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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Klaus HERBIG zu
STATISTIK und EINZELMENSCH
In seinem Vortragszyklus ›Apokalypse und Priesterwirken‹ beschreibt Rudolf Steiner gegen Ende, wie auf den Gebieten der Medizin, Psychologie und Theologie immer mehr Phänomene statistisch beurteilt werden, die eigentlich vor allem individuell am einzelnen Menschen betrachtet und verstanden werden müssten, und damit eine zutiefst unmenschliche Wirkensrichtung in diesen Gebieten um sich greife.² Heute ist diese statistische Betrachtungsweise in der Therapieforschung zum Standard erhoben worden. Eine gute neue Vorgehensweise auf dem Gebiete der Psychotherapie wird sich zumeist nur dann durchsetzen können, wenn sie in umfassenden Studien in vereinheitlichter Form statistisch geprüft wurde. Es werden dann therapeutische »Programme«. »Module« zur Verhaltensänderung oder - wie es z.B. beim EMDR, einer neueren innovativen Behandlungsmethode bei Traumafolgestörungen, heißt - das sogenannte »Standardprotokoll« zur Anwendung festgeschrieben.³ Die der statistischen Vorgehensweise zugrunde liegende Denkart zieht sich durch die Therapieausbildungen und Anerkennungsverfahren und »impft« den auszubildenden oder den Krankenkassen verpflichteten Therapeuten eine mehr oder weniger unterschwellige Angst ein, selber im Therapiegeschehen kreativ zu werden.
2 Vgl. Vortrag vom 22. September 1924 in ders.: ›Apokalypse und Priesterwirken‹ (GA 346), Dornach 2001.
3 Vgl. Francine Shapiro: ›EMDR - Grundlagen und Praxis, Handbuch zur Behandlung traumatisierter Menschen‹, Paderborn 1999.
in »die Drei« 1-2/2018; S.14f