zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
ERINNERUNG und GEBÄRDE
Was ist nun aber Erinnerung? Was ist erinnern? Wenn ich gelernt habe: Ein Kreis ist eine krumme Linie, bei der jeder Punkt vom Mittelpunkt gleich weit entfernt ist -, und wenn ich mich erinnern soll an diesen Begriff, so muß ich im Ätherleib wiederum diese Bewegung ausführen. Dann ist, vom Standpunkte des Ätherleibes aus gesprochen, etwas zur Erinnerung geworden, wenn die Ausführung der betreffenden Bewegung im Ätherleibe Gewohnheit geworden ist. Erinnerung ist Gewohnheit des Ätherleibes. Wir erinnern uns an irgendeine Sache, wenn unser Ätherleib gewöhnt worden ist, die der Sache entsprechende Bewegung auszuführen. An nichts erinnern Sie sich als an dasjenige, was ihr Ätherleib an Gewohnheiten angenommen hat. Ihr Ätherleib muß, wenn Sie ihn häufig bewegen und ihn wieder erinnern lassen, aus sich heraus die Gewohnheit entwickeln, durch die Annäherung an den Gegenstand die Gewohnheit entwickeln, dieselben Bewegungen auszuführen, die er ausgeführt hat, veranlaßt durch die erste Annäherung an den Gegenstand. Und weil die Gewohnheit sich immer mehr und mehr einnistet, so wird die Erinnerung immer fester und fester, je öfter sich das Ereignis wiederholt.
Nun sagte ich aber: Wenn wir wirklich denken, nicht bloß vorstellen, so nimmt der Ätherleib allerlei Gewohnheiten an. Aber dieser Ätherleib ist ja dasjenige, was zugrunde liegt dem physischen Leibe. Sie werden finden, daß Menschen, die einen Begriff klarmachen wollen, manchmal versuchen, in ihren äußeren Gebärden den Begriff nachzuahmen, selbst die Sprache zu begleiten mit einer solchen Gebärde. Aber der Mensch hat überhaupt Gebärden, ihm eigene Gebärden. Dadurch unterscheiden sich die Menschen, daß sie ihnen eigene Gebärden haben, wenn Sie nur den Ausdruck Gebärde weit genug nehmen. - Die Menschen haben ihre eigenen Gesten - Gebärde oder Geste ist ja dasselbe. Wenn man etwas Sinn für Gebärden hat, dann erkennt man einen Menschen schon, wenn man hinter ihm geht, an der Art und Weise, wie seine Gebärden sind, zum Beispiel mit dem Absatz auf dem Boden aufzutreten. Die Art, wie Sie jetzt denken, die ist also eigentlich, wenn dieses Denken Erinnerung wird, Gewohnheit des Ätherleibes. Dieser Ätherleib dressiert sich nun das Leben hindurch den physischen Leib. Das heißt, vielleicht besser gesagt, er versucht ihn zu dressieren, aber es gelingt ihm nicht recht. So daß wir sagen können: Hier ist der physische leib, nun, meinetwegen die Hand.
Wir versuchen nun, wenn wir denken, fortwährend in den Ätherleib hineinzusenden das, was dann Gewohnheit wird. Aber an dem physischen Leibe haben wir eine Grenze. Unser Ätherleib kann wirklich nicht alles in den physischen Leib hineinsenden. Daher spart er sich diese Kräfte auf, für die ihm der physische Leib ein Hindernis ist; und die trägt er hindurch durch das ganze Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wie Sie jetzt denken, wie Sie dem Ätherleib die Erinnerungen aufprägen, so kommt das in der nächsten Inkarnation als Ihr verborgenes Gebärdenspiel, als Ihre angeborene Geste zum Vorschein. Und wenn wir jetzt finden: Ach, dieser Mensch nimmt seit der Kindheit diese bestimmte Geste an, dann ist das aus dem Grunde, weil er in dem vorigen Leben, in der vorigen Inkarnation seinem Ätherleib eingeprägt hat ganz bestimmte Arten durch sein Denken. Das heißt, wenn ich eines Menschen Gesten, so weit ihm diese Gesten angeboren sind, studiere, so können mir diese zu einem Lesezeichen werden für die Art und Weise, wie er in früheren Leben mit dem Denken sich abgefunden hat. Denken Sie aber, was das heißt! Das heißt: Der Gedanke drückt sich gleichsam so in die menschliche Wesenheit ein, daß er als Geste wieder erscheint in der neuen Inkarnation. Wir schauen da hinein in dieses Werden und Weben des Gedanklichen zum Festen, zum Daseienden, zum äußerlich Daseienden. Was erst innerlich Gedanke ist, es wird äußerlich Geste.
Dornach, 28.Aug.1915/SA
aus «GA 163»; S.58ff