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Zitatensammlung
Teil 2
oser la rose
Zitat von Roland EDIGHOFFER zum
ROSENKREUZERTUM
„Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?” Goethe stellte diese Frage in einem esoterischen Gedicht über das Rosenkreuz, dem er den Titel Die Geheimnisse gab, und dieses Werk ist nicht von ungefähr unvollendet geblieben. Denn das Rosenkreuz ist in erster Linie eine rätselhafte Erscheinung. Die Confessio Fraternitatis, ein um 1615 ohne Verfassernamen erschienenes Manifest, präzisiert, daß der Zugang zu den Rosenkreuzern nur durch Gottes Gnade möglich sei: „... ob wir wohl die ganze Welt reich und gelehrt machen und von unzähligem Jammer erledigen können, mögen wir doch keinem Menschen ohne Gottes sonderbare Schickung nimmermehr offenbar und bekannt werden.” Trotz dieses Verweises auf den Gnadenweg stellt sich für die Forschung die Frage nach der Erschließung der verborgenen Sinngehalte des Rosenkreuzes. Sie können in drei Kategorien eingeteilt werden. [...]:
Das erste Rätsel betrifft die Entstehungsgeschichte des älteren Rosenkreuzertums, die zugleich nachweisbar und nebelhaft [a] ist. Sie kann einerseits genau untersucht werden und ist in einem wohlbekannten geistesgeschichtlichen Zusammenhang angesiedelt. Aber sie ist andererseits in einer uralten Tradition verankert, die bis in das Altertum zurückgeht, und bei Vorgängern spürbar, die manchmal als Mitglieder einer legendären rosenkreuzerischen Geheimgesellschaft betrachtet wurden.
Das zweite Rätsel bezieht sich auf die Verfasser der ersten Rosenkreuzer-Schriften, die zugleich bekannt sind und teilweise verborgen bleiben. Die Quellenforschung ergibt wesentliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Urschriften und besonders zwischen den zahlreichen Lobschriften oder Pamphleten, die auf die Urschriften folgten und von dem damaligen Erfolg der Rosenkreuzer zeugen.
Das dritte Rätsel betrifft die Rezeptionsgeschichte der Rosenkreuzer bis zum 20. Jahrhundert, die zugleich kollektiv und individuell ist. Sie ist kollektiv in dem Sinne, daß seit dem 18. Jahrhundert die rosenkreuzerischen Geheimgesellschaften florierten, und noch heutzutage das Rosenkreuz unter verschiedenen Formen und Bezeichnungen weiterlebt. [...] Aber die Rezeptionsgeschichte ist auch individuell, insofern sie jeden Menschen auffordert, das Schicksal der ganzen Menschheit in der Tiefe seiner eigenen Seele zu entdecken. Das immer wieder auflebende Interesse an dem Rosenkreuz hängt nämlich damit zusammen, daß es Motive und Inhalte berührt, die dem unerschöpflichen Material an uraltem Wissen um die Zusammenhänge zwischen Gott, Mensch und Kosmos entsprechen, das zu allen Zeiten in der Psyche aller Völker enthalten ist und sich in Symbolen und Mythen herauskristallisiert. [... b]
aus «Die Rosenkreuzer»; S.9f
a] vgl. R.Steiners Vortrag vom 27.IX.1911
b] vgl. Novalis: „Einem gelang es