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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
GEMEINDEBILDEN
Sehen Sie, in solchen Dingen haben wir es mit unserer anthroposophischen Bewegung ja natürlich schwer. Denn diese anthroposophische Bewegung kann heute durch ihre innere Natur nichts anderes sein als eine ganz universelle Bewegung. Sie muß sich gewissermaßen auf alle Gebiete des Lebens verlegen, und wir stehen in bezug auf die anthroposophische Bewegung in einer außerordentlich schwierigen Situation drinnen. Wir stehen in der schwierigen Situation, dass auf der einen Seite ein gewisses anthroposophisches Gut heute der Welt mitgeteilt werden muß - das muß in die Welt, denn es fehlt der Welt an der Möglichkeit, geistige Inhalte zu bekommen -, auf der anderen Seite tritt überall das Bestreben auf, Gemeinden zu bilden, gewissermaßen anthroposophische Gemeinden zu bilden. Nennen Sie es Zweige, nennen Sie es, wie Sie wollen, es tritt das Bestreben auf, anthroposophische Zweige zu begründen. Und weil die anthroposophische Bewegung heute noch so etwas Universelles sein muß, können diese anthroposophischen Zweige nicht eigentlich zu einem wirklichen Leben kommen, denn sie pendeln hin und her zwischen dem religiösen Element und dem mehr auf alle Zweige des Lebens gerichteten geistigen Element. Sie kommen dadurch natürlich auch nicht zu einer wirklichen Brudergesinnung; sie kommen dadurch überhaupt nicht zu einem Erfassen der sozialen Aufgabe, die darin besteht, dass man in kleinen Gemeinden vorbildlich dasjenige konkret begründet, was dann in der Menschheit sich ausbreiten soll; sondern entweder arten sie aus in eine bloße Übertragung des Lehrgutes, oder aber sie fühlen in sich das menschliche Widerstreben gegen den Zusammenschluß und zersplittern sich in Meinungen, zanken sich und dergleichen. Aber wenn man fragt: Worin liegt der Fehler? - dann liegt er eben nicht in diesen Gemeinschaften, sondern darin, dass man ja eigentlich einen wirklichen Anschluß an ein religiöses Leben heute nicht findet, wenn man auf der anderen Seite erkennend die geistige Welt durchdringt. Bei all den Bekenntnissen, die heute existieren, finden die Anthroposophen ein religiöses Leben nicht. Diese Gemeinschaften müssen eben erst da sein. Sie können nicht anders da sein, als dass man in ganz ernster Weise sich alles das vorlegt, was zur Begründung solcher Gemeinschaften führen kann. Ich glaube, die äußeren Möglichkeiten, die Institutionsmöglichkeiten, die werden sich, wenn die Gesinnung, die ich versuchte ihnen heute zu kennzeichnen, wirklich durchdringt, dann gar nicht so schwer finden, wenn Sie nur eine genügende Anzahl sind.
Stuttgart, 13.Jun.1921/MO
aus «GA 342»; S.59f