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Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Schechina(h)
Schechinah (שחנה ~ das Wohnen), auch „heiliger Mond”, ist ein Ausdruck der jüdischen Theologie für die in der Welt irrende Einwohnung Gottes, Seine Gegenwart, die in der Bibel „Gottes Antlitz” (פנואל) genannt wird.
Im Sprachgebrauch der Qabbalah ist die S. das durch die Menschensünde verselbständigte weibliche Element Gottes, eine Komponente der Isis, also die irdische Weisheit. Als rein Empfangende hat sie nichts aus sich selbst. Sie geriet ins kosmische Exil und wurde zur Sklavin, ja zur Hure (זונה) - analog dem Schicksal Israels. Sinn der Erlösung ist demnach Gottes Wiedervereinigung mit seiner S.; im Sepher ha-Sohar wird ohne Umschweife von einem ἵερος γάμος (hieros gamos ~ heilige Hochzeit) gesprochen.
nach «Lexikon der Götter und Dämonen» u.a.
Im Unterschied zu den eben besprochenen Bildern nun deckt der in der talmudischen Literatur seit etwa dem ersten vor- oder nachchristlichen Jahrhundert ungemein verbreitete Terminus «Schechina» einen Sachverhalt, der wirklich in diesen Quellen eindeutig in die göttliche Sphäre führt. Das Wort kommt in der Bibel und der außerrabbinischen Literatur, trotz manchen mißglückten Versuchen, es in ihr, besonders in dem Neuen Testament, unter den Verkleidungen der Übersetzungen nachzuweisen, nicht vor, übrigens auch nicht in den neuentdeckten hebräischen Texten der Rollen vom Toten Meer, soweit sie bisher bekannt geworden sind. Das Wort wird in den Quellen ausschließlich vom «Wohnen» Gottes, nicht von beliebigem Wohnen, gebraucht. Es bedeutet nicht etwa den Platz, an dem Gott wohnt, wie manchmal erklärt wird - das wäre im Hebräischen Mischkan [משכן], ein im Alten Testament oft von der Wohnung Gottes im Stiftszelt oder im Tempel gebrauchter Ausdruck. Das «Wohnen» Gottes, seine Schechina im wörtlichen Verstand, bedeutet vielmehr seine sichtbare oder auch verborgene Anwesenheit an einem Platz, seine Gegenwart. Diese kann sich in einem überirdischen Lichtglanz manifestieren - von einem solchen Licht (Ziw [זב]) der Schechina ist oft die Rede. Sie kann unter Bildern beschrieben werden, so etwa, wenn die Rede ist von den «Flügeln der Schechina» [כנף השחנה], unter denen sich die Frommen oder die Proselyten bergen [vgl. Schutzmantelmadonna], oder von dem «Antlitz der Schechina» [פנם השחנה], das sie schauen, oder den «Füßen der Schechina» [רנלים השחנה], die, wer eine Sünde im geheimen begeht, aus der Welt gleichsam verdrängt. Sie kann aber auch ohne jede ausdrückliche Manifestation einfach nichts weiter sein als eben die pure Anwesenheit Gottes und das Bewußtsein von seiner Präsenz.
aus SCHOLEM, G.: «Von der mystischen Gestalt der Gottheit»; S.142f