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Zitatensammlung
Teil 2
Zitate zu den
WISSENSARTEN
Der Schweizer Philosoph Karl Barth unterschied zwei Formen des Wissens: Dass man weiß, dass Aluminium die Wärme leitet, aber kaum den Strom, dass man den ATP-Stoffwechsel in der Zelle versteht und die Festigkeit der Metalle zu ordnen weiß, all das ist die Grundlage, um Maschinen und Medikamente herzustellen. Es ist «Verfügungswissen», weil es die Welt und ihren unermesslichen Reichtum an Dingen und Wesen verfügbar macht. Dieses Wissen ist das Werkzeug, um den Satz «Macht euch die Erde untertan» in einem Maß auszuschöpfen und dabei zugleich misszuverstehen, wie es keine andere Zeit getan hat. Doch es gibt noch ein anderes Wissen, das zwar auch zählt, aber nicht um der Anzahl willen, sondern um des Wesens willen. Dieses Wissen, das Barth das «Orientierungswissen» nennt, schenkt keine Macht, sondern Beziehung, es verleiht keine Dominanz, sondern Teilnahme und immer wieder die Empfindung, mit der jede Philosophie beginnt: staunen. Man staunt, dass es sieben Weltmeere sind wie auch sieben Farben, Töne und Öffnungen im Kopf, und aus diesem sich wiederholendem Zahlenphänomen formt sich ein Bild, schält sich Schritt für Schritt der Wesenszug einer Zahl heraus. Das Wesen lässt sich - so ist seine Natur - nicht beweisen, es lässt sich aufspüren.
Wolfgang Held
aus «Alles ist Zahl»; S.12f
Die Wissenschaft verliert ihre Unschuld durch die schiere Macht des Möglichen. Sie verdrängt durch die überbetonte Beziehung von Wissen zur Macht, dass Wissen ja nicht nur zum Machen führt und so zur Macht verleitet, sondern dass Wissen auch Einsicht eröffnet und damit Orientierung geben und letztlich Brücken zur Weisheit bauen kann. Wissen nur als Verfügungswissen betrachtet, ermöglicht Manipulation und stimuliert die Mächtigen, sich übermächtige Instrumente durch willfährige «erfinderische Zwerge» (Bertolt Brecht) anfertigen zu lassen.
Hans-Peter Dürr
aus «Warum es ums Ganze geht»; S.27