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Zitatensammlung
Teil 2
Zitate zur
MONDLANDUNG
Am 20. Juli 1969 begann nicht ein neues Zeitalter, sondern der Versuch, sich aus dem unbewältigten 20. Jahrhundert in den Himmel wegzustehlen. Nicht die menschliche Vernunft wurde bestätigt, sondern deren Ohnmacht. Es ist leichter, auf den Mond zu fliegen, als mit anderen Rassen friedlich zusammenzuleben, leichter, als eine wirkliche Demokratie und einen wirklichen Sozialismus durchzuführen, leichter, als den Hunger und die Unwissenheit zu besiegen, leichter, als den Vietnamkrieg zu vermeiden oder zu beenden, leichter, als den wirklichen Mörder eines Präsidenten zu finden, leichter, als zwischen den Arabern und den Juden und zwischen den Russen und den Chinesen Frieden zu stiften, leichter, als die Sahara zu bewässern, leichter, als den von einer kleinen weißen Volksgruppe besiedelten Kontinent Australien auch für andere Rassen zu öffnen, ja leichter, als das Zweistromland des Tigris und Euphrat wieder zu jener fruchtbaren Ebene zu machen, die es einst war.
Nicht der Mondflug ist das Schlimmste, er ist nichts als eines jener technischen Abenteuer, die durch die Anwendung von Wissenschaften immer wieder möglich werden: Schlimm ist die Illusion, die er erweckt. Ein neuer Kolumbus ist unmöglich, denn er entdeckte einen neuen Kontinent, der zu bevölkern war. Apollo 11 jedoch erreichte nichts, was der Erde entsprach, sie erreichte bloß die Wüste der Wüsten, den Mond. Wie weit wir auch unser Sonnensystem durchmessen, immer werden die Bedingungen auf den anderen Planeten so schlecht, so jämmerlich, so unmenschlich sein, daß diese Welten von der Erde aus nie besiedelt werden können. Mag es auch auf dem Mond oder auf dem Mars ein astronomisches Institut geben, mit einer künstlichen Atmosphäre (ich hoffe es), es zählt nichts gegenüber dem, was sich auf der Erde ereignen wird.
Friedrich Dürrenmatt
aus «Denken mit F.D.»; S.13f
Die bemannten Mondlandungen sind von der NASA längst wieder aufgegeben worden [bis auf weiteres]. Sie waren eine Sackgasse in den Kosmos hinein. Aber sie haben doch einen dauerhaften Ertrag gebracht, nicht als Schritt voran, sondern im Blick, der sich zurückwendet: Über dem toten Horizont des Mondes sahen die Astronauten inmitten eines schwarzen [allerdings sternübersäten] Himmels jene leuchtend blaue Kugel aufgehen, von der sie herkamen.[a] Das zärtliche Erschrecken über dieses Bild, in das sie einbeschrieben ist, hat die Menschheit seither nicht mehr verlassen: Wie lokal das Lebendige ist und wie lieblich ins Trostlose hinausgehalten! Wie das Baby des Weltalls erschien die blaue Sphäre und zugleich wie ein Schoß, der umschließt, worauf es wirklich ankommt.
Burkhard Müller
aus «Das Glück der Tiere»; S.13f
André: Weisst du, dass ein arabischer Schriftstellerverband empört dagegen protestiert hat, als der erste Mensch den Mond betreten hat? Sie haben es eine unverzeihliche Schändung des poetischen Objektes ihrer Literatur genannt.
Elisabeth: Ja, das stimmt, da hat man auch nicht herumzuspazieren. Man spaziert auch auf einem Heiligen nicht herum.
aus «Uhren gibt es nicht mehr»; S.107
a] Dieses Bild ist bereits literarisch vorausgeschaut worden, zB. vom Belgier Hergé in «On a marché sur la lune».