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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
ZEITUNGLESEN
Derjenige, der heute die Entwickelung der Zeit verfolgt, der wird eine erstaunliche Entdeckung machen können, wenn er achtgibt auf das, was die Seele des Menschen unmittelbar aufnimmt, und auf das, was sie so aufnimmt, daß sie es behält und wirksam macht. In unserer Zeit lesen ja die meisten Menschen, die überhaupt lesen, Zeitungen. Zeitungen sind so Tagesgeschöpfe, und die meisten denken, das geht ebenso wieder aus der Seele heraus, wie es hereingegangen ist, und sie denken, daß das einen trösten kann über die Oberflächlichkeit und Unwahrhaftigkeit unserer Journalistik, [...]. Nun liegt die Sache aber anders, als man gewöhnlich glaubt. Für die meisten Menschen der Gegenwart, die auch Bücher lesen, schreibt sich der Inhalt eines Buches viel weniger in die Seele ein, selbst wenn er gedächtnismäßig darin bleibt, als der Inhalt der Zeitungslektüre, trotzdem die Zeitung nur ein Tagesgeschöpf ist. Gerade dieses Vorübergehende des Zeitungsstoffes, der aufgenommen und wiederum abgeworfen wird, und den man nicht dem Gedächtnis einprägt, sondern den man womöglich schnell vergißt - man muß ja schnell vergessen -, er prägt sich ins Unterbewußte unendlich tief ein.
Berlin, 11.Jul.1916/MA
aus «GA 169»; S.132