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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
PENDELSCHLAG ZWISCHEN GUT und SCHLECHT
Man strebe irgendein Gutes an - durch den Gang der Welt wird es ein Schlechtes. Daher muß immer neu gestrebt werden, in immer neuen Gestaltungen gestrebt werden. Das ist es, worauf es ankommt. In bezug auf solches Streben der Menschen besteht ein Oszillation, ein Hin- und Herpendeln. Und nichts ist der Menschheit schädlicher als der Glaube an absolute Ideale, weil die dem realen Gang der Weltentwickelung widersprechen.
Man gebraucht gerne, wenn man so etwas darlegen will, nicht um etwas zu beweisen, sondern nur um zu veranschaulichen, gewisse Begriffe. In gewisser Beziehung können naturwissenschaftliche Begriffe symbolisch auch geistige Begriffe veranschaulichen. Denken Sie sich: Wir haben hier ein Pendel befestigt [der Vortragende zeichnet]. Nicht wahr, wenn dieses Pendel hier herausgeht, so daß es hier ist - nach der einen Seite ausschlagend - und man läßt es dann herunterfallen, so kommt es hier [unten] in seine Gleichgewichtslage. Es macht diesen Weg durch. Warum macht das Pendel diesen Weg durch? Weil die Schwerkraft auf das Pendel wirkt - so sagt man. Es fällt herunter, aber wenn es da unten angekommen ist, da bleibt es nicht stehen. Es hat durch das Herunterfallen ein gewisses Beharrungsvermögen in sich aufgenommen; und es schlägt dadurch gerade nach der entgegengesetzten Richtung aus. Dann fällt es wieder herunter. Das heißt, während das Pendel diesen Weg durchmacht, nimmt es so viel Kraft auf durch das Herunterfallen, daß es durch diese seine eigene Kraft nach der andern Seite hin ausschlägt. Um nachträglich dies oder jenes zu verdeutlichen, braucht man solch einen Vergleich. Man kann sagen: Irgendeine Tugend - Vollkommenheit, Wohlwollen - macht ganz richtig diesen Weg, aber schlägt dann nach der andern Seite aus. Vollkommenheit wird Schwäche, Wohlwollen wird vorurteilsvolle Afterliebe, Recht wird Unrecht im Verlaufe der Entwickelung.
Dornach, 6.Okt.1917/SA
aus «GA 177»; S.68ff