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Schlafentzug
Es ist erwiesen, daß während des Schlafes nicht nur physiologische Erneuerungsprozesse ablaufen, daß also nicht nur der Körper von diesem Zustand profitiert. Auch unsere Psyche scheint Schlaf dringend nötig zu haben, insbesondere den Schlaf, in dem sie besonders angestrengt ist, also den paradoxen oder REM[a]-Schlaf.
Es hat Experimente gegeben, in denen freiwilligen Versuchspersonen der REM-Schlaf dadurch entzogen wurde, daß man sie immer dann sofort weckte, wenn das EEG (Elektro-Enzephalo-Gramm), das die Hirnströme mißt und aufzeichnet,[b] und das EOG (Elektro-Okulo-Gramm), das die Augenbewegungen mißt und aufzeichnet, eine REM-Phase anzeigten. Man hinderte sie sozusagen nur am Träumen und kaum am Schlafen. Solche Versuche hatten zur Folge, daß die REM-Phasen dieser Schläfer äußerst schnell in ihrer Häufigkeit zunahmen. Nach ungefähr zehn Nächten hatte sich die Häufigkeit so weit gesteigert, daß die Versuchspersonen nach dem Weckreiz wieder direkt in den REM-Schlaf fielen. Ganz gleich, wann man solche Experimente abbricht, ob schon nach wenigen Tagen oder erst nach einiger Zeit, in den darauffolgenden Nächten wird der verlorene REM-Schlaf nachgeholt. In diesen Erholungsnächten kann der Anteil des REM-Schlafs bis auf 40% der gesamten Schlafdauer ansteigen.
Völliger Schlafentzug über einen längeren Zeitraum ist übrigens nicht ungefährlich. Schon nach 60 Stunden kommt es zu Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Die Opfer einer solchen Behandlung hören und sehen Dinge, die nicht in ihrer Umwelt vorhanden sind, die ihnen lediglich ihr geschundenes Gehirn vorgaukelt. Die Wahnvorstellungen sind meistens mit Verfolgungsphantasien verbunden.[c]
Kurz, ein von Schlafentzug Betroffener zeigt Symptome, die es jedem Arzt erlauben würden, ihn in ein psychiatrisches Krankenhaus einzuweisen.[d]
Die Personen, denen »nur« der REM-Schlaf entzogen wird (also nicht die sogenannten Non-REM-Träume), zeigen im Wachleben Symptome von Konzentrationsschwäche, leichter Ermüdbarkeit und Verlust des Erinnerungsvermögens, mitunter auch von starker Aggressivität, ja selbst Delirien wurden in diesem Zusammenhang schon beobachtet. Diese Symptome können nicht in erster Linie auf eine allgemeine Verminderung der gewohnten Schlafmenge zurückgeführt werden. Entzieht man nämlich einer Kontrollgruppe von anderen Schläfern dieselbe Schlafmenge, aber aus anderen Schlafphasen, dann zeigen diese im Wachleben ein völlig normales Verhalten. Es scheint also tatsächlich an den REM-Träumen zu liegen, ob und wie gut wir uns im Schlaf erholen. Alle Forschungsergebnisse machen also deutlich, daß Träume ein ganz wesentlicher Faktor unserer Psychohygiene und des Persönlichkeitswachstums sind. Selbst die perverse Anwendung dieser Forschungsergebnisse, die nach dem letzten Weltkrieg unter der Bezeichnung »Gehirnwäsche« bekannt wurde,[e] bestätigt diese Vermutung.
Paul Tholey
aus «Schöpferisch Träumen»; S.33ff
Unsere Anmerkungen
a] Rapid Eye Movement, also Schlafphase, während der sich die Augen hinter geschlossenen Lidern rasch hin und her bewegen
b] siehe MblB.F18
c] Paranoia kann jeweils dann entstehen, wenn ichfremde Wesen in die Wechselwirkung zwischen Lebendigem und Seelischem (vgl. Mbl.5) eingreifen, was bei mangelndem Schlaf durchaus geschieht.
d] wenn man ein solches überhaupt als "Krankenhaus" betrachten will und nicht als Verwahranstalt (Klapsmühle) für Individuen, die von den bestimmenden Teilen einer Gesellschaft unerwünscht sind
e] Im Unterschied zu antiken oder mittelalterlichen Folterpraktiken oder zu Waterboarding (USamerikanische Praxis durch Hervorrufen von Ertrinkungsängsten), die einzelne Seelenbereiche schockartig vom lebendigen Leib trennen, greift der Schlafentzug über Stunden, Tage und Wochen in die verschiedenen Seelenschichten ein, um diese dem fremden Willen zu erschliessen.