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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Emil BOCK zu
FRAUEN IM STAMMBAUM JESU
An vier Stellen gibt die Geschlechtertafel [Mt.1,1-17] mehr, als man zunächst in ihr sucht. Sie nennt da den Namen der Frauen neben denen der Männer. Es werden genannt
Thamar, das Weib des Juda
Rahab, die Mutter des Boas
Ruth, das Weib des Boas
Das Weib des Uria, Bathseba, das Weib des David.
Zunächst kann man noch denken, daß diese ausnahmsweise Nennung der Mütter nichts Besonderes auf sich habe. Dann aber sind es zwei Beobachtungen, die erkennen lassen, daß auch hier das Evangelium nichts Zufälliges enthält, daß im Gegenteil die Nennung der vier Frauen in verschwiegener, unauffälliger Art auf Geheimnisse hinweisen soll, die in direkter Art gar nicht anzusprechen sind.
Die erste Beobachtung zeigt eine innere Zusammengehörigkeit der Gestalten und Bilder, die durch die vier Namen aufsteigen: Thamar macht sich zur Hure gegenüber Juda; Rahab ist die Hure in Jericho, bei der die beiden Kundschafter Josuas einkehren und Zuflucht finden; Ruth ist die junge Moabiterin, die, um dem verstorbenen Gatten Nachkommen zu erwecken, sich auf der Korntenne in Bethlehem geschmückt dem schlafenden Boas zu Füßen legt; Bathseba ist die Gattin des Uria, mit der David die Ehe bricht und die dann die Mutter des Salomo wird.
Es ist notwendig, bei der Betrachtung der um diese vier Namen gruppierten Erzählungen von moralischen Wertempfindungen und Urteilen, die allzuleicht Vorurteile sind, abzusehen und ganz rein im Anschauen der Bilder zu verharren, die sich da vor unseren Blick stellen. Es muß aber erstaunlich sein, daß gerade diese vier Frauennamen in der Ahnenreihe Jesu genannt sind. Durch eine vorschnelle moralische Wertung könnte die Frage aufgeworfen werden, warum Jesus aus einer so fragwürdigen Linie stamme.
Wem es gelingt, einfach anschauend, wie in einem weisheitsvollen Buch von Bildern blätternd, das Geschlechtsregister des Matthäus-Evangeliums zu lesen, der kommt dann auf die zweite Beobachtung, die ihm zeigt, daß die Nennung der vier Frauennamen nicht zufällig, sondern bedeutungsvoll ist. Er fragt sich: Ist denn nicht der Name der Maria der fünfte Name in dieser Reihe? Und ist nicht vielleicht die Nennung der vier Frauen des Alten Testamentes, so seltsam dieser Gedanke zunächst auch erscheinen mag, eine stille und doch sprechende Geste, mit der das Evangelium auf eine Seite des Marien-Geheimnisses hindeutet? Will es nicht dadurch vielleicht ein Licht fallen lassen auf das Rätsel der jungfräulichen Geburt?
Das ganze 1.Kapitel beginnt, dem, der mit diesen Fragen an es herantritt, seinen inneren seelenhaften Zusammenhang, seine Figur und sein Antlitz zu enthüllen. Aus dem ersten Teil, der zunächst nur wie eine trockene Liste von Namen aussah, führt eine zarte goldene Brücke in den zweiten Teil hinüber, die von der Geburt Jesu erzählt. Das Thema des Ewig-Weiblichen ist angeschlagen, indem die Bilder von fünf Frauen aufsteigen, die mehr als bloß einzelne Personen sind, die Menschheits-Frauen, Repräsentanten der Frau sind. Die hoffende Vorahnung eines umfassenderen Verstehens wird lebendig gegenüber der uralten Frage der Jungfrauen-Geburt.
aus «Das Evangelium»; S.493f