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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Robin SCHMIDT zum
MEISTERDILEMMA
Der spirituelle Meister, der bedingungslos für seine Mitmenschen da sein möchte, um deren geistige Selbständigkeit zu fördern, steht in einem kaum zu lösenden Paradox. Jede Tat, die er unternimmt, wird den Schülern zum Vorbild, das zur Nachahmung aufruft, jedes Wort, das er spricht, droht Dogma zu werden. Andererseits hieße Tatenlosigkeit und Schweigen für den Meister, seine Fähigkeiten denen zu entziehen, denen er sein Leben gewidmet hat. Der Meister steht so in dem dauernden Problem, dass er treue Gefolgschaft hervorruft oder, wenn er schweigt, an den Folgen der Unvollkommenheit der Handlungen der Schüler leidet, weil er sieht, wie es besser ginge. So wie der Spielende zwischen Selbstbestimmung und Empfänglichkeit balanciert, so der Meister zwischen Wirken und Schweigen.
aus «rudolf steiner»; S.93
Der so gewonnene Begriff der Menschenführerschaft kann nun in mancher Hinsicht erweitert werden. Man nehme an, ein Mensch habe Schüler gefunden, einige Leute, die sich zu ihm bekennen. Ein solcher wird durch echte Selbsterkenntnis leicht gewahr werden, daß ihm gerade die Tatsache, daß er Bekenner gefunden hat, das Gefühl gibt: was er zu sagen habe, rühre nicht von ihm her. Es sei vielmehr so, daß sich geistige Kräfte aus höheren Welten den Bekennern mitteilen wollen, und diese finden in dem Lehrer das geeignete Werkzeug, um sich zu offenbaren.
Einem solchen Menschen wird der Gedanke nahetreten: Als ich Kind war, habe ich an mir durch Kräfte gearbeitet, die aus der geistigen Welt hereinwirkten, und das, was ich jetzt als mein Bestes geben kann, muß auch aus höheren Welten hereinwirken; ich darf es nicht als meinem gewöhnlichen Bewußtsein angehörig betrachten. [...]
Rudolf Steiner
aus «Die geistige Führung ...»; S.30f