in mir, diese gräßlichen astralischen Wesen, sie dringen fortwährend in mich hinein.
Es mußte etwas kommen, was über das Astralische hinausgeht, und das ist das Ich. Durch das Ich wird es möglich sein, daß sich rein menschliche Gemeinschaften bilden aus der Freiheit der Seele heraus, die nicht mehr an Blutsbande geknüpft sind. Stellen Sie sich nun einen solchen Menschen vor, besessen von Dämonen schlimmster Art, die wissen, daß eine Krisis für sie bevorsteht. Denken Sie sich, daß diesem Menschen eine Wesenheit gegenübertritt, die gerade die Mission hat, den Dämonen entgegenzuarbeiten. Wie müssen diese sich fühlen? Unbehaglich im höchsten Grade müssen sie sich fühlen! Unbehaglich fühlten sich die Dämonen dem Christus Jesus gegenüber.
Das Rosenkreuzertum hat in sich die Impulse, die entgegengestellt werden sollen den Dämonen. Das Ich soll durch diese Impulse wieder heraufgehoben werden. Nur ist es mit dieser Heraufhebung des Ich noch nicht weit gekommen.
Kassel, 27.Jan.1912/SA
aus «GA 130»; S.234f
Wir sehen ja, wie die realen Erkenntnisse der Menschen in bezug auf die Natur, in bezug auf das Wirken der geistigen Welt in der Natur im 11., 12., 13. Jahrhundert durchaus noch da sind. Wir können es selbst bei einer solchen Persönlichkeit wie Agrippa von Nettesheim, den ich ja dargestellt habe in meinem Buche über die Mystik, sehen, wie er durchaus noch eine Erkenntnis davon hat, daß zum Beispiel in den Planeten unseres Planetensystems in ganz bestimmter Weise geartete geistige Wesenheiten vorhanden sind. Agrippa von Nettesheim führt in seinen Schriften für jeden einzelnen Planeten dasjenige an, was er die Intelligenz des Planeten nennt, und dann dasjenige, was er den Dämon des Planeten nennt. Das weist hin auf Traditionen, die aus alten Zeiten damals noch durchaus vorhanden waren, die aber eben auch in dieser Zeit nicht bloße Traditionen waren. Das Hinaufschauen zu einem Planeten in dem Sinne, wie es die spätere Astronomie getan hat und noch heute tut, das wäre einem solchen Geiste wie Agrippa von Nettesheim noch ganz und gar unmöglich gewesen. Der äußere Planet, überhaupt der äußere Stern war nur etwas wie eine Ankündigung für geistige Wesenheiten, auf die der Seelenblick fiel, wenn man in der Richtung des Sternes sah. Und er wußte, daß die Wesenheiten, die mit den einzelnen Gestirnen verbunden sind, solche sind, welche das innere Dasein des Planeten regeln, aber auch die Bewegungen des Planeten im Weltenall regeln, welche die ganze Tätigkeit eines Gestirnes regeln und so weiter. Und solche Wesenheiten faßte er zusammen unter dem Namen Intelligenz des Gestirnes.
Aber er wußte auch, wie aus dem Gestirn heraus und in dasselbe hineinwirken hemmende, man möchte sagen, die guten Taten des Gestirnes untergrabende Wesenheiten. Die faßte er zusammen unter dem Namen des Dämons des Gestirnes. Solch eine Erkenntnis war aber durchaus in der damaligen Zeit damit verbunden, daß auch die Erde als ein solcher Weltenkörper aufgefaßt worden ist, der seine Intelligenz und der seinen Dämon hat. Aber gerade das Wesentliche, das mit dieser Auffassung von der Gestirn-Intelligenz und von der Gestirn-Dämonologie verbunden war, ging ja ganz und gar verloren, denn es drückte sich dieses Wesentliche gerade in dem Folgenden aus.
Die Erde betrachtete man natürlich auch als in ihrer inneren Tätigkeit, in ihrer Bewegung im Kosmos geregelt durch eine Summe von Intelligenzen, die man zusammenfassen konnte unter der Intelligenz des Erdengestirns. Aber was war für diese Persönlichkeiten noch die Intelligenz des Erdengestirns? Es ist heute ja außerordentlich schwer, überhaupt von diesen Dingen noch zu reden, weil die Vorstellungen der Menschen so weit weggegangen sind von dem, was in der damaligen Zeit wie etwas Selbstverständliches galt für die einsichtigen Menschen. Die Intelligenz des Erdengestirns war der Mensch als solcher. Man sah den Menschen an als dasjenige Wesen, welches von der Weltengeistigkeit die Aufgabe erhalten hat, nicht etwa bloß, wie der heutige Mensch meint, auf der Erde herumzugehen oder mit der Eisenbahn herumzufahren, Waren einzukaufen und zu verkaufen, Bücher zu schreiben und dergleichen, sondern man faßte den Menschen so auf, daß er von der Weltengeistigkeit die Aufgabe erhalten hat, in alles das, was sich bezieht auf die Stellung der Erde im Kosmos, regelnd, ordnend, gesetzmäßig einzugreifen. Den Menschen faßte man so auf, daß man sagte: Er gibt der Erde durch dasjenige, was er ist, durch die Kräfte, die er innerhalb seines Wesens birgt, den Impuls zu ihrer Bewegung um die Sonne, zu ihrer Bewegung weiter im Weltenraume.
Es kommt zum Beispiel heute noch vor, daß man diese oder jene Persönlichkeit einmal zum Sprechen bekommt, sagen wir - ich erzähle Tatsachen -, man kommt in ein Gespräch mit dieser oder jener Persönlichkeit, die tiefer nachgedacht, nachgesonnen hat, auch sich tiefere Erkenntnisse erworben hat über das oder jenes auf geistigem Felde; man kommt ins Gespräch, ob denn der Mensch heute, so wie er auf der Erde steht, eigentlich ein in sich geschlossenes, sein Wesen in sich tragendes Geschöpf sei. Und da sagen einem dann solche Persönlichkeiten: Das kann er nicht sein. Der Mensch müsse eigentlich - sonst könne er nicht das Streben in sich haben, das er nun einmal hat, sonst könne er in seinen höchsten Exemplaren nicht den großen Idealismus entfalten, den er oftmals entfaltet-, der Mensch müsse eigentlich seiner Natur nach ein umfassendes Wesen sein, das aber irgendwie eine kosmische Sünde auf sich geladen hat, durch die er beschränkt worden ist in das heutige irdische Dasein herein, so daß er heute eigentlich wie in einem Käfig sitzt.
Gewiß, diese Anschauung trifft man noch da oder dort als Nachzügler jener alten Anschauung. Aber im ganzen und großen, wo ist es denn, daß sich diejenigen, die sich heute für Wissenschafter halten, überhaupt im Ernste mit diesen umfassenden Fragen beschäftigen, die aber doch schließlich das einzige sind, was den Menschen wirklich zu einem menschenwürdigen Dasein bringen kann?
Und so war es schon so, daß der Mensch einst als der Träger der Intelligenz der Erde angesehen wurde. Aber auch der Erde schrieb eine solche Persönlichkeit wie Agrippa von Nettesheim einen Dämon zu. Nun, dieser Dämon des Irdischen, er ist eigentlich, wenn wir in das 12., 13. Jahrhundert noch zurückgehen, ein Wesen, das so, wie es geworden ist, auf der Erde hat nur werden können, weil es eben in den Menschen die Werkzeuge gefunden hat zu seinem Wirken.
weiter
Dornach, 11.Jan.1924/VE
aus «GA 233a»; S.55ff