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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Gerardus 'T HOOFT zum
FREIEN WILLEN
Ein zellulärer Automat ist ein klassisches Objekt und folgt damit nicht den Gesetzen der Quantenwelt. In den 1960er Jahren hat der Physiker John Bell allerdings bewiesen, dass es keine klassische Beschreibung der Quantenmechanik geben kann. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Viele Wissenschaftler führen diese so genannten No-go-Theoreme als ernste Herausforderung meines Modells an. Aus den Theoremen folgt, dass die Quantenmechanik nicht durch eine klassische Theorie beschrieben werden kann, die lokal ist. Damit ist gemeint, dass sich Information weder rückwärts in der Zeit noch schneller als mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten darf.
Die Theoreme setzen allerdings voraus, dass ein Beobachter einen freien Willen hat: Er muss beispielsweise frei entscheiden können, ob er den Impuls oder den Ort eines Teilchens messen will. Wenn das Universum aber ein zellulärer Automat ist, dann ist der Experimentator selbst auch ein Teil davon. Die Wahl seiner Messung ist durch den Automaten also schon festgelegt - aus diesem Grund lassen sich die No-go-Theoreme gar nicht auf mein Modell anwenden.
Sie glauben also nicht an den freien Willen?
Ich glaube, dass alle Naturgesetze vollkommen deterministisch sind. Nichts geschieht ohne Grund. Allerdings spielen dabei so viele Variablen eine Rolle, dass niemand sie jemals alle verstehen, geschweige denn kontrollieren kann. Darum gibt es in der Praxis überall so etwas wie einen freien Willen.
in »Spektrum der Wissenschaft« 12.2018; S.22f