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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zu
„FUSSWASCHUNG”
So ist die Geisteswissenschaft erstens der Weg zur geistigen Anschauung gegenüber dem bloßen Glauben, so ist sie der Weg zur echten Menschenschätzung gegenüber jener Gleichgültigkeit gegen die Menschen, die notwendigerweise aus der bloß materialistischen Anschauung folgt. Noch ein Drittes. Es gibt natürlich im Kosmos Dinge und Vorgänge außerhalb des Menschen. Wie betrachtet die Geisteswissenschaft diese Dinge und Vorgänge außerhalb des Menschen? Alle in bezug auf den Menschen! Es wird ja nichts betrachtet als in bezug auf den Menschen. Das mineralische, das pflanzliche, das tierische Reich, mit Bezug auf den Menschen werden sie betrachtet von der Geisteswissenschaft. Das gibt eine gewisse Schätzung desjenigen, was neben dem Menschen, oder man könnte auch sagen: unter dem Menschen in der äußeren physischen Welt vorhanden ist. Nehmen sie jene Empfindung, die eine echt geisteswissenschaftliche ist, und die aus der Geisteswissenschaft heraus Christian Morgenstern genommen und in dichterische Form umgeprägt hat: Der Mensch fühlt sich auf der Höhe der physischen Erdenreiche. Unter ihm ist das tierische, das pflanzliche, das mineralische Reich. Aber wenn dieses pflanzliche Reich empfindungsgemäß nachdenken könnte über das mineralische, was müßte es sich sagen? Ich neige mich in Ehrfurcht vor dir du Mineral, denn dir verdanke ich mein Dasein. Gäbest du mir nicht den Boden, trotzdem du niedriger bist in der hierarchischen Naturordnung als ich, gäbest du mir nicht den Boden, ich könnte nicht sein. Ebenso muß sich in Ehrfurcht neigen das Tier zur Pflanze und sagen: Ich danke dir mein Dasein. - Und so hinauf. Jedes höhere Reich neigt sich in Ehrfurcht vor dem niedrigeren Reich.
Dornach, 1.Feb.1919/SA
aus «GA 188»; S.242