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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
LOCKUNG auf die ERDE
Denn Sie würden sich dann folgendes sagen: Ich bin herausgetreten aus dem geistigen Reich durch die Geburt. Ich bin hier in dieses physische Reich eingetreten. Warum habe ich denn das getan? Warum bin ich denn da nicht drinnen geblieben in dem geistigen Reiche? Warum hat es mich denn überhaupt auf die Erde heruntergelockt? - Denn man kann von einem solchen Locken sprechen. Da könnten Sie dann sagen, wenn Sie sich erinnern könnten: Es hat mich auf die Erde heruntergelockt aus dem Grunde, weil plötzlich im Laufe meiner Entwickelung zwischen Tod und neuer Geburt ich in eine Sphäre hineinkam, wo es so aussah, als ob gewisse Wesen herausgeflohen wären, als ob sie eigentlich drinnen sein sollten, fehlten und nicht drinnen sind. - Wenn ich mich grob ausdrücken darf: In der letzten Zeit vor der Geburt erlebt man in der geistigen Welt auf Schritt und Tritt, daß einem da Wesen fehlen, die eigentlich hergehören und die nicht da sind. Es zeigt alles: diese Wesen fehlen. Und tritt man jetzt durch die Geburt, so sind in den Mineralien und in den Pflanzen diese Wesen da, aber wie Verbannte, wie wenn diese Wesen verbannt wären aus der Welt, in der man drinnen war, und wie wenn sie nicht vollständig gedeihen könnten, halb sterben würden und daher den Leichengeruch bilden, halb sterben würden in der Welt, in die man eingetreten ist. Man sehnt sich vor der Geburt nach der Bekanntschaft mit gewissen Verbannten. Man weiß nur: Da sind verbannte Wesen, aber wo sind die? Da geht man in die physische Welt heraus und nimmt sie wahr, aber, ich möchte sagen, einbalsamiert, mumifiziert. Denn in der Welt, in die man eingetreten ist, können sie nicht anders sein als einbalsamiert, als mumifiziert, vertrocknet. Das ist die vollständig richtige Empfindung, wenn man der Mineral- und pflanzlichen Welt so gegenübertritt, daß man in ihr die Wesen sieht, die verbannt sind aus der geistigen Welt, aus der Sphäre, in der man gerade war, bevor man in das physische Leben eintreten mußte.
Und wenn man auf Tiere und Menschen hinschaut und ihre Kinderei sieht, dann kommt man darauf, wenn man einen Blick auf die tiefere Wesenheit entwickeln kann, daß diese Tiere und Menschen, so wie sie einmal in der Welt hier sind, in der wir zwischen Geburt und Tod leben, nie fertig werden, nie eigentlich ihr ganzes, durch ihr Innenwesen bedingtes Leben zum Abschluß bringen. Wer Tiere richtig anschaut, wer sie anschauen kann mit vollständiger innerer lebendiger Erkenntniskraft, der weiß zwar, daß die Tiere nicht unsterblich sind, aber er weiß auch, daß die Tiere die ganze Tragik dieser Nichtunsterblichkeit in ihren Gruppenseelen durchmachen. Die Gruppenseelen sind ja hinausdauernd über das individuelle Leben des Tieres; aber dasjenige, was hier auf der Erde ist von den Tieren, das ist, wie ich schon neulich sagte, eigentlich krank, das ist so, daß es verdirbt, weil es in eine andere Welt gehört und in diese Welt hinein verbannt ist. Und der Mensch seiner äußeren physischen Gestalt nach ist auch in diese Welt hinein verbannt; daher bleibt er verkrüppelt, bleibt ein Kind. Der Mensch bleibt ein Kind. Das Tier ist überhaupt in seinem Wesen seiner physischen Gestalt nach vertrocknet, denn das, was zu Tier und Mensch gehört, das findet man, wenn man durch den Tod geht und in die geistige Welt unmittelbar eintritt, die man nun nach dem Tode betrachtet. Denn eigentlich beschreibt man einen Kreis in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Das, was einem verborgen bleibt hier vom Tier- und Pflanzenreich, weswegen man wahrnimmt, daß Tiere und Menschen Verbannte sind aus der geistigen Welt - der Mensch der äußeren physischen Gestalt nach -, das nimmt man zunächst wahr, indem man durch die Pforte des Todes eintritt in die geistige Welt. Da macht man eine Entwickelung durch, und man kommt dazu, daß einem immer mehr und mehr nach dieser Weltenmitternacht, die ich in dem Mysteriendrama beschrieben habe, klar wird: Da fehlt etwas, und was da fehlt, das ist gewissermaßen davongelaufen aus der geistigen Welt. Dem läuft man nach durch die Geburt und findet es dann im mineralischen und Pflanzenreich auf der physischen Erde. Über das Mineral- und pflanzliche Reich ist man eigentlich nicht erstaunt, wenn man durch die Geburt ins Dasein tritt, denn man hat es erwartet. Daß man auch hier auf der; physischen Erde Tiere findet und den Menschen mit einer äußeren Gestalt, die nur vollkommener ist, aber an das Tier erinnert, das ist etwas, was einen einigermaßen erstaunt, nachdem man geboren worden ist mit der Bewußtseinsveranlagung. Man fängt aber an, es zu begreifen, wenn man weiß: Mit dieser äußeren Gestalt der Tiere und Menschen ist ja ein Anfang gegeben, der erst weiterwächst in der Welt, in die man eintritt durch die Todespforte.
Dornach, 5.Jän.1919/SO
aus «GA 188»; S.60ff