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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Sigwart zum
HINABFLUG IN DIE URSTILLE
Der Führer nimmt unsere Hände, und nun gleiten wir fort aus dem physischen Bereich der Erde. Da sind es zuerst die Lichtschichten, von denen ich schon einmal sprach, und die zusammengeballten Gedankenbilder. Doch dieser Führer zeigt uns einen anderen Weg, den ich euch bisher noch nicht beschrieb. -
Es scheint abwärts zu gehen über Klippen und erschreckende Felsabgründe, deren Zacken drohend zu uns ihre Schroffen spreizen. An ihnen hängen Nebelschwaden, den Nebeln der Erde ähnlich. - Aus den Tiefen tönt es, aber es ist nicht Klang, es ist nur Laut, ohne den Schmelz des Tones. Dunkel und dräuender werden die kosmischen Wolkengebilde und dunkler der Abgrund, dem wir uns nahen.
Da gewahrt ihr, daß das Erschreckende, Chaotische mit der gleichen Schnelligkeit entweicht, mit der wir uns nähern. Die Spanne bleibt die gleiche. Wir sind im Bannkreis einer anderen Schöpfung angelangt und bleiben in dieser Entfernung getrennt von ihr, bis sich Fäden gesponnen haben, die eine Annäherung ermöglichen. Das dauert eine Zeit, denn wir sind, wenn auch in anderer Art als auf der Erde, so doch in Schichten eingedrungen, wo gewisse Begrenzungen noch wirken, ähnlich Zeit und Raum auf der physischen Erde.
Doch nun verkleinert sich der Abstand, die drohenden Schroffen verlieren einen Teil ihres furchteinflößenden Aussehens - es ist, als teilten sie sich, als wichen sie auseinander, - und wir senken uns ein in dieses dunkelbrauende Wolkenmeer wie in einen kosmischen Trichter. - Dann wird es heller - es dehnt sich der Raum -, wir gleiten in eine andere Schicht, die zuerst nur Licht-erfüllt ist - gelblich getönt und durchzogen von nebelartigen Dunstgebilden. Wir lassen uns nieder und verweilen in Schweigen. - Doch bald werden unsere Augen sehend. - Vor uns, unter uns, über uns dehnt sich das All - unermeßlich, unergründlich, unerfaßbar -
Ihr fühlt erschauernd die Leere dieser Leere! - die das Fundament zu allem großen Erschaffen sein muß.
In dieser Leere liegt die Urheimat der Stille, der Zeitlosigkeit, der Endlosigkeit. Es ist die Werkstatt der Gestaltung - nur der große, unsichtbare Gottesgedanke waltet hier! -
[...]
Das Urschweigen, die Urstille, breitet sich aus um uns! - Dann sehen wir, daß sich vor uns eine allmählich heller werdende kreisrunde Scheibe in Größe einer Sonne in der Weltraumleere abzeichnet. Wir warten ... da steigen innerhalb dieses Kreises zuerst matt, dann allmählich heller, deutlicher werdend, Kraft der Intensität unseres Verstehens, sonderbare Formen auf, die sich verändern, Farbe und Form wechseln, an Plastik zunehmen, an Tiefe und Farbe, - und nun Eigenbewegung und Eigenstrahlung erhalten. [...]
Dann teilt sich das Licht, durchdringt diese Formen und zieht sich wieder von ihnen zurück. - Das alles erleben wir in stummem Staunen, im offenen Hinnehmen der unendlichen Größe des Geschehens.
aus «Brücke über den Strom»; S.331FF