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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Johannes KIERSCH zur
ESOTERIK im MEDIENZEITALTER
Eine abschließende Bemerkung sei erlaubt. Das Umfeld aller esoterischen Arbeit in der anthroposophischen Bewegung hat sich seit Rudolf Steiners Zeiten stark verändert. Überall wird von Esoterik geredet. Welcher Ernst, welches Gewicht einst mit diesem Wort verbunden waren, ist in Vergessenheit geraten. Zugleich wird das seelische Leben der Gegenwart in den faszinierenden Raum der modernen Medienkultur gezogen. Über alles und jedes kann öffentlich geredet werden. Ist es unter diesen Rahmenbedingungen überhaupt noch möglich, geschützte Räume für esoterische Arbeit zu schaffen? Können wir endlich wieder - um ein Wort Rudolf Steiners aufzugreifen - «das Wahre behüten»? In den Karma-Vorträgen des Sommers 1924 sprach Rudolf Steiner über den Ursprung und die Wirkungsweise der Druckkunst. Was er da schildert, gilt heute, im Zeitalter des World Wide Web, mehr denn je. Wer Anthroposophie in der Welt vertreten und ausbreiten will, muss sich dieser Hilfsmittel bedienen, muss sie gleichsam ‹adeln›. Aber der regierende Zeitgeist - so Rudolf Steiner - ermahnt uns: «Das Wichtigste von Mund zu Ohr!»¹² Das gilt keineswegs nur für die Vermittlung der Klassentexte. Wer im Sinne Rudolf Steiners zusammen mit anderen esoterisch arbeiten will, wird sich klarzumachen haben, dass sein Wort, sobald es in den Druck oder in die Medien geht, nicht mehr esoterisch bleibt, auch wenn er von den heiligsten Dingen redet. Selbstverständlich müssen wir anthroposophische Ideen in der Öffentlichkeit wirksam vertreten, mit anthroposophischen Begriffen in die wissenschaftliche Diskussion eingreifen. Das geht nicht ohne die modernen Medien. Dort hat es aber immer nur vorbereitenden oder absichernden Charakter.
|¹² Vortrag vom 20.7.1924, GA 240.
in »Das Goetheanum« 47·2012; S.13