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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
LAUTVERSCHIEBUNG
Sehen Sie, wenn man als Mensch spricht, so achtet man ja nicht - und das liegt wiederum in dem unbewußten Charakter des Sprechens - auf die innere Kraft eines Buchstabens, eines Lautes, sondern diese innere Kraft, das Spiel der inneren Kräfte des Buchstabens, des Lautes, spielt sich im Unterbewußten ab, und man ist als Mensch mit seinem Bewußtsein außerhalb dieser Region, in der das, was für uns unterbewußt ist im Sprechen, bewußt ist. Für die Region der Angeloi ist das aber bewußt. Nehmen wir einmal an, zum Beispiel, wir sprechen irgendein Wort aus, in dem der Laut s, oder auch das englische th, was lautlich gleichwertig ist mit unserem s, eine wichtige Rolle spielt. Nicht wahr, wir mit unserem menschlichen Bewußtsein denken, wenn wir ein solches Wort aussprechen, in dem das s oder ein th eine wichtige Rolle spielt, nicht an die kosmischen Kräfte, welche in dem s oder th liegen, sondern wir denken an den Begriff, der sich in diesem Zusammenhang, in dem der Laut drinnen ist, ausspricht, weil wir mit unserem Bewußtsein nicht in der Region sind, wo der Laut s eine innere Wesenheit entwickelt. Für uns liegt der Laut außerhalb unseres Bewußtseins, ist kein unmittelbares Erleben; für das Bewußtsein der Angeloi ist der Laut aber unmittelbares Erleben. Der Engel erlebt in der Kraft des Lautes etwas ganz Besonderes.
Nun, wir mit unserem physischen Bewußtsein haben ein solches Wort vor uns, welches, ich will sagen, als einen wichtigen Bestandteil diesen Laut s, ss oder th hat; das Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, indem es diesen Laut von einem Menschen ausgesprochen empfindet, erinnert sich mit seinem weitergehenden Gedächtnis an frühere Zustände des menschlichen Sprechens, an weit zurückliegende Zeiten, und es muß zusammenbringen diesen Laut, der in diesem Worte ist, mit dem Laute, aus dem er geworden ist. Und da erinnert sich bei einem s oder th ein solches Bewußtsein dieses Wesens aus der Hierarchie der Angeloi sofort an ein t; das heißt: es hat einmal eine Zeit gegeben, wo das th oder das s ein t war; und es hat eine noch frühere Zeit gegeben, in der das t ein d war.
Stellen Sie sich nun ein solches Gedächtnis einmal vor. Also ich sagte: ein Engel hört ein Wort, in dem ein s oder ein th ist; jetzt erinnert er sich sofort an die Form des Wortes, die einmal da war, bei der also an der Stelle, wo jetzt das s oder th steht, ein t gestanden hat; und ferner erinnert er sich, daß in noch früheren Zeiten an derselben Stelle ein d gestanden hat.
Dies kommt aus einer ganz bestimmten Tatsache heraus, aus der Tatsache, daß solche Umformungen, solche Transformationen der Laute nach einem ganz bestimmten Gesetze vor sich gehen, daß der Laut fortschreitet, und zwar so fortschreitet, daß er seine Kraft zuerst vorzugsweise heraus entwickelt aus dem Astralischen.
Nun hat er die folgende Tendenz: wenn er eine Zeitlang so gelebt hat in dem Worte, daß er sich aus dem Astralischen heraus entwickelt hat, das heißt, wenn der Mensch hauptsächlich sein Astralisches angestrengt hat oder anstrengt, um einen Laut hervorzubringen, so gibt es in der späteren Zeit Menschen, welche nicht mehr das Astralische, sondern vorzugsweise das Ätherische anstrengen an derselben Stelle, so daß der Laut gleichsam im Ätherischen zunächst veranlagt wird. Und wenn nun wiederum eine Zeit vergangen ist, wo der Mensch darinnen gelebt hat, im Ätherischen den Laut anzulegen, so kommt er dazu, ihn mehr in das Physische hinunter zu versetzen, ihn im Physischen anzulegen.
Dieses ist sehr regelmäßig: Wenn zum Beispiel hingeschaut wird auf irgendein Wort, das in einer Zeit so gesprochen wird, daß ein Laut, ein hauptsächlicher Laut in dem Worte im Ätherischen veranlagt wird, dann kann man in späterer Zeit finden - ganz abgesehen von der Bedeutung, denn das Wort kann selbst seine Bedeutung ändern -, daß in demselben Wort später der Laut im Physischen veranlagt wird, und noch später wiederum im Astralischen; noch später würde er wieder veranlagt werden im Ätherischen.
Die Laute haben eine Tendenz fortzuschreiten im Laufe der Entwickelung. Und so wie wir beobachten das Fortschreiten der Pflanzenwelt von dem grünenden Blatt im Frühling bis zu dem Heraufkommen der Blüte, zu dem Entwickeln der Früchte, und wiederum zu dem Verfall, so beobachtet das Wesen aus der Hierarchie der Angeloi das Fortschreiten der Laute in dem Reiche, das ich Ihnen ja charakterisiert habe als das Reich der Sprache. Sie sind, ich möchte sagen, verschieden hineinpostiert in die Sprache, in das Sprachreich. Vor irgendeinem Laut, der einmal im Astralischen darinnen postiert ist, findet das Wesen aus der Hierarchie der Angeloi nach einiger Zeit, daß dieser Laut durchaus im Ätherischen erscheint, und nach einiger Zeit wieder im Physischen. Wenn es einen Laut zu irgendeiner Zeit im Physischen beobachtet: nach einiger Zeit ist er im Astralischen darinnen. So daß wirklich eine rhythmische Bewegung in der Lautentwickelung zu beobachten ist, wenn man das Reich der Sprache ins Auge faßt; eine rhythmische Bewegung geht so herum [Astral. ↷ Äther. ↷ Phys. ↷]. Dies ist das Tieferliegende für das Gesetz der Lautverschiebung, das wohl einige von Ihnen kennen werden, das Jakob Grimm im 19. Jahrhundert in seiner Art, von einem mehr materialistischen Standpunkte aus, charakterisiert hat.
Wenn wir gerade dieses Beispiel nehmen - die Umbildung des d in das t, dann in das s, das denselben Wert hat wie das th -, wenn wir dieses Beispiel nehmen, so sehen wir, daß das d dadurch hervorgerufen wird, daß sich der ganze Mensch mit all seinen vier Gliedern gewissermaßen einen Schwerpunkt schafft im Astralischen: dadurch bringt er das d hervor. Das t bringt er hervor dadurch, daß er sich einen Schwerpunkt schafft im Ätherischen. Das s oder th bringt er hervor, indem er sich einen Schwerpunkt verschafft im Physischen.
Dornach, 17.Jul.1915/SA
aus «GA 162»; S.120ff