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Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
A B G R U N D
Abgrund bezeichnet 1. die unbegreifliche (chaotische) Einheit der Gottheit, 2. den undurchdringbaren Bereich des Bösen und 3. den raumzeitlosen Ort im Menschen. Auch ist Abgrund der symbolische Ausdruck für ein Dasein ohne Bezug zum manwantara (sanskr. ~ Lebenszyklus). Die Qabbalah spricht von der unbekannten Tiefe תהתם (TAHOM) zwischen den verschiedenen Welten, also der Unermesslichkeit zwischen den kosmischen Welten. Andererseits kann Abgrund den Zustand auf der untersten Ebene der Evolution des Geistes bezeichnen, zB. Abgrund der Materie jenseits allen Stoffes. Mechthild v.Magdeburg schaut im Abgrund den Höllenzustand, Schoss allen Übels. Meister Eckhart erklärt hingegen, dass Gott „im Meer seiner Grundlosigkeit” nicht erfasst werden könne, weshalb es der Offenbarung seines Abgrunds bedürfe. Tauler nennt Abgrund die nicht mehr auslotbare, von aller Kreatur freie Tiefe der Wirklichkeit; begäbe sich der Mensch demütig unter oder hinter die Schöpfung und sinke darob in den grundlosen Abgrund, dann bedeute dies, dass er darin Gott gleichkomme, da der Abgrund jeden Unterschied ausschliesse.
Abyssus (lat. ~ bodenloser Abgrund) bzw. η άβυσσος (he ábyssos ~ unendlich schwarzer Abgrund) nannte die klassische Antike das jenseits des ο βυσσός* (ho byssós ~ endlich ultramarinblaue Meerestiefe) Gelegene, in welchem Tiamat ihr bzw. Leviathan sein Unwesen treibt.
*) nicht zu verwechseln mit η βύσσος (he býssos ~ Byssus), das für feines, weisses Linnen steht (welches vom Erdboden gewonnen wird)
nach «Wörterbuch der Mystik»
In der Erlösung wird der Strahl des gedankenvollen Lichtes auf die noch nicht durchdrungene «untere Hälfte» des Schauplatzes der Schöpfung treffen, den Abgrund, in dessen Tiefe das gedankenlose Prinzip, das das gestaltlose ist, verharrt.
aus SCHOLEM, G.: «Von der mystischen Gestalt der Gottheit»; S.82
Der genannte Physiker hat nun die Prozesse durchdacht, die ablaufen würden, falls ein Stern großer Masse diese kritische Grenze unterschreiten sollte. Bemerkenswert ist, daß Strahlung, die ein solcher Stern emittiert, die Außenwelt nur so lange erreicht, bis der Radius etwa das 1,5fache der kritischen Grenze beträgt. Wird diese Grenze unterschritten, so kann überhaupt keine Strahlung mehr nach außen dringen. Die Anziehung der schnell kontrahierenden Masse ist so stark, daß die Bahnen der emittierten Photonen in die Masse zurückgebogen werden. Der genannte Prozeß soll äußerst schnell ablaufen, in Bruchteilen von Sekunden. Der entfernte Beobachter würde als Überrest des ehemaligen Sterns noch eine Photonenwolke sehen, die ausgestoßen wurde, als der Radius das 1,5fache des kritischen Radius betrug. Ein - freilich imaginärer - Beobachter an Ort und Stelle würde miterleben, wie die Schwerkraft »Materie und Photonen bis zur Unkenntlichkeit deformiert und aus dem Dasein quetscht« - ein einzigartiger Zustand, den man darum auch »Singularität« nennt. Es erscheint möglich, daß hier eine Grenze besteht, an der die uns bekannten Gesetze der Physik gewissermaßen außer Kraft treten. Man kann diese Singularität mit einer Falle vergleichen, in der das Raum-Zeit-Kontinuum sich in sich selbst zurückkrümmt.
aus STÖRIG, H.-J.: «Knaurs moderne Astronomie»; S.197