zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
ARBEITSKRAFTVERKAUFEN
Wenn man einmal einsehen wird, daß hier einer der Grundimpulse der ganzen modernen sozialen Bewegung liegt, daß in den Instinkten, den unterbewußten Empfindungen des Proletariers ein Abscheu davor lebt, daß er seine Arbeitskraft dem Arbeitsunternehmer ebenso verkaufen muß, wie man auf dem Markte Waren verkauft, daß er einen Abscheu empfindet, daß auf dem Arbeitskräftemarkt nach Angebot und Nachfrage seine Arbeitskraft ihre Rolle spielt, wie die Ware auf dem Markte unter Angebot und Nachfrage, wenn man darauf kommen wird, daß dieser Abscheu vor der Ware Arbeitskraft der eigentliche Grundimpuls der modernen sozialen Bewegung ist, wenn man ganz unbefangen darauf blicken wird, daß dies eindringlich und radikal auch von den sozialistischen Theorien nicht hinlänglich ausgesprochen wird, dann wird man den Punkt gefunden haben, von dem ausgegangen werden kann in dem, was sich heute so drängend, ja brennend erweist mit Bezug auf die soziale Bewegung.
Im Altertum gab es Sklaven. Der ganze Mensch wurde wie eine Ware verkauft. Etwas weniger vom Menschen wurde verkauft, aber noch immer nahezu der ganze Mensch, in der Leibeigenschaft. Das Kapital ist die Macht geworden, die noch etwas vom Menschen als eine Ware in Anspruch nimmt, nämlich seine Arbeitskraft. Die Methoden müssen gesucht werden, durch die getrennt werden kann von der übrigen Warenzirkulation die Ware Arbeitskraft. Man wird erst durchschauen, was hinter dieser Tatsache steckt, wenn man nicht suggestiv auf das Wirtschaftsleben hinsieht, das nach ganz anderen Methoden begriffen werden muß als der Mensch selber, wenn man wissen wird, daß nicht aus diesem Wirtschaftsleben heraus, sondern aus einem ganz anderen Erleben des sozialen Organismus herausfließen muß die Art, wie die menschliche Arbeitskraft dem Charakter der Ware entzogen werden könne.
Zürich, 3.Feb.1919/MO
aus «GA 328»; S.20f