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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Wolfgang HELD zum
RAND der WELT
1977 wurde die Sonde Voyager I losgeschickt. Beim Vorbeiflug an Jupiter und Saturn gewann sie in den 80er-Jahren weitere Fluchtgeschwindigkeit. Seitdem eilt sie mit 17 km pro Sekunde aus dem Sonnensystem. Am 14. Februar 1990 war ein besonderer Moment. Die Kamera der Sonde fotografierte ein Gruppenbild aller Planeten. Wenn auch nicht durch ein menschliches Auge, so war es doch das erste Mal, dass ein Blick auf das Sonnensystem von ‹Außen› geworfen wurde. Weil die Empfangstechnik auf der Erde immer besser wird, ist es möglich, die einzelnen Bytes, die mit der schwachen Plutoniumbatterie zur Erde gefunkt werden, noch immer zu empfangen. Zehn Jahre später war wieder ein wichtiger Zeitpunkt: Auf der Sonne gab es mächtige Eruptionen. Dieser sogenannte Sonnenwind wandert mit etwa 500 km pro Sekunde ins All. Er erreichte die Erde nach drei Tagen, die Sonde nach zwei Monaten. Der spiralig den Raum erfüllende Sonnenwind dehnt sich aus, bis er an die Grenzschicht zum interstellaren Raum stößt. Dort wurde die ‹Sonnenbö› reflektiert und kam erneut über die Sonde. So ließ sich die Größe des Sonnenraums berechnen: 15 Milliarden Kilometer. 2005 verließ die Sonde diese Sonnenwelt und stieß auf die mächtige Grenzschicht zur Sternenwelt, die Heliopause. In der astrophysikalischen Vorstellung ist es der siebte Leib der Sonne. Es beginnt mit dem Energiequell in deren Mitte, geht über eine Strahlungszone und einen Bereich fortwährend kreisend aufsteigender Substanz über Foto- und Chromosphäre, der transparenten Sonnenhaut und Korona, die nur bei einer Finsternis zu sehen ist. Dann folgt der feine Substanzkörper, die Heliosphäre. So leer und still dieser Raum ist, so bringt doch der Sonnenwind diese periphere Sonnenwelt fortwährend in Erregung. Die Sonde hat diese Sonnenwellen kürzlich als Geräusch zur Erde gefunkt. Naivität und Sehnsucht spiegelt sich in der Schallplatte an Bord mit Grüßen in 55 Sprachen, Musik aller Kulturen und Informationen zur Erde.
Technik dringt heute ins Kleinste und Größte vor. Sie zerrt die verborgenen Dimensionen jenseits der Wahrnehmungsschwelle mit irdischen Instrumenten in die menschliche Raumwelt. So wie man fragt, so antwortet die Welt. Hier bedeutet dies, dass diese Grenze der Sonnenwelt nur so in Erscheinung treten kann, wie sie von Maschinenaugen befragt wird. Dieser Sonnenblick gehört nun zur Wirklichkeit der Grenze von Sonnen- und Sternenwelt.
in »das Goetheanum« 43·2013; S.3