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Zitatensammlung
Teil 1
Zitate von Rudolf STEINER zur
SCHWEIZ
Wir haben das hierarchisch-theokratische Prinzip; dann ist das diplomatisch-politische gekommen. Es wird herübergenommen in allen seinen Formen, mit allen seinen Nebenerscheinungen. Und da ist es interessant, auf einzelne historische Einzelheiten einzugehen. Es ist eigentlich nicht richtig, wenn in historischen Handbüchern oftmals ausgeführt wird, daß die Erfindung des Schießpulvers die Ursache des modernen Heerwesens sei, im Gegensatz zu dem Ritterheereswesen des Mittelalters. Das Wesentliche ist, daß mit dem Beginn der neueren Zeit die in Europa während des Mittelalters herrschende Naturalwirtschaft durch die Geldwirtschaft ersetzt worden ist, daß die herrschenden Gewalten Geld zu verwalten kriegten, was vorher nicht der Fall war. Vorher herrschte viel mehr Naturalwirtschaft. Das Geld spielte nur eine Nebenrolle. Durch die Geldwirtschaft bildete sich aber zunächst das Soldheerwesen aus, das nicht mehr vereinbar war mit dem alten, an die Naturalwirtschaft des Mittelalters angepaßten ritterlichen Heerwesen. Dieses moderne Heerwesen ging von der Schweiz aus. Die Schweizer waren die ersten, die im modernen Sinne des fünften nachatlantischen Zeitraumes Soldaten waren. Sie können die Geschichte verfolgen: Gerade dadurch, daß die Schweizer so tüchtige Soldaten geworden sind, haben sie alle die großen Erfolge gehabt, die sie erringen mußten, um die spätere Schweiz gegen das anstürmende Rittertum möglich zu machen. Das erzähle ich eigentlich den Schweizern. Im Grunde genommen sind die Schweizer die ersten, die wirklich heeresmäßigen Überwinder des Rittertums. [...] Denn wie man das Rittertum überwindet, namentlich durch dieses Fußsoldaten-Heereswesen, das hatte das übrige Europa ganz allein von den Schweizern gelernt.
Dornach, 15.Jän.1917/MO
aus «GA 174»; S.171
Die äußeren Dinge sind wirklich nur Symptome für dasjenige, was wir durch die äußeren Symptome hindurch suchen. Und ich möchte sagen: Es ist handgreiflich, wenn man nur schauen will, wie das, was man gewöhnliuch historische Tatsachen nennt, nur Symptome sind. 1476 war auf dem heutigen Schweizerboden eine bedeutungsvolle Schlacht. Das, was dazumal in den Menschenseelen gelebt hat, als Karl der Kühne bei Murten besiegt worden ist, das tritt uns symptomatisch am bedeutsamsten entgegen in dieser Schlacht bei Murten 1476: die Austilgung beginnt des mit dem römischen Papsttum innig verbundenen Rittertums, des Ritterwesens. Aber es ist wieder ein Zug, der durch die ganze damalige zivilisierte Welt geht, der sich gewissermaßen da nur in einer ganz repräsentativen Erscheinung an die Oberfläche bringt.
Dornach, 18.Okt.1918/VE
aus «GA 185»; S.26f
Man ist wirklich innerhalb des österreichischen Territoriums in ganz anderer Weise ein Deutscher, als man etwa ein Deutscher ist im Gebiete des sogenannten Deutschen Reiches, oder als man gar ein Deutscher ist im Gebiete der Schweiz. Natürlich, im Laufe des Lebens muß man ja sogar sich bestreben, alles zu verstehen, und man kann auch alles verstehen, man kann sich in alles einleben. Aber wenn man zum Beispiel in Frage ziehen würde, was empfunden wird von einem österreichischen Deutschen mit Bezug auf die soziale Struktur, in der er drinnen lebt, und würde sich dann fragen: Ja, kann, ohne daß er es sich erst aneignet, ein solcher österreichisch Deutscher zum Beipsiel überhaupt irgendein Verständnis haben für jenes eigentümliche Staatsbewußtsein, das in der Schweiz vorhanden ist? - so muß man diese Frage im entschiedensten Maße verneinen. Der österreichisch Deutsche wuchs auf in einem Milieu, das ihm, wenn er sich nicht darum künstlich bemühte, durchaus als etwas für ihn Unverständliches dasjenige erscheinen läßt, was zum Beispiel beim Schweizer eine Art von unbeugsamen Staatsbewußtsein ist. Dafür kann der österreichisch Deutsche nicht das geringste Verständnis aufbringen, wenn er es sich nicht künstlich aneignet.
Dornach, 1.Nov.1918/VE
aus «GA 185»; S.156f