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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
ZEITERLEBEN
[...] Und in der Tat, man kommt aus dem Raume heraus, man kommt in den reinen Zeitenfluß, wenn man das Ich in den aufeinanderfolgenden Erdenleben betrachtet.
Nun denken Sie aber: Im Raume ist ja natürlich auch die Zeit vorhanden; aber man hat gar keine Mittel, um innerhalb des Raumes die Zeit als solche zu erleben. Man hat keine Mittel. Man muß die Zeit immer durch den Raum und seine Vorgänge erleben. Sie schauen, wenn Sie die Zeit erleben wollen, zum Beispiel die Uhr an, oder schauen meinetwillen auch den Sonnengang an, die Uhr ist ja nur ein irdisches Abbild des Sonnenganges. Aber was sehen Sie denn da? Sie sehen Zeigerstellungen oder Sonnenorte: Räumliches. Dadurch, daß sich die Orte der Zeiger oder der Sonne ändern, also dadurch, das Räumliches in Veränderung vor Ihnen steht, haben Sie eine Ahnung von der Zeit. Aber da im Raum ist ja eigentlich nichts von der Zeit. Da sind nur verschiedene Sonnenorte. Die Zeit erleben Sie erst im seelischen Erleben. Da aber erleben Sie die Zeit wirklich, und da kommen Sie auch aus dem Raum heraus. Da ist die Zeit eine Realität. Die Zeit ist innerhalb der Erde gar keine Realität.
Was muß man man denn daher erleben, wenn man aus dem Raum, in dem man zwischen Geburt und Tod lebt, eintreten will in die Raumlosigkeit, in der man zwischen dem Tod und einer neuen Geburt lebt, was muß man erleben? Ja, meine lieben Freunde, man muß sterben! Und nehmen Sie nur in aller Schärfe, nehmen Sie in aller Tiefe dieses, daß man auf der Erde die Zeit nur durch den Raum erlebt, durch Raumorte, durch Stellungen von räumlichen Dingen, daß man die Zeit auf der Erde gar nicht in ihrer Wirklichkeit erlebt, dann werden Sie ja im Grunde ein anderes Wort finden für etwas, was da ist, wenn Sie sagen: Um in die Zeit als Wirklichkeit hineinzukommen, muß man aus dem Raume heraus, alles Räumliche wegschaffen - und das heißt: sterben!
Dornach, 4.Jun.1924/ME
aus «GA 236»; S.242f