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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
KINDLICHEN DANKBARKEIT
Die Kinder wissen es vielleicht nicht, sie fühlen es aber unbewußt in jenen Gründen, die so tief in des Menschen Seele sitzen, daß man sie eben nicht immer zum Bewußtsein rufen kann. Was ist denn eigentlich dieses Wesentliche, wenn man so recht erforscht, was da eigentlich in den Kindern lebt - man tut es gewöhnlich nicht -, aber wenn man erforscht, was in den Kindern lebt, wenn sie zum Weihnachtsbaum gerufen werden und hören, diese Geschenke habe ihnen das überirdische Wesen gebracht? Es sind keine solchen Geschenke, die sie selber draußen pflücken können am Bache, in der Sommer-, in der Frühlingszeit, nein, das ist ihnen aus Überirdischem geworden. Was ist es, was dann in den Kindern lebt? Ich meine, man kann sagen, gerade wenn man tief forscht in den Herzen der Kinder mit denjenigen Augen, die man die Seheraugen nennen kann, die man sich nach und nach erwirbt: das Bedeutsamste, das intensivste Gefühl, das da in den kindlichen Herzen unbewußt lebt, ist eine ganz unendlich tief gehende Dankbarkeit. Und man empfindet dann, wenn man sich hineinfühlt, etwas wie den Gedanken, der auslöst dieses Gefühl der Dankbarkeit: Waum greift denn diese Dankbarkeit so Platz in den Herzen, in den Seelen der Kinder? Warum denn? - Weil eigentlich sich dieses Herz wieder im tiefsten Unterbewußten sagt: Dankbar müssen wir Menschenkinder sein, daß wir nicht verlassen geblieben sind, daß ein Wesen sich uns geneigt hat aus Geisteshöhen herunter, das Wohnung hat nehmen wollen innerhalb des menschlichen Erdendaseins; daß auf jener Erde, die dunkel hätte bleiben müssen infolge der Paradiesesversuchung, die erkälten und erstarren hätte müssen als die große Winterzeit, hereingetreten ist in dieses zur Erstarrung sich vorbereitende Dasein das Wesen, das man alljährlich aufs neue hereintreten sieht in die Zeit, die uns auch wirklich schon symbolisch andeutet dieses Erdenende in dem Froste des Winters, in dem Dunkel, in dem Finstern des Winters. [...]
Basel, 28.Dez.1915/MA
aus «GA 165»; S.84f