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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
SINN der ZWEIGARBEIT
Wie wenig habe ich heute wieder von dieser Versammlung gehabt! - Darauf kommt es nicht an. Der Theosoph [entspr. Anthroposoph] soll nicht fragen, wie langweilig war es, sondern wir sollen fragen: Wie langweilig war ich? Wir kommen nicht zusammen, um zu lernen, sondern wir arbeiten mit der Seele, mit dem Geist, wenn wir Gedankenformen schaffen, die zusammenstimmen. Jede theosophische Versammlung, jeder Zweig soll ein Akkumulator von Kraft sein. Ein jeder solcher Zweig wirkt auf die Umgebung des Ortes. Die spirituelle Kraft braucht keinen, der das Wort hinausträgt. Die Kraft eines solchen Zweiges geht durch geheimnisvolle Wellen hinaus in alle Welt. Wer glaubt, daß es ein Spirituelles gibt, wird wissen, daß eine mächtige Bewegung von solchen theosophischen Logen ausgeht. Jede theosophische Loge ist ein unsichtbares, manchem unfaßbares Wirken. Da lehrt zum Beispiel irgendwo ein Prediger; ein Lehrer lehrt irgendwoanders. Und obwohl sie in keiner Verbindung waren mit einer theosophischen Loge, finden sie doch spirituelle Worte. Chemiker und Physiker im Laboratorium empfangen neue Ideen: es ist eine Wirkung der theosophischen Vereinigung.
Nur wer die angegebene Gesinnung hat, wer hegt und pflegt, was er an Liebe und Güte besitzt und auch dann erscheint, wenn es keinen interessanten Redner zu hören gibt, weil er weiß, daß Wirkungen auch da sind, wo sie nicht materiell sichtbar sind, der ist ein rechter Theosoph. [...] Nicht darum handelt es sich, ob wir den einen mehr oder weniger gern haben nach unseren persönlichen Begriffen, sondern daß wir selbstlos zusammenkommen. Dann nehmen wir nicht nur, sondern wir geben auch. Wir geben auch dann vor allen Dingen, wenn wir unsere Seele geben. Und das ist die beste Gabe. In diesem Sinne wollen wir uns vereinigen auch in unserem Zweige. Immer mehr und mehr müssen die theosophischen Zweige diese Gestalt annehmen, daß jede Kritik, jedes Besserwissen schweigen muß, daß wir möglichst in positiver Arbeit wirken, daß wir in unserer Seele wirken, wie es angegeben worden ist.
Wenn wir überzeugt sein können, daß die Wirkungen nicht äußerlich sichtbare, sondern unsichtbare sind, so wird durch unsere Gesinnung die theosophische Bewegung zu dem werden, was sie sein soll. In der Stille haben alle großen spirituellen Bewegungen gewirkt. Von Jesus Christus sind keine zeitgenössischen Mitteilungen überliefert worden. Philo von Alexandrien hat uns keine Kunde gebracht von dem Meister. Erst spätere Urkunden zeugen uns von dem Meister. Auch der Meister der christlichen Religion war nur den Großen und Treuen in seiner wahren Gestalt bekannt. Darin liegt seine Stärke und seine gewaltig große Wirkung, die noch lange nicht erschöpft ist, und die noch in weite Zukunft hinaus wirken wird.
Verstehen Sie es, an das Spirituelle der Worte zu glauben, das sich nicht in äußeren Erfolgen kundgeben muß, dann verstehen Sie den ernsten Sinn der theosophischen Bewegung. [...]
Berlin, 2.Jän.1905/MO
aus «GA 264»; S.370ff