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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Emil BOCK zu
JACHIN und BOAS
Hieram ist vor allem der Schöpfer der beiden Säulen Jachin [יקם] und Boas [בעז], die zu beiden Seiten des Tempeleingangs ihre Stätte finden,[1.Reg.7,15-22] und des gewaltigen, lilienförmigen, auf zwölf Stiergestalten ruhenden »ehernen Meeres«, das südlich vom Heiligtum zwischen Palast und Tempel errichtet werden soll.
Die Hieram-Zeichen sind nicht wie das Tempelinnere den Blicken des Volkes entzogen. Sie sollen sich wie mächtige Siegel auch in die Seelen derer prägen, die nur ein dunkles, empfindungsmäßiges Ahnen damit verbinden können. Bilder, die auf Fernzukünftiges deuten, sollen an der Seele des Volkes so bilden, daß auch dadurch dem zur Erde herniedersteigenden Gotteswesen der Weg bereitet wird.
In den beiden ehernen Säulen an der Tempelpforte fügt sich der salomonischen Symbolik das Mysterienzeichen der Weltenzweiheit ein, wie es in den Mysterienstätten des vorderen Orientes oftmals anzutreffen war. So berichtet uns Herodot, daß er an dem Herakles-Tempel im phönizischen Tyrus zwei Säulen gesehen hat, die, polarisch gestaltet, Tag und Nacht leuchteten, die eine durch ihren Goldglanz am Tage, die andere durch ihr Phosphoreszieren des Nachts: »Es waren dort zwei Säulen, die eine von lauterem Golde und die andere wie von Smaragden, die des Nachts stark leuchteten.«⁴⁴
Jachin müssen wir uns aus hell strahlenden Metallen, Boas dunkel und ernst, aber des Nachts leuchtend, vorstellen. Jachin war licht wie der Tag, Boas stimmte geheimnisvoll wie die Nacht mit ihrem Glanz. Jachin ist die Säule der Geburt und des Lebens; Boas die des Todes. Bildeten zwei so mächtig wirkende, aus Erz gegossene Säulen zusammen ein Tor, so mußten sie aus tiefen Seelengründen die Ahnung einer Kraft aufsteigen lassen, die über dem Gegensatze steht, die Weltenzweiheit zur göttlichen Einheit zusammenfassend. In weite, noch fernverschwimmende Zukünfte wies dies Torsymbol, auf ein Wesen deutend, das auferstehend über den Gegensatz von Tod und Leben erhaben ist und von sich sagen kann: Ich bin die Tür.[Jh.10,9]
44 Herodot, Annalen I, 2, 44.
aus «Könige und Propheten»; S.149f