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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zu
ASTRONOMIE und BEWUSSTSEIN
Ich habe Sie auf der einen Seite darauf aufmerksam gemacht, wie problematisch es ist, die Himmelserscheinungen nur zusammenzufassen unter rein geometrisch-mathematischen Gesichtspunkten. Daß dies problematisch ist, das sieht man ja auf den verschiedensten Seiten heute schon ein. Und es wird eigentlich nur noch zurückgebliebene Geister geben, welche in einem solchen Weltenbilde, wie es das kopernikanisch-galileische ist, die Wiedergabe einer Wirklichkeit sehen. Dagegen häufen sich die Stimmen immer mehr und mehr, die die ganze Art des Zusammenfassens der Himmelserscheinungen unter solchen Gesichtspunkten ja praktisch und nützlich finden für Berechnungen, die aber betonen, daß das Ganze doch eben nur eine bestimmte Art der Zusammenfassung ist [ein Modell], die [das] auch anders sein könnte. Und auch solche Persönlichkeiten gibt es ja jetzt, welche, wie etwa Ernst Mach, sagen: Im Grunde genommen kann man das kopernikanische Weltensystem ebenso vertreten wie das ptolemäische. Man könnte sich auch ein drittes ausdenken. Man habe es da eben nur mit einer praktischen Art der Zusammenfassung desjenigen, was man beobachten kann, zu tun. Man müsse sich dieser ganzen Welt in einer freieren Weise der Auffassung gegenüberstellen. - Sie sehen also, das Problematische der noch vor kurzem wie Abbilder der Wirklichkeit geschilderten Himmelskarten wird in weitesten Kreisen eigentlich heute ziemlich zugegeben. Dagegen kann ein Ausweg aus dem Problematischen und Ungewissen, das sich da darbietet, nur gefunden werden durch solche Betrachtungen, wie wir sie gestern wenigstens zunächst in skizzenhafter Weise angestellt haben, durch Betrachtungen, welche den Menschen nicht herausnehmen aus dem ganzen kosmischen Zusammenhang, sondern ihn hineinstellen in diesen Zusammenhang, so daß man gewissermaßen an den Vorgängen im Menschen selber sieht, wie diese Vorgänge zusammenhängen mit solarischen Erscheinungen, mit lunarischen Erscheinungen, mit terrestrischen Erscheinungen, um von da aus dann - also von dem, was im Menschen vorgeht - den Weg zu finden zu demjenigen, was in einer gewissen Beziehung als Ursachen solcher inneren Vorgänge im Menschen draußen im Kosmos geschieht.
Natürlich kann ein solcher Weg nur von dem Gesichtspunkte geisteswissenschaftlicher Betrachtung beschritten werden. Und Sie werden sehen, daß wir, gerade wenn wir die Astronomie zu den verschiedensten Lebensgebieten in Beziehung bringen wollen, finden werden, wie wir immer mehr und mehr in eigentlich geisteswissenschaftliche Betrachtungen durch das Astronomische selbst hineingetrieben werden. Bedenken Sie, daß zunächst dasjenige, was von den Himmelserscheinungen sichtbar ist, was wahrnehmbar ist unseren Sinnen, auch unseren bewaffneten Sinnen, sich darstellt als dasjenige, was gewissermaßen schon außerhalb des Menschen als Offenbarung dieser Himmelserscheinungen sich geltend macht. Der Mensch hält gewissermaßen dasjenige, was an ihn herantritt, mit seinen Sinnen auf und vergegenwärtigt es sich durch sein Bewußtsein in seinem Weltbilde. Aber diese Impulse, die da von allen Seiten auf uns zuströmen, die machen ja gewiß nicht vor unseren Sinnen Halt. Und dasjenige, was vorgeht, ohne daß der Mensch es aufhält durch seine Sinne und es sich zum Bewußtsein bringt, was da lebt in dem, was uns gewissermaßen von allen Seiten zuströmt von den Himmelswirkungen, das muß aufgesucht werden in unserem Organismus, der ja alles in einer gewissen Weise wiedergeben muß, allerdings in unbewußten, unterbewußten Vorgängen, die erst auf kompliziertere Art heraufgeholt werden müssen ins Bewußtsein.
Stuttgart, 3.Jän.1921/MO
aus «GA 323»; S.58f