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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Wolfgang HELD zum
ZEITLERNEN
«Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder.» 700 Jahre ist er alt, dieser Ausspruch von Dante Alighieri. Dreierlei zählt der italienische Dichter auf als göttlichen Proviant für den Abschied aus dem Paradies. Es sind drei Seiten einer Wegzehrung, die ein Ganzes meinen, denn alle drei adeln die Zeit.
Die Sterne zeigen die unverrückbare Ordnung der Dinge, die Ewigkeit der Zeit. Die Blumen stehen am anderen Ende der Vergänglichkeit, sie gelten dem Jetzt, dem Moment des Blühens - flüchtig und unkonservierbar. Die Gegenwart ist alles, davon erzählen die Blumen, die Blüten der Blumen. So wie die Sterne das Ewige auf den Thron heben, die Blumen die Gegenwart feiern, besingt die Schöpfung mit den Kindern mit deren ‹Sehnsucht nach Urheberschaft›, wie es Martin Buber nennt, ihrem ‹heiligen Ja-Sagen›, wie Friedrich Nietzsche sagt, das Werden der Zeit. Als Erwachsene versuchen wir so oft, ihr himmlisches Sosein in Schrift, Ton und Bild festzuhalten, und doch schreiten sie über jede dieser Kristallisationen weiter. So wie man von den Sternen das Unverrückbare verstehen lernen kann, von den Blumen die Einmaligkeit und Gunst des Augenblickes, sind es die Kinder, von denen wir die Liebe zum Werden erfahren und lernen können.
in »Das Goetheanum« 25·2014; S.16