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Zitatensammlung
Teil 5
Ausgewählte APHORISMEN und KURZZITATE
A1
Gewalttat -. Im Großen wie im Kleinen das bittere Paradox:
des Todes Sinn - und des Tötens Sinnlosigkeit.
Dag Hammarskjöld
aus «Zeichen am Weg»
A2
Gesicht und Seele sind wie Silbenmaß und Gedanken.
Georg Christoph Lichtenberg
aus «Aphorismen»; S.283
A3
Man kann nicht allein Dinge aus der Körperwelt transzendent machen, sondern auch Dinge aus der Geisterwelt retroszendent auf die Körperwelt zurück.
Georg Christoph Lichtenberg
aus «Aphorismen»; S.298
A4
Wenn sich mein Geist erhebt, fällt der Leib auf die Knie.
Georg Christoph Lichtenberg
aus «Aphorismen»; S.471
A5 Fragment B 34
Sie sind wie taub: hören, aber verstehen nicht. Der Spruch bezeugt's ihnen: Anwesende sind abwesend.
Herákleitos
aus «Fragmente»; S.15
A6 Fragment B 40, 41
Vielwisserei lehrt keine Vernunft; sonst hätte sie Hesiod belehrt und Pythagoras, auch Xenophanes und Hekataios. Denn das Weise ist das Eine: den einsichtsvollen Willen zu verstehen, der alles durch alles hindurchsteuert.
Herákleitos
aus «Fragmente»; S.17
A7 Fragment B 64, 64a, 65
Das Steuer des Alls aber führt der Blitz.
Das Feuer ist vernunftbegabt.
Das Feuer ist Darben und Sattheit.
Herákleitos
aus «Fragmente»; S.23
A8
Satz 7: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.
Ludwig Wittgenstein
aus «Tractatus logico-philosophicus»; S.115
A9
Eine einfache Geste, sogar ein Grunzen kann über die Zufriedenheit einiger Teilnehmer an einer Diskussion entscheiden, während andere lange und farbenreiche Arien brauchen, um überzeugt zu werden.
Paul K. Feyerabend
aus «Die Vernichtung der Vielfalt»; S.38
A10
Satz 5.1362: Die Willensfreiheit besteht darin, daß zukünftige Handlungen jetzt nicht gewußt werden können. Nur dann könnten wir sie wissen, wenn die Kausalität eine innere Notwendigkeit wäre, wie die des logischen Schlusses. - Der Zusammenhang von Wissen und Gewußtem ist der der logischen Notwendigkeit.
(„A weiß, daß p der Fall ist” ist sinnlos, wenn p eine Tautologie ist.)
Ludwig Wittgenstein
aus «Tractatus logico-philosophicus»; S.63
A11
Was auch immer die Form und der Name einer Regierung sein mag, Monarchie, Republik oder Demokratie, zu allen Zeiten lauert eine Oligarchie hinter der Fassade; und die römische Geschichte, die republikanische wie die kaiserliche, ist die Geschichte einer herrschenden Klasse.
Ronald Syme
aus «Die römische Revolution»; S.13
A12
Wahrheit entsteht, wenn sich ein Ich aufmacht zum Du; soll jedoch das Du gezwungen werden, wie das Ich zu werden, kehrt sich Wahrheit in Lüge.
Konstanze Brefin-Alt
in »Mitteilungen/Nouvelles/Notiziario« V/2006; S.5
A13
Das Omega bedarf einer Ausgestaltung.
Der Große
in «Mühlengespräche I»; S.76
A14
Undank ist verletzend, das ist wahr. Aber die Einforderung von Dankbarkeit ist der Tod jeder Beziehung. Wer Dankbarkeit einfordert, fordert Unterwerfung und verhindert damit, was er erwartet. Denn echte Dankbarkeit gibt es nur in Freiheit, in einer Beziehung wechselseitiger Anerkennung. Im Alltag wissen wir das. Wenn uns jemand dankt, sagen wir: „Keine Ursache”. Wir wehren den Dank ab. Oder sagen: „Gern geschehen”. Da steckt Weisheit drin.
Richard Schröder
in »Der Spiegel« 40/2006; S.51
A15
Wer schuld ist, interessiert mich nicht. Mich interessiert: Was können wir besser machen?
Joseph E. Stiglitz
in »profil« 47/2006; S.54
A16
Die Eins wird zu Zwei, die Zwei zu Drei, und aus dem Dritten wird das Eine als Viertes. [vgl. 1+2+3+4=10]
Maria Prophetissa
A17
Der Menschengeist ist der Widerspruch selber. In schrankenloser Ausschweifung lehnt man sich wütend gegen Gebote auf, und das Gesetz, dazu geschaffen, uns gerechter werden zu lassen, dient häufig nur dazu, uns schuldiger zu machen.
Charles Louis de Secondat baron de la Brède et de Montesquieu
aus «Lettres persanes»; 1721
A18 Fragment B 12
Steigen wir hinein in die gleichen Ströme, fließt andres und andres Wasser herzu. Auch Seelen dampfen herauf aus dem Feuchten.
Herákleitos
aus «Fragmente»; S.9
A19 Fragment B 80
Zu wissen aber tut not: Der Krieg führt zusammen, und Recht ist Streit, und alles Leben entsteht durch Streit und Notwendigkeit.
Herákleitos
aus «Fragmente»; S.27
A20
Alle diese Gegenstände haben mit Landschaftsorganisation und Landschaftsgrenzen zu tun. Es ist, als zöge man eine Frau an. Das Tuch auf einer Frau ist viel aussagekräftiger als die nackte Gestalt.
Christo Javacheff
aus «XTO + J-C»; S.116
A21
«Innerhalb des Lebens gibt es nur interpretierte Wirklichkeit; zwischen den Interpretationen hat man die Wahl, vielleicht nicht lange mehr. Man kann mit Liebe wählen.»
«Der Dichter sollte auch das Furchtbarste in die Gestalt zu bannen vermögen, denn nur die Gestalt kann sittlich überwunden werden, nicht das Wort, das zu jeder Widerlegung sich ohne Ende dialektisch verhält.»
«Die Probleme lösen sich nicht im Begriff, nur in der Gestalt.»
Hugo v.Hofmannsthal
in «Begegnungen»; S.118
A22
Dummes Zeug kann man viel hören, man kann es auch schreiben.
Wird weder Leib noch Seele stören. Es wird alles beim Alten bleiben.
Dummes aber vor's Auge gestellt hat ein magisches Recht,
weil es die Sinne gefesselt hält, bleibt der Geist ein Knecht.
Johann Wolfgang v.Goethe
aus »Zahme Xenien«
A23
Die beste Partei ist nichts als eine Art Verschwörung gegen den Staat.
Ronald Syme
aus «Die römische Revolution»; S.121
A24
Wie im Gang durch vermintes Gelände wird in einer juristisch aufgeladenen Atmosphäre aus Unbefangenheit bald generelle Vorsicht und Zurückhaltung - das Herz weicht dem Kopf.
Wolfgang Held
in »Anthroposophie weltweit« 3/2008; S.5
A25
„Ist Euer Werk ein Roman?”
„Es ist ein Roman und ist es nicht. Es ist eine Wahrheit für die, die es verstehen können, und eine Phantasterei für die, die es nicht können.”
Edward Bulwer
aus «Zanoni»; S.13
A26
Weisheit -
Einem ist sie die hohe, die himmlische Göttin,
dem andern eine tüchtige Kuh, die ihn mit Butter versorgt.
Friedrich v.Schiller
aus »Xenien«
A27
Der dialektische Aufsatz besteht aus These, Antithese und Prothese.
aus »Die Kleidermotte ...»; S.36
A28
Der Punkt ist ein Winkel, dem die Schenkel ausgerupft wurden.
aus »Die Kleidermotte ...»; S.56
A29
Ein Kind ist kein Gefäß, das gefüllt, sondern ein Feuer, das entzündet werden will.
François Rabelais
A30
Das Nachteilige tritt überall stark hervor, weil es deutlicher zu erkennen ist und sich in einzelnen Fällen mit Schärfe zeigt; das Gute, das mehr in einer allgemeinen Stimmung beruht und das selbst da, wo man es anerkannt hat, dennoch als etwas sich von selbst Verstehendes leicht übersehen wird, erblaßt dagegen und scheint kaum ein Verdienst zu sein.
Herman Grimm
aus «Leben Michelangelos»; S.27
A31
Niemals aber, das weiß man, zeigt sich die Natur des Menschen bestialischer, als wenn sie zur Ehre der höchsten Ideen ins Wüten gerät.
Herman Grimm
aus «Leben Michelangelos»; S.392
A32
Il est bien difficile de parler de soi: tout le mal qu'un auteur dira de lui-même, nous le croyons de fort bon cœur; tout le bien nous ne l'admettons que preuves en main, et nous regrettons qu'il n'ait pas laissé ce soin à d'autres. Es ist recht schwer von sich zu sprechen: Alles schlechte, das ein Schriftsteller über sich selbst sagen wird, glauben wir sehr gern; alles Gute geben wir nur unter Beweisen zu und wir bedauern, dass er diese Sorge nicht anderen überlassen hat.
Marcel Pagnol
aus «La gloire de mon père»; S.7
 
A33
Wo das Beiwort «Neo» auftaucht, sind oft Eiferer am Werk, [...]
Roger de Weck
aus «Nach der Krise»; S.88
A34
Lovell replied, "We'll see you on the other side." and Apollo 8 disappeared behind the Moon, the fist time in history men had been occulted. Lovell erwiderte: „Wir sehen euch auf der anderen Seite.”, und Apollo 8 verschwand hinter dem Mond, das erste Mal in der Geschichte, dass Menschen verborgen worden waren.
Samuel C.Phillips
aus «Apollo Expeditions to the Moon»; S.182
 
A35
aber viel [militärische Diensttage waren es], wenn man überhaupt nicht erobern will, sondern arbeiten möchte, Bücher schreiben, Bilder malen, Häuser bauen, Kinder haben und was der Dinge mehr sind, die der Spießer, wenn er zuweilen größenwahnsinnig wird, als spießig bezeichnet -
Max Frisch
aus «Gesammelte Werke in zeitlicher Folge - Bd.2» Suhrkamp, Frankfurt/M 1986; S.314
A36
Der Einwand wird aufgeworfen, es sei unerlaubt, das zu schildern, was man nicht selber erlebt habe, als ob Leiden eine Art Monopol zum Dichten schüfe, aber war Dante in der Hölle?
Friedrich Dürrenmatt
in „Fingerübungen zur Gegenwart”
aus «Werkausgabe - Bd.32» Diogenes, Zürich 1998; S.32
A37
Die Zufälligkeit entspringt der Unfähigkeit, den eigenen Standort zu lokalisieren.
Max Tegmark
in »Spektrum der Wissenschaft« 11/2015; S.60
 
A38
Die Inspiration existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit finden.
Pablo Picasso
in »die Drei« 2/2016; S.87
 
A39
Evolution ist Ausdehnen des Geistes bis ins Äusserste des Stofflichen - Ausatmen;
Involution ist Zusammenziehen des Geistes bis ins Innerste des Seelischen - Einatmen;
keine Evolution ohne ihre Involution; keine Involution ohne ihre Evolution - Atmen.
Devolution jedoch wäre Stillstand, also Rückfall ins Chaos - Ersticken.
nach Rudolf Steiner
 
[wird bei Bedarf erweitert]