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Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Druide und Barde
Ein Druide („sehr weit Sehender”) war ein von Militärdienst und Steuerlast befreiter, jedoch dem jeweiligen Erzdruiden unterstellter „Wissender”, Arzt und Priester, der „die Sprache der Götter verstand”. Oft lebte er abgeschieden. Er betrachtete Natur und Sterne, um mit deren Wesen in Verbindung zu treten. Seine Aufgaben waren, den Kalender zu erstellen, Opferhandlungen zu leiten, zu weissagen, zu heilen und Hochrecht zu sprechen; im schlimmsten Fall konnte er ein Stammesmitglied vom Gottesdienst ausschliessen und damit bannen. Bei rechtmässiger Herrschaft wirkten D. und König ineinander.
Der D. lehrte die Unsterblichkeit des Geistes und eine daraus sich ergebende Moral wie Gesetzlichkeit. Er pflegte die Beziehung zu anderen Stämmen. Anlässlich der alljährlichen feierlichen Druiden-Versammlung im Wald der Carnuten (heute die Gegend von Chartres) wurden auch allgemein keltische Händel abgewickelt. Festländisches und inselkeltisches Druidentum stimmten nämlich in ihren Grundzügen überein, ebenso wie im Misstrauen gegenüber totem Buchstaben als Träger lebendigen Wortes.
Ein Barde (vgl. fili) war ein rangniederer Druide, eine Art Rabe, was dem Bären der nordischen Drotten entspricht. Rund zwei Jahrzehnte lang musste er das gesamte in Dichtungen überlieferte Wissen des Stammes und der Kelten überhaupt auswendiglernen. Das befähigte ihn erstens, die Jugend zu unterrichten, zweitens, die Erwachsenen durch gesanglichen Vortrag an Götter und Helden zu erinnern, und drittens, Alltagsrecht zu sprechen und Sanitätsdienste zu leisten. Durch seine intensive Schulung war er in der Lage, selbst zu dichten und dadurch dem Stammeswissen neue Inhalte einzufügen. Seine Tätigkeit brachte ihn mit allen sozialen Schichten in Berührung und konnte dazu führen, von Stamm zu Stamm zu wandern und so ebenfalls verbindend zu wirken.
nach «Lexikon der keltischen Mythologie»