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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
MISTEL als HEILPFLANZE
Das Wesentliche, ist gewiß für die Botanik die Schmarotzernatur der Mistel. Aber für das Studium der Beziehung der außermenschlichen Natur zur menschlichen ist es im Grunde genommen viel wichtiger, daß die Mistel dadurch, daß sie auf anderen Pflanzen, auf Bäumen wächst, gezwungen ist, in anderem Jahresrhythmus ihre Vegetation durchzuführen, daß sie also zum Beispiel ihre Blütenbildung bereits abgeschlossen hat, bevor die Bäume, auf denen sie wächst, mit ihrer Laubbildung im Frühling beginnen, daß sie also eine Art Winterpflanze ist, daß sie gewissermaßen sich nicht aussetzt - diese Mistel ist eine Pflanze, welche sich, ich möchte sagen, aristokratisch gebärdet -, indem sie sich durch das Laub der Bäume schützt vor den zu intensiv wirkenden Sonnenstrahlen oder Lichtwirkungen des Sommers. Wir müssen ja nach den vorgestern beschriebenen Vorgängen die Sonne immer nur als den Repräsentanten der Lichtwirkungen betrachten. Dies würde der Gegenstand einer physikalischen Betrachtung sein und gehört nicht hieher. Man kann ja nicht ganz vermeiden das, was aus einer nicht ganz richtigen Naturbetrachtung in unsere Sprache eingezogen ist. Aber die ganze Art und Weise, wie die Mistel wächst und gedeiht dadurch, daß sie eben sich an anderen Pflanzen ansetzt, das ist das besonders Wichtige. Dadurch eignet sich die Mistel eben ganz besondere Kräfte an. Sie eignet sich die Kräfte an, die etwa in der folgenden Weise bezeichnet werden können: sie will vermöge ihrer Kräfte alles dasjenige nicht, was die geraden Organisationskräfte, die geradlinig sich entwickelnden Organisationskräfte wollen, und sie will dasjenige, was die geradlinig sich entwickelnden Organisationskräfte nicht wollen. Auch da wird die Sache erst klar werden, wenn man sie so auffaßt, daß man sagt: Wenn, ganz schematisch gezeichnet , hier eine Stelle ist im physischen menschlichen Leibe, die sich durch ihre Kräfte auflehnt gegen das ganze Hereinwirken der Ätherkräfte, so daß die Ätherkräfte sich gewissermaßen stauen und haltmachen und dadurch das, was wie eine Neubildung aussieht, eben entsteht, so ist es die Mistel, welche dieser Einsackung, die sich da gebildet hat, entgegenwirkt. Sie zieht gewissermaßen das wiederum an die Stelle hin, wo es nicht hin will.
[Zeichnung]
Auch da können Sie durch das Experiment, das ja selbstverständlich, ich möchte sagen, nur per Gelegenheit gemacht werden kann, sich irgendwie überzeugen. Sie werden diese Antitendenz der Mistel gegen die geradlinige Organisation an einer Tatsache gut studieren können, nämlich wenn Sie beobachten, wie die Mistel auf das Abgehen der Nachgeburt wirkt. Sie hält nämlich die Nachgeburt im menschlichen Organismus zurück, das heißt, sie macht in ihrer Art das Gegenteil von dem, was die geradlinige Organisation eigentlich will. Das ist etwas, was geradezu zu den wesentlichsten Eigenschaften des Mistelwirksamkeitsprozesses gehört, so etwas zu bewirken wie die Nachgeburt zurückhalten, also die gewöhnliche Organisation aufzuhalten. Bei Prozessen, die dann feiner sind im menschlichen Organismus, die aber eigentlich auf demselben beruhen wie das Zurückhalten der Nachgeburt, tritt einem das natürlich viel weniger entgegen. Aber ganz dasselbe, was nun eben stark wirkt, wenn die Mistel da entgegenwirkt der geradlinigen Organisationstendenz, das tritt einem entgegen bei den Bildern, die man bekommt, wenn man die Mistelwirksamkeit überhaupt in Betracht zieht. Nicht wahr, wenn man merkt, daß die Mistel entgegenwirkt den Tendenzen des Ätherleibes, der zum Beispiel den physischen Leib nicht im richtigen Maße ergreifen will, und bringt man dann eine gewisse Mistelwirkung zustande, so ergreift der Ätherleib den physischen Leib zu stark, und es entstehen Krampfanfälle. In anderen Fällen entsteht gerade durch die Mistelwirkung dieses eigentümliche Gefühl, daß man immerfort umfallen könnte. Das sind Dinge, die dann wiederum damit zusammenhängen, daß zum Beispiel im wesentlichen die Mistel pollutionsbefördernd ist.
Also überall können Sie sehen, auch mit dem Entstehen der Epilepsie zum Beispiel zusammenhängend, daß die Mistel in sich hat dieses dem menschlichen Organismus Entgegenwirken. Das aber hängt zusammen eben weniger mit ihrem Schmarotzertum als damit, daß sie auch sich - wenn ich den trivialen Ausdruck gebrauchen darf, namentlich die Wiener werden mich verstehen - eine Extrawurst braten läßt von der ganzen Natur. Sie läßt sich insoferne eine Extrawurst braten, als sie eben nicht gedeihen will im gewöhnlichen Jahreslauf, nach dem Frühling hin blühen und dann Früchte tragen, sondern daß sie zu einer anderen Zeit, eben zu einer Extrazeit, während der Winterszeit, diese Dinge entwickelt. Damit konserviert sie diejenigen Kräfte, welche eben entgegenwirken dem gewöhnlichen Gang der Ereignisse. Würde man nicht zu stark Anstoß erregen damit, so könnte man sagen, wenn man hinschaut auf die Mistelbildungen und die wirksame Natur in Betracht zieht: Diese wirksame Natur ist dabei irrsinnig geworden, sie macht alles zur Unzeit in bezug auf die Mistel. Das ist aber gerade dasjenige, was man eben wiederum benützen muß, wenn auf der anderen Seite der menschliche Organismus physisch irrsinnig wird, und das wird er ja zum Beispiel gerade in der Karzinombildung. Da handelt es sich dann darum, gerade für solche Zusammenhänge sich ein Verständnis zu entwickeln.
Nun ist die Mistel zweifellos dasjenige, durch dessen Potenzierung man erreichen wird müssen das Ersetzen des Chirurgenmessers bei den Geschwulstbildungen. Es wird sich nur darum handeln, daß man namentlich die Mistelfrucht, aber durchaus im Zusammenhang mit anderen Kräften der Mistel selber, in der richtigen Weise wird behandeln können, um sie zum Heilmittel zu machen.
Nicht wahr, das Irrsinnige ist ja zum Beispiel auch darinnen enthalten, daß der ganze Bestand des Misteltums daran gebunden ist, daß die Befruchtung der Mistel auf das Übertragen durch den Vogelflug angewiesen ist in allen diesen Dingen; nicht wahr, die Mistel würde aussterben, wenn nicht die Vögel immerfort wiederum die Befruchtungssubstanzen von einem Baum zum andern tragen würden. Kurioserweise wählen diese Befruchtungssubstanzen auch noch den Weg durch die Vögel durch, so daß also die Mistelsubstanzen erst in den Leib der Vögel aufgenommen und wieder entleert werden, um dann auf einem anderen Baume weiterzusprossen. Das alles sind Dinge, die eben hineinschauen lassen, wenn man sie sachgemäß beobachtet, in den ganzen, wenn ich so sagen darf, Mistelbildungsprozeß. Und es handelt sich dann darum, daß man namentlich die Leimsubstanz, die leimartige Substanz der Mistel in den richtigen Zusammenhang bringt mit einem Verreibungsmittel und man allmählich eine sehr hohe Potenzierung dieser mistelartigen Substanz herausbringt.
Dann wird es sich darum handeln, daß man spezialisiert für die verschiedenen Organe hin - ich werde darauf noch eingehen - zum Teil nach dem Standort der Mistel, ob sie auf dem oder jenem Baume wächst. Aber ein anderes, was wichtig ist, wird sein, daß man es dahin bringt, in Heilmitteln etwas zu erzeugen, was darauf beruht, daß diese leimartige Substanz mit gewissen Metallsubstanzen zusammenwirkt, mit Metallsubstanzen, die selbstverständlich auch durch den Metallinhalt anderer Pflanzen erreicht werden können. Aber in dem Zusammenwirken, sagen wir, zum Beispiel der Mistel einfach vom Apfelbaum und dem Verreiben etwa mit Silbersalzen würde sich etwas ergeben, was in hohem Grade allen Unterleibskrebsen entgegenwirken könnte.
Dornach, 2.Apr.1920/VE
aus «GA 312»; S.250ff