zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zu
IDEALISMUS und MATERIE (GELD)
Es ist schon so, daß wir sagen müssen: Ja, da glauben die Leute, Idealisten oder Mystiker zu sein und die Materie verachten zu müssen, aber man ist nicht dadurch Idealist, daß man die Materie verachtet, sondern man ist dadurch Idealist, daß man die Materie zu vergeistigen weiß. Und dem Wirtschaftsleben gegenüberzustehen in falscher Asketik, es verachten, gering achten, das ist nicht dasjenige, worauf es ankommt, sondern worauf es ankommt, ist, dieses Wirtschaftsleben so zu gestalten, daß der Geist ihm überall seinen Stempel aufdrückt, sodaß gerade dieses Wirtschaftsgebiet des sozialen Organismus ein vom Menschen geprägtes durchgeistigtes Gebiet ist. Das ist auch das, worauf es für die Zukunft im wesentlichen ankommt. Und im kleinen, nicht wahr, macht sich das schon dadurch geltend - ich habe das schon einmal erwähnt -, daß die Menschen idealistisch zu sein glauben, geistig zu sein glauben, wenn sie dem Geiste, sagen wir, den Tribut des Materiellen versagen und meinen: Es ist nicht nötig, für das Geistige das oder jenes wirklich als Opfer darzubringen! Das Geistige ist ja eben das Geistige - sagen sie -, man muß es hoch schätzen, man muß es nicht dadurch in den Staub herunterziehen, daß man für das Geistige Geld etwa als Opfer hingibt! Darum ist man ein richtiger Idealist, wenn man sich sagt: Ja, ich verehre den Geist, aber ich halte meine Taschen zu und tue nichts für die Pflege des geistigen Lebens. - Man verachtet die Materie, man verachtet vor allen Dingen das Schlimmste der Materie, das Ahrimanischte der Materie, man macht so fest die Taschen zu, damit ja nichts heraus kann für die Pflege des Geisteslebens. Das sind Dinge, die doch auch ein wenig mit der Gesinnung zusammenhängen, die bei Idealisten und Mystikern so leicht aufkommt. Die Materie wird verachtet, statt daß sie durchgeistigt wird. Ja, die Materie verachten, woher kommt das? Weil die Idealisten und Mystiker heute oftmals die stärksten Materialisten sind, weil sie so gebändigt sind von der Materie, daß sie ihr gegenüber gar nicht anders aufkommen, als indem sie sich in eine Verachtung hineinträumen. Sie träumen sich ja nur in eine Verachtung hinein. Und so verachten sie die Materie, weil sie selbst gegen sie nicht aufkommen würden, weil sie so tief in ihr drinnenstecken.
Dornach, 4.Sep.1920/SA
aus «GA 199»; S.221f