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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Dorian SCHMIDT zu
MEDITATION und INDIVIDUUM
[Hans-Christian Zehnter:] Ist es nicht ein Charakteristikum der Meditation, ein leeres Bewusstsein zu erzeugen, sich sozusagen mit seinem eigenen Willen zurückzuhalten, um einen Raum zu schaffen, in den dann anderes Geistiges, anderer Wille eintreten kann?
Dorian Schmidt: Das leere Bewusstsein ist für mich kein Kennzeichen der Meditation. Leeres Bewusstsein ist an und für sich nichts. Es bleibt eben wirklich leer, wenn es sich nicht auch einem Thema, einem Wesen zuwendet. Für mich besteht Meditation aus drei Phasen: erst Konzentration, dann Hingabe und danach die Verwandlung. Was ich für diese drei Phasen ins Bewusstsein nehme - ob im stillen Kämmerchen ein Mantram oder in der Natur eine Pflanze -, das hängt von meiner individuellen Suche ab und ist doch eine Sache der eigenen Biografie beziehungsweise der Strömung oder Schule, der ich einmal angehörte oder immer noch angehöre.
Wir sollten uns hier wie eigentlich überall von einem polaren zu einem triadischen Denken umgewöhnen. Wie zu Ursache und Wirkung als Drittes die Begegnung der beiden ‹Dinge› gehört, die in dieses Verhältnis eintreten, so gehört auch zur Meditation und dem Thema immer die jeweilige Individualität. Und da sollte ich mich als Meditant auch fragen können: Für welche Art von Antwort aus der geistigen Welt bin ich denn überhaupt bereit? Oder: Was darf ich überhaupt wissen, welche Tiefe von Erkenntnis kann ich denn ertragen, wie sind meine leibseitigen Bedingungen, auf welcher Ebene könnte eine Antwort überhaupt zu mir durchdringen?
Nochmals: Auch Konzentration, Hingabe und Verwandlung benötige ich bei jeder Kunstbetrachtung. Ist denn das schon Meditation? Braucht es nicht eine Blickwendung auf das Geistige? Wie findet diese durch die Meditation beziehungsweise in der Meditation statt?
Schmidt: Der größte Freind der echten Hingabe ist das genießende Schönheitsempfinden ...
aus »Das Goetheanum« 29·2010; S.7