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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
ERLÖSCHEN des SONNENHELLSEHENS
Wenn wir dies aus der älteren Sage dazunehmen, dann begreifen wir das dämonisch Eigenartige von Brunhilde, wir begreifen aber auch, daß sich in den Ereignissen des Nibelungenliedes Großes, Bedeutungsvolleres abspielt als dasjenige, was sich im Grunde genommen zwischen Persönlichkeiten sonst als Persönliches im Erdenrund abspielen kann. Brunhilde erscheint uns dann schon so, als ob sie in einer späteren Verkörperung gleichsam weniger geworden wäre als das, was sie einmal war als Walküre, aber als wenn sie im Seelenhaften als Walküre hineinbrächte dasjenige, was sie zum dämonischen Wesen macht. Doch bei Siegfried erscheint uns etwas Ähnliches. Auch bei ihm möchten wir sagen: Wir wollen hinsehen, wie Siegfried verkörpert war in alter Zeit, in der er noch ein anderer Mensch war, von dessen Wesenheit er etwas hereingebracht hat in die Siegfried-Inkarnation. Dadurch war es ihm möglich, Brunhilde, die auch mehr ist als die im irdischen Leibe sich darlebende Brunhilde, zu überwinden. Dadurch aber steht Siegfried vor uns, wie wenn in ihm dasjenige, was den Mann zum Manne macht, die Sonnenkraft, in einer früheren Inkarnation mehr entwickelt war, als es in einer Persönlichkeit entwickelt werden konnte in jener Zeit, in der Siegfried als Siegfried lebte. Geradeso wie die Erdenmutterkraft in Brunhilde mehr lebte, als sie in einer Persönlichkeit, in einer weiblichen Persönlichkeit leben konnte in der Zeit, da Brunhilde eben als Brunhilde auftritt.
So stehen uns eigentlich die äußeren inkarnierten Seelen, die Persönlichkeiten, wie rätselvolle Wesenheiten gegenüber. Und daher begreifen wir es, daß all dieses Rätselvolle, welches an viele alte Sagen und alte Kräfte anknüpft, die nicht im Nibelungenlied selbst enthalten sind, Wilhelm Jordan heraufholen wollte, als er darzustellen versuchte dasjenige, was in den Ereignissen, nicht im Nibelungenlied selbst, aber in den Ereignissen des Nibelungenliedes lebt, und daß eine Eifersucht, die besteht zwischen Brunhilde mit der Walkürenseele und Kriemhilde, die im eminentesten Sinne als das Erdenweib ihrer Zeit hingestellt wird, besonders ausbricht nicht wie im Nibelungenlied, sondern anders bei Wilhelm Jordan, nämlich zur Zeit als ein Fest, ein Fest der Sonnenwende dargestellt wird für die damalige Zeit: als dargestellt wird, wie der Sonnengott Baldur überwunden wird von Hödur, wie er betrauert wird von Nanna, seiner Gattin, der er entschwunden ist aus dem Reich des Lichtes, um hinunterzusteigen durch den Tod, der verursacht ist durch Hödur, in das Reich der Hel. In Kriemhildens Seele selbst kann etwas wie eine Ahnung auftreten: So wie hier im Festspiel dargestellt wird, wie der alten Göttin entrissen ward der Sonnengott, so wird mir entrissen werden - sie weiß das erst in ahnender Seele - der Sonnenheld! Sie nennt ihn gewiß nicht den Sonnenhelden, aber das alles waltet im Unterbewußtsein dieser rätselvollen Persönlichkeit, die es vielleicht heraufgetragen hat aus Inkarnationen, in denen mehr noch in den Seelen waltete als in der späteren Zeit, in der die Seelen irdische Menschen wurden, welche auch die Zeit des Nibelungenliedes ist. Daher begreifen wir, daß die Leidenschaften bei Brunhilde und Kriemhilde ganz besonders auflodern, als das Spiel von dem alten Sonnengott vor ihnen sich abgespielt hat. Dann geschieht es, daß nachher beim Bade Kriemhilde der Brunhilde vorwirft, was sie vorzuwerfen hat, und in Brunhilde der Entschluß entsteht, Hagen, den Grimmen, dem sie sich anvertraut, zum Mörder zu machen des Siegfried, der sie verraten hat.
S.175f
Das alte Hellsehen stirbt, verschwindet; der Mensch steht einsam, verlassen, und sucht nach dem Entschwundenen, sehnt sich darnach. Nanna, die Weltseele, sucht Baldur, den Sonnengott, der zu Hel gegangen ist ins Nifelland.
S.180
Dornach, 28.Mär.1915/SO
aus «GA 161»